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Beim Deutschen Sportpresseball erhält Angelique Kerber den Pegasos als „Legende des Sports". Den Preis überreicht ihr Ana Ivanović – als zweite Ex-Weltranglistenerste überhaupt auf dieser Bühne.
„Sportlerin mit Herz“ war sie schon. Seit gestern ist Tennisass Angelique Kerber nun auch „Legende des Sports“. Die Wimbledon-Siegerin reiht sich damit in eine sehr kurze Liste ein: Außer ihr ist es bisher nur dem Fußballweltmeister von 1990, Rudi Völler, gelungen, beim Deutschen Sportpresseball in beiden Kategorien ausgezeichnet zu werden. Den Pegasos, die Trophäe, die mit dieser Auszeichnung verbunden ist, nimmt die 38‑Jährige am Samstag, 7. November, bei der 44. Ausgabe in der Alten Oper entgegen. Überreichen wird ihn ihr auf der Bühne des Großen Saals ihre Freundin und einstige Konkurrentin Ana Ivanović. Sehr zur Freude von Ballmacher Jörg Müller: „Wir hatten noch nie zwei ehemalige Nummer-eins-Spieler der Tennisweltrangliste auf der Bühne.“
Kerber und Ivanović kennen sich seit Teenagertagen, spielen schon als Jugendliche bei den Juniorenturnieren gegeneinander. Aus Konkurrentinnen wurden Freundinnen, aus Freundinnen inzwischen Mütter, die längst nicht mehr nur über Vorhand, Rückhand und Weltranglistenpunkte sprechen. „Ana ist eine meiner besten Freundinnen“, sagt Kerber. Als sie im Sommer in Bad Homburg ihr Abschiedsmatch bestritt, war Ivanović deshalb ihre Wunschpartnerin.
Nun auch das Wiedersehen in Abendgarderobe statt Tennisdress. „Ich fühle mich noch nicht so alt. Aber mir bedeutet diese Auszeichnung sehr viel. Es ist eine große Ehre. Ich wollte immer als Sportlerin gesehen werden, die alles gegeben und ihr Herz auf den Platz gelassen hat. Ich denke, das habe ich geschafft“, sagte Kerber und ergänzte: „Ich habe alle meine Träume erreicht. Besser geht es nicht.“
Ein großer Moment ist die Sportlerin gewohnt. 34 Wochen stand sie an der Spitze der Weltrangliste. Vor allem 2016 bleibt für sie das Jahr, in dem aus einer Weltklassespielerin die Weltbeste wurde. „Das war mein Jahr und wird immer mein Jahr bleiben“, sagt sie. Der Triumph bei den Australian Open gegen Serena Williams hat ihr Leben verändert.
Dass auf den Höhenflug 2017 ein sportlicher Durchhänger folgte, verschwieg sie nicht. „Auch ich bin in ein Loch gefallen. Ich glaube, das ist normal.“ Plötzlich war sie nicht mehr Jägerin, sondern Gejagte. Termine, Verpflichtungen, Erwartungen – und auf dem Platz Gegnerinnen, für die ein Sieg gegen die Nummer eins besonders wertvoll war. Aber: „Ohne 2017 hätte ich 2018 nicht meinen dritten Grand Slam gewonnen – und zwar meinen besondersten.“ Wimbledon.
Heute reist Kerber, die vor Kurzem geheiratet hat, nicht mehr der Sonne und der Tennistour hinterher. „Das Leben ist ein bisschen anders geworden.“ Ganz ohne Schläger geht es allerdings nicht. Zwei- bis dreimal pro Woche Fitness, dazu ein- oder zweimal Tennis – wenn es der Terminkalender zulässt. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich das nicht aufgeben werde.“ Die „Millionen Bälle“, die sie als Kind gegen die Ballwand drosch, wirken ohnehin nach. „Ich kann nachts aufstehen und weiß, dass ich den Ball übers Netz kriege.“
Auch jenseits des Courts wird Kerber im Spiel bleiben. Sie engagieren sich für Unicef und Laureus, möchten sich stärker um den Tennisnachwuchs kümmern und in ihrer Akademie junge Spielerinnen fördern. „Ich hatte das Glück, so viel erleben zu dürfen. Davon möchte ich etwas zurückgeben.“ Eine Lektion aus dem Profisport hilft ihr mittlerweile besonders als Mutter: Geduld. „Man muss die Emotionen kontrollieren, spontan und flexibel sein. Mit Kindern kann man nicht viel planen.“ Oder, in der Sprache der Tennisspielerin: „Den Matchplan auch ab und zu ändern.“
Und dann wäre da noch jene Berufsgruppe, die am 7. November nicht zufällig im Namen des Balls steckt. Kerber und die Sportpresse haben schließlich einen beträchtlichen Teil ihrer Karriere miteinander verbracht. „Ich habe immer versucht, das Verhältnis zur Presse gut zu pflegen. Ich glaube, alle Journalisten, die immer dabei waren, wissen das.“ Dass es dabei nicht immer nur harmonisch zugeht, gehört für Kerber zum Geschäft. „Natürlich gibt es auch mal Momente, wo es ein bisschen schwierig ist. Aber das ist euer Job und unser Job ist ein anderer.“
Beim Ball selbst wird zunächst eine andere Frau den Ton angeben. Cassandra Steen eröffnet den Abend musikalisch. Und wenn Ehrungen, Reden und große Gefühle absolviert sind, wird es kurz vor Mitternacht noch einmal spanisch: Álvaro Soler ist der Mitternachtsstar.
Im Ehrenhof des Frankfurter Hofs bekam der Ballmacher gestern schon einmal einen Vorgeschmack. Nach der Pressekonferenz konnte Müller tatsächlich mit Kerber ein paar Bälle schlagen. Darauf hatte er sich den ganzen Vormittag gefreut.