Zurück
Herzogsreut/Sölden. Der wintersportliche Woid freut sich auf die nahende kalte Jahreszeit. Weil dann – hoffentlich – die Skilifte und Loipen der Region wieder befahrbar sind. Aber auch, weil man dann wieder mit Jonas Stockinger fiebern kann.
Der Skirennläufer aus Herzogsreut (Gmd. Hinterschmiding) nähert sich immer mehr der absoluten alpinen Weltspitze an – und macht in dieser Hinsicht gleich beim Weltcup-Auftakt in Sölden (25. Oktober) den nächsten Schritt?
Im Interview mit dem Onlinemagazin da Hog’n geht der 27-Jährige auf diese Frage ein. Der Riesenslalom-Spezialiast blickt zudem auf die harte Saisonvorbereitung zurück – und freut sich auf weitere Einsätze seines „Stocki“-Fanclubs Herzogsreut.
Jonas, die wichtigste Frage zunächst: Wie geht es Dir?
Gut! (Mit Nachdruck)
Schön zu hören. Die wohl schwierigste Zeit eines Wintersportlers liegt hinter Dir: Der Sommer, in dem mit harter Arbeit der Grundstein für die alpine Saison gelegt wird. Wie blickst Du auf die vergangenen Wochen und Monate zurück?
Der große Fokus lag auf meiner körperlichen Konstitution. Dazu hat auch gezählt, dass ich nach der Saison mal ausgepannt habe. Direkt nach den Skitests bin ich Mitte April auf Urlaub gegangen. Der richtige Zeitpunkt im Rückblick, weil ich in dieser Phase des Jahres noch keinen mentalen Stress hatte, wieder trainieren zu müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Anfang Mai habe ich dann bei Sepp Maurer in der Sportschule Kinema mit der Vorbereitung losgelegt.
Mit welchen Inhalten?
Zunächst ist das übliche Kondi-Training auf dem Plan gestanden. Es ging darum, alles aus mir rauszuholen, sodass ich im körperlichen Bereich noch einmal eine Schippe drauflege. Das ist mir gelungen! Weiter ging es dann Mitte/Ende Juli bereits mit den ersten Schneetagen in Form eines Camps in Südamerika.
Die Vorbereitung ist also ohne nennenswerte Zwischenfälle – Stichwort: Verletzungen – verlaufen?
Ja, Gott sei Dank! Gerade vergangenes Jahr hatte ich im Sommer große Probleme mit meinem Rücken. Das war heuer nicht der Fall. Ein, zwei kleine Wehwehchen waren dabei, aber die gehören dazu.
Apropos: Es ist ja inzwischen leider hinlänglich bekannt, dass Dich der Rücken immer mal wieder zwickt – und Dir deshalb schon die ein oder andere Top-Platzierung im Weltcup gekostet hat. Ist dieses körperliche Problem nun endlich überstanden?
Bisher – ich will es gar nicht zu laut sagen: Ja! Die kleinen, vorher angesprochenen Wehwehchen hatte ich am Knie und der Hüfte. Nix Rücken! (lacht).
Konditions- und Krafttraining ist traditionell sehr unbeliebt, weil es sehr hart und oft eintönig ist. Wie motivierst Du Dich in solchen Phasen?
Da hatte ich eigentlich noch nie Probleme. Ich habe immer wieder meine Ziele vor Augen, die meine Motivation sind. Mir fällt es relativ leicht, über mein Limit zu gehen. Mittlerweile macht es mir sogar Spaß, über den Sommer zu sehen, wie sich mein Körper verändert – und den nächsten Schritt macht.
Lebt man als Wintersportler im Sommer anonym? Oder wirst Du auch ohne Rennanzug in kurzer Hose erkannt?
Mei, was heißt erkannt (schmunzelt). Ich bin kein Justin Bieber, der sich nicht mehr auf die Straße traut (lacht herzlich). Hin und wieder werde ich angesprochen. Aber das ist nett. Das ist kein Problem. Es ist halt nun einfach mal so, dass ich ab und an Autogramme geben muss.
Gerade zum Ende der vergangenen Wintersaison ist es ja richtig gut gelaufen – mit Platz 11 in Lillehammer und der 13. Rang in Kransjka Gora. Kann man diesen Schwung mitnehmen oder liegt zu viel Zeit dazwischen?
Ich versuche schon, mich auf die in diesen Rennen erfolgreichen Abläufe zu besinnen. Eine Motivation sind diese Plätze zudem noch immer. In den vergangenen Jahren habe ich mich immer darauf konzentriert, die Leistungen der jeweiligen Vorsaison mindestens zu bestätigen. Und das ist auch für die kommenden Weltcups der Plan!
Also steuerst Du die Top 10 an?
Treffen die richtigen und wichtigen Dinge zusammen, habe ich das Zeug dazu, auch einen Sieg einzufahren. Da bin ich mir sicher! Es ist mein langfristiges Ziel, um Platz eins mitzufahren. Um das zu erreichen, muss ich mich in der Weltrangliste noch weiter nach vorne arbeiten, um bessere Startnummern zu bekommen. Fabian Gratz, mein Teamkollege, hat das bereits erreicht. Er ist somit mein Vorbild!
Der Weltcup startet traditionell bereits am kommenden Wochenende, Ende Oktober, in Sölden. Also relativ früh, ehe eine längere Pause eingelegt wird. Stört Dich das?
Einerseits ist es als Sportler nicht gut, wenn die Spannung einer langen Saison so früh so hoch ist – und dann wieder abfällt. Andererseits freue ich mich auf jedes Rennen.
Mit dabei in Sölden ist auch wieder Dein Fanclub aus Deinem Heimatort Herzogsreut, der ja sogar schon mehrmals im Fernsehen erwähnt worden ist. Sind diese Schlachtenbummler aus dem Woid für Dich Druck oder Motivation?
Es ist ja ein Privileg, Druck haben zu dürfen. Nur so bringt man Leistung, das ist der Leistungsgedanke. Und deshalb freue ich mich schon jetzt auf die Herzogsreuter!
Wohl auch TV-Experte und Ex-Skistar Felix Neureuther, der Deine Fans bereits öffentlich gelobt hat.
Es fällt halt auf, wenn da nur für mich eine Blaskapelle spielt. (lacht)
Mit Deinem Papa Andreas an der Trompete…
(lacht) … der beste Trompeter!
Und du der beste Skifahrer am Wochenende? Dein Tipp: Wo landest Du beim Riesenslalom in Sölden?
Da enthalte ich mich…
Das ist nicht mehr der Anspruch. (überlegt) Top 10 ist das Ziel!