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Niclas Füllkrug ist ein Phänomen. Der Stürmer von Werder Bremen stellt einen Rekord nach dem anderen auf und scheint im Alter von 33 Jahren auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Nachdem er sowohl in Italien als auch in England kaum mit guten Leistungen und Toren aufgefallen war, schien die Karriere des Angreifers eher auszulaufen als aufzuleben. Seit seiner Leihe zu seinem Herzensverein nach Bremen hat sich das verändert: Nach zehn Pflichtspielen hat er zwölf Tore auf dem Konto.
Und wie das im schnelllebigen Geschäft des Profifußballs so ist, werden die Rufe nach einem Comeback im DFB-Team immer lauter. Am Donnerstag gibt Bundestrainer Jürgen Klopp seinen nächsten Kader bekannt, und ein Name sollte dabei nicht im Aufgebot auftauchen: Niclas Füllkrug.
Der offensichtlichste Grund liegt auf der Hand: sein Alter. Zum Zeitpunkt des nächsten großen Turniers, der Europameisterschaft in Großbritannien 2028, wird er 35 Jahre alt sein. Und bei seiner Verletzungshistorie ist es fraglich, wie fit er dann sein wird. Dass er in der bisherigen Saison bislang kein einziges Mal verletzungsbedingt ausfiel, stellt in seiner Historie eine große Ausnahme dar.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass er auch in zwei Jahren einer der besten deutschen Torjäger ist, es ist allerdings unwahrscheinlich. Füllkrug hat in der laufenden Saison drei Tore mehr aus dem Spiel heraus erzielt, als nach Expected Goals zu erwarten gewesen wäre. Das ist ein Qualitätsmerkmal und zugleich ein Indiz für den Faktor Glück bei solch einem Lauf. Zudem erzielte er fünf seiner Tore per Elfmeter.
Das entscheidende Argument gegen ein DFB-Comeback ist aber spielerischer Natur. Denn Klopp müsste sein System grundlegend ändern, um Füllkrugs Stärken zum Vorschein zu bringen. Die liegen weder im Pressing über 90 Minuten noch in Tempoläufen in die Tiefe. Bei Werder übernehmen das andere, damit Füllkrug häufig als verkappter Spielmacher agieren kann. Diese Aufgabe ist im deutschen Nationalteam aber Spielern wie Florian Wirtz und Jamal Musiala vorbehalten.
Zwar könnte das DFB-Team die Abschlussstärke Füllkrugs in der Nations League gut gebrauchen. Allerdings ist Klopp kein großer Fan des Wettbewerbs, und es braucht ohnehin viel dringender einen Plan für die Zukunft. Jungen Spielern mit Perspektive sollten erst mal Chancen eingeräumt werden, ebenso wie Turniererfahrung.
Es würde den von Klopp eingeläuteten Umbruch daher völlig konterkarieren, wenn plötzlich alles auf einen 33 Jahre alten Stürmer ausgelegt wird – selbst in der Rolle des Jokers. Im Neuaufbau gilt: Form ist eine Momentaufnahme, Entwicklung ist ein Prozess. Der DFB sollte bei Letzterem bleiben.