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Kolumne | Spiesen-Elversberg/Dortmund · Die SV Elversberg mischt nicht nur sportlich die Bundesliga auf. Auch auf den Rängen wächst die SVE-Fanszene über sich hinaus, findet unser Autor.
Ein Viertel der Bundesliga-Saison ist gespielt, die SV Elversberg steht mit 13 Punkten auf einem bemerkenswerten siebten Tabellenplatz. Gerade fünf Zähler fehlen auf den FC Bayern München und den kommenden Gegner Borussia Dortmund. Und auch auf den Rängen scheint das selbsternannte „Dorf“ so auf den Geschmack der großen Fußballbühne gekommen zu sein.
Denn Fußball besteht bekanntlich aus zwei Dingen: Aus dem, was auf dem Platz passiert, und dem, was den ganzen Zirkus überhaupt erst möglich macht. Millionen Fans, die vor dem Fernseher mitfiebern, Trikots und Schals kaufen und Woche für Woche ihre Mannschaft durchs Land begleiten. Zugegeben: Bei der SVE sind die Dimensionen naturgemäß etwas kleiner als bei den etablierten Traditionsvereinen. Wobei das mit dem „klein“ gerade eine relative Angelegenheit ist.
Seit Tagen kursiert eine Zahl durch den Fußballkosmos, die selbst das kleinste Dorf der Bundesliga-Geschichte ziemlich groß aussehen lässt: 8000 Elversberger sollen sich auf den Weg zum BVB machen und ihre Mannschaft im Signal Iduna Park unterstützen. Verkündet hat das Kommentatoren-Legende Frank Buschmann bei der Sky-Übertragung der SVE gegen den FSV Mainz 05. 8000! Das sind mal eben 600 Menschen mehr, als im Ortsteil Elversberg überhaupt leben.
Und die Zahl ist noch aus einem anderen Grund bemerkenswert: 8000 Auswärtsfahrer wären mehr als bei sämtlichen bisherigen Auswärtsspielen der Saison zusammen. Laut dem Portal mit dem höchstseriösen Namen „Fußballmafia“ waren 2200 SVE-Fans in Mönchengladbach, 2300 in der Veltins-Arena auf Schalke und 1300 bei der weitesten Auswärtsreise nach Köpenick zu Union Berlin dabei. Nach Leipzig schafften es immerhin 650. Macht zusammen 6450 Auswärtsfahrer, im Schnitt rund 1600 pro Partie.
Eine kleine Anekdote am Rande: Die 650 Elversberger schafften es in Leipzig zeitweise sogar, die mehr als 40.000 restlichen Zuschauer im Stadion akustisch ziemlich alt aussehen zu lassen. Was weniger für die Größe der SVE-Fanszene als für die Geräuschkulisse in der Red-Bull-Arena spricht.
Zurück zu den Auswärtsfahrern: In der Statistik belegt die SVE Rang 16 in der Bundesliga. Beim FC Augsburg (1333) und bei der TSG Hoffenheim (588) sind im bisherigen Saisonschnitt weniger Anhänger mit auf Reisen gegangen. Zum Vergleich: Augsburg hat über 300.000 Einwohner. Nicht schlecht also für eine Fanszene aus dem Bundesliga-Dorf Elversberg, dessen Gesamteinwohner in so manchen Gästeblock passen.
Sollten tatsächlich 8000 SVE-Fans in Dortmund aufschlagen, wäre das nicht nur ein ziemlich starkes Ausrufezeichen, sondern auch der absolute Vereinsrekord. Und deshalb muss man in Elversberg langsam aufpassen: Bei solchen Zahlen ist das mit dem kleinen Dorfverein irgendwann auch nur noch eine Frage der Perspektive.