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Wer keine Probleme hat, der macht sich welche. Dieses alte Sprichwort passt derzeit erstaunlich gut zum FC Bayern München. Kaum leistet sich Manuel Neuer einen spektakulären Patzer, scheint beim Rekordmeister schon wieder die Torwartfrage zum Thema zu werden.
Und als wäre die Diskussion um die Zukunft des inzwischen 40-jährigen Ex-Nationalkeepers nicht kompliziert genug, bekommt inzwischen auch dessen designierter Nachfolger Jonas Urbig Gegenwind.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Bayern dominiert sportlich, verfügt über wirtschaftliche Möglichkeiten, von denen andere Bundesligisten nur träumen können, und hat mit Urbig einen jungen Torwart in seinen Reihen, der als Zukunftslösung aufgebaut wird. Trotzdem reicht offenbar ein kleiner Riss im Münchener Wohlfühlpanorama, um die nächste Grundsatzdiskussion vom Zaun zu brechen.
Kahn und Lehmann melden Zweifel an
Ausgerechnet Oliver Kahn und Jens Lehmann, zwei frühere Weltklassekeeper mit reichlich Erfahrung im Umgang mit öffentlichem Druck, melden inzwischen Zweifel an Urbig an. Kahn sieht zwar ein „großartiges Talent“, möchte aber erst erleben, wie sich der 23-Jährige als unangefochtene Nummer eins bewährt. Lehmann hält ihn derzeit sogar für zu jung, um sich dauerhaft bei Bayern durchzusetzen.
Ganz von der Hand zu weisen sind diese Einwände natürlich nicht. Torwarttalent und die dauerhafte Verantwortung bei einem Weltklub sind zwei unterschiedliche Dinge. Wer Woche für Woche in München zwischen den Pfosten steht, muss nicht nur Bälle halten, sondern auch Rückschläge wegstecken und einer ganzen Mannschaft Sicherheit vermitteln.
Nur: Wann soll ein junger Torhüter diese Erfahrung sammeln, wenn man ihm schon vor der eigentlichen Bewährungsprobe erklärt, dass es möglicherweise nicht reichen könnte?
Neuer bleibt der Maßstab – und das Problem
Das eigentliche Dilemma heißt Manuel Neuer. Der Weltmeister von 2014 hat den modernen Torwartfußball geprägt und über Jahre Maßstäbe gesetzt. Dass ein Nachfolger an dieser Ikone gemessen wird, ist verständlich. Dass er dabei zunächst zwangsläufig schlechter aussehen dürfte, ebenfalls.
Neuer ist allerdings 40 Jahre alt. Auch seine Karriere wird nicht dadurch verlängert, dass man bei jedem Patzer reflexartig über die Qualität seiner möglichen Nachfolger diskutiert. Irgendwann muss der Übergang gelingen. Und wenn Urbig tatsächlich die Zukunft gehören soll, braucht er Vertrauen und Spielpraxis – nicht ständig neue öffentliche Eignungsprüfungen.
Natürlich darf man kritisch hinterfragen, ob er dem enormen Druck gewachsen ist. Aber ausgerechnet Kahn und Lehmann müssten wissen, dass selbst große Torhüter nicht als fertige Persönlichkeiten vom Himmel fallen.
Münchener Luxusprobleme mit erstaunlicher Sprengkraft
Besonders amüsant ist die Debatte deshalb, weil sie ein grundsätzliches Bayern-Problem offenlegt: In München scheint selbst die komfortabelste Ausgangslage noch Anlass zur Nervosität zu bieten. Statt die eigene Stärke zu genießen und den Generationenwechsel planvoll vorzubereiten, wird schon über mögliche Schwachstellen spekuliert, bevor überhaupt Klarheit herrscht.
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