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Niko Kovac hat Borussia Dortmund wieder erfolgreich gemacht. Er brachte Stabilität, Disziplin und eine klare Ordnung zurück. 114 Punkte aus seinen ersten 53 Bundesliga-Spielen sprechen eine gewaltige Sprache. Erst vor wenigen Tagen verlängerte der BVB deshalb bis 2029.
📌 Das ist Niko Kovac
Bei Konstantinos Karetsas fällt die Entwicklung am stärksten ins Auge. Der 18-Jährige kam als unbekümmerter Freigeist nach Dortmund. Dribblings, Ideen, Risikopässe – schon in seinen ersten Auftritten sprühte er vor Spielfreude. Kovac selbst schwärmte von seinem „Spielwitz“.
Zuletzt war davon deutlich weniger zu sehen. Karetsas wirkt stärker in taktische Abläufe eingebunden, arbeitet tiefer mit und hatte zuletzt weniger Einfluss auf das Angriffsspiel. Eine Entwicklung, die Fragezeichen aufwirft und Kovac schon länger begleitet.
Auch Maximilian Beier hadert. Der Nationalspieler ist eigentlich Angreifer, wird von Kovac aber immer wieder als Schienenspieler eingesetzt. Gegen den HSV lief er links auf, zuletzt musste er auch andere Löcher auf den Außenbahnen stopfen.
Das spricht zwar für Beiers Vielseitigkeit. Gleichzeitig spielt er dort weit weg von dem Bereich, in dem seine größten Stärken liegen: Tiefenläufe, Tempo Richtung Tor und Abschlüsse. Ein offensiver Unterschiedsspieler verbringt so plötzlich große Teile seiner Partie mit Aufgaben eines Außenverteidigers. Und er überzeugt dort nur bedingt.
Auch Ethan Nwaneri ist noch kein Problemfall – aber auch er muss beobachtet werden. Nach einem Vorbereitungsspiel gegen Arsenal gefiel Kovac ausgerechnet die aggressive Arbeit des hochveranlagten Technikers gegen den Ball besonders gut. Die Botschaft zieht sich durch: Kreativität ist willkommen. Ohne maximale Mitarbeit gibt es bei Kovac allerdings keine Sonderrechte.
Schon eine Datenanalyse von NDR und Global Soccer Network kam kurz nach Kovacs Dortmunder Amtsantritt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Seine starke Betonung taktischer Disziplin könne auf Kosten spielerischer Freiheit gehen und die Kreativität seiner Mannschaften einschränken.
Blickt man auf Kovacs Vergangenheit, finden sich einige prominente Fälle. Bei Monaco forderte er von Torjäger Wissam Ben Yedder ausdrücklich intensive Defensivarbeit. Ein Stürmer sei für ihn auch der „erste Verteidiger“, erklärte Kovac damals. Ben Yedder verlor zeitweise seinen festen Stammplatz. Unter Nachfolger Philippe Clement änderte sich seine Rolle – und Monaco gewann neun seiner letzten zehn Ligaspiele der Saison mit einem überragenden Ben Yedder.
Noch frappierender ist die Entwicklung von Aleksandr Golovin. Clement gab dem russischen Kreativspieler nach Kovacs Aus ausdrücklich eine freiere Rolle. Genau diese Umstellung wurde später als einer der Schlüssel für Monacos Aufschwung bezeichnet.
Auch zwei ehemalige Dortmunder liefern aktuell Stoff für die Debatte. Karim Adeyemi blüht in Barcelona auf, hat bereits zwei Tore und zwei Assists gesammelt. In der Champions League traf er in 94 Minuten ebenfalls zweimal.
Und so reicht die Debatte längst über Karetsas hinaus. Mit Ole Book hat Borussia Dortmund gerade einen Sportdirektor installiert, der für einen anderen Spielertyp steht: jung, entwicklungsfähig, mutig am Ball, mit Fantasie und möglichst viel Steigerungspotenzial. Karetsas, Nwaneri oder Chukwuemeka passen ziemlich genau in dieses Beuteschema.
Kovac hat den BVB mit Ordnung, Disziplin und Laufbereitschaft wieder erfolgreich gemacht. Das ist sein großes Verdienst. Doch je stärker Book den Kader nach seinen Vorstellungen umbaut, desto wichtiger wird die Frage, wie viel Freiheit diese neuen Dortmunder Künstler bekommen. Wer Spieler wegen ihrer Unberechenbarkeit holt, darf ihnen diese Unberechenbarkeit anschließend nicht abtrainieren.
Karetsas soll lernen, gegen den Ball besser zu werden. Beier muss flexibel bleiben, Chukwuemeka und Nwaneri ebenfalls Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig wird aber auch Kovac sich bewegen müssen. Der neue BVB will wieder Spieler entwickeln, Werte schaffen und offensiven Mut belohnen. Dafür braucht es gelegentlich eben auch einen verlorenen Zweikampf oder einen riskanten Pass, ohne dass sofort die taktische Leine kürzer wird.
Darin liegt nun Kovacs nächste große Aufgabe in Dortmund: Er hat diesem BVB seine Stabilität zurückgegeben. Jetzt muss er beweisen, dass er einem neuen, jüngeren und kreativeren BVB auch genügend Freiheit geben kann.