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Mit 52 in der Bezirksliga am Ball: „Ich brauche die Herausforderung“
Ante Roncevic bringt sein Können und seine Erfahrung ein. (Foto: Volker Strohmaier)

Ein lässiger Typ, der einem zum Gespräch begegnet. Kaum jemand würde den schlanken, grau melierten, modisch gekleideten Mann auf dieses Alter schätzen. „Ich bin schon immer an Fitness und guter Ernährung interessiert gewesen und das ist bis heute so geblieben.“ Offensichtlich – doch sein Lieblingshobby ist der Fußball.

Routinier springt wieder ein

Der 52-jährige Ante Roncevic hat schon in der vergangenen Saison – noch in der Landesliga – beim FV Biberach ausgeholfen, doch in dieser Saison ist es noch extremer. Der gelernte Abwehrspieler hat bislang alle neun Saisonspiele für seine Gelb-Blauen absolviert. Für den Verein, für den er seit der C-Jugend mit Unterbrechungen spielt. „Mit zwölf hat mich mein älterer Bruder Tommi zum Fußball gebracht und seitdem bin ich von diesem Sport fasziniert.“

Er liebe und brauche den Wettkampf, aber auch das Gemeinschaftserlebnis. Dies gebe ihm der Fußball bis heute. Wohl auch deshalb konnte er im Sommer dieses Jahres nicht nein sagen, als Ben Damal, der neue Coach des FV Biberach, bei Roncevic anfragte, ob er nicht erneut aushelfen wolle. Zu viele Spieler seien verletzt oder noch nicht in der nötigen Verfassung. Insofern könne man auf die Erfahrung und das Können von Roncevic kaum verzichten. Damal machte also da weiter, wo sein Vorgänger Andreas Wonschick aufgehört hatte, der schon auf die Dienste des damals noch 51-jährigen Defensivspielers zurückgreifen wollte.

Hyrox, Eistonne, Intervallfasten

Roncevic hält sich seit Jahren in der AH des FV Biberach fit und dies auf einem hohen Niveau. Insofern ließ er sich nicht zweimal bitten, sondern sagte zu, seinen Heimatverein zu unterstützen, der sich gerade im Umbruch befindet. Zwei weitere wöchentliche Trainingseinheiten standen so auf dem Programm für Roncevic, der nebenher noch als selbstständiger Immobilienmakler arbeitet und eine Ehefrau und zwei pubertierende Kinder hat.

„Ich brauche immer wieder mal die Herausforderung, die Challenge und meine Frau unterstützt mich da immer“, betont Roncevic. So mache er auch noch eine Sportart, die aus den USA nach Biberach übergeschwappt ist: Hyrox. Eine Mischung aus Joggen und Kraftübungen. „Man kann Liegestützen machen oder auch andere Sit-ups und dann sich wieder im Freien bewegen. Ich brauche das einfach für mein Körpergefühl und um mich zu entspannen.“

Hält sich auch mit Hyrox, einer Mischung aus Joggen und Kraftübungen, fit: Ante Roncevic vom FV Biberach. (Foto: Michael Mader)

Zudem probiert Ante Roncevic auch mal Dinge wie längerfristiges Intervallfasten aus, um zu sehen, wie das auf seinen Körper wirkt. Das tägliche Eisbaden in einer Tonne auf seiner Terrasse ist indes zu einem Ritual für ihn geworden. „Ein paar Minuten halte ich es inzwischen gut aus und fühle mich hinterher wie neugeboren.“ Roncevic lebt nach seiner Einschätzung gesund, aber nicht wie ein Asket. „Ich esse auch ab und an Fleisch, aber mit viel Gemüse und/oder Obst und trinke auch mal ein Bier“, erklärt er.

Prägende Trainer

Und dann ist da noch der Fußball, den er mit zwölf Jahren anfing. Er wollte auch mal Profi werden, schrieb Briefe an Bundesligisten mit der Bitte um ein Probetraining, absolviert dann zwei bei Dynamo Dresden und 1860 München und stellte fest: „Ich habe keine Sonne gesehen, als ich gegen Alexander Zickler, den ehemaligen Bayern-Profi, damals in Dresden ran musste.“ Der Traum für den 18-Jährigen, mal die große Bühne des Fußballs zu betreten, war ausgeträumt.

Beim FV Biberach hatte er alle Jugendmannschaften durchlaufen, war kurz im Oberligakader, um dann nach Bad Schussenried zu wechseln. Dort spielte er immerhin zehn Jahre, auch während seines – allerdings kurzen – Studienaufenthalts an der Uni Konstanz. „Mit Franz Leicht habe ich dort einen meiner prägendsten Trainer kennengelernt. Als Zweiter fällt mir noch Volkmar Hackbarth ein.“

Am Saisonende soll Schluss sein

2006 spielte er dann wieder beim FV Biberach mit 32 Jahren in der Landesliga. Sieben Jahre lang in der ersten und dann der zweiten Mannschaft des FVB. Mit 39 wollte er eigentlich aufhören, nur noch Spaß haben in der AH. „Dann kam mein damaliger Trainer Miro Topalusic und fragte mich, ob ich meinen Bruder Josip für ein Spiel ersetzen könne.“ Wieder konnte Roncevic nicht ablehnen.

Und aktuell: Er wolle nach der laufenden Vorrunde langsamer machen, wisse aber auch, dass er womöglich doch noch gebraucht werde. Am Saisonende sollte dann aber endgültig Schluss sein mit dem aktiven Fußball. Trainer zu werden, sei im Übrigen keine echte Option. „Ich war schon Jugendtrainer. Das war schon okay, aber mehr muss nicht sein“, macht der 52-Jährige deutlich.

Vielmehr möchte er seine Freiheit genießen. Gemeinsam mit seiner Frau noch viel erleben, wenn die Kinder groß sind. „Was wir genau machen werden, weiß ich noch nicht. Klar ist nur, dass ich immer mein eigener Chef bleiben möchte.“ Er ist eben doch der lässige, jung gebliebene Typ von nebenan.