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"Es fühlt sich irgendwie komisch an" - so lautete das erste Fazit von St. Pauli-Kapitän David Nemeth nach dem 1:1 bei Aufstiegsaspirant Hannover 96 am Samstagabend. Es war die fünfte Partie in Serie ohne Niederlage für die "Kiezkicker", und die Reaktion des österreichischen Rechtsverteidigers verriet: Hier war womöglich sogar mehr drin gewesen. So richtig zufrieden jedenfalls wirkte der 25-Jährige mit dem Ergebnis nicht. Und das wiederum zeigt: Auf St. Pauli wächst gerade etwas zusammen.
Auch Abwehrkollege Eric Smith befand: "Schade, dass wir das Spiel nicht gewinnen konnten. Angesichts der zweiten Hälfte hätten wir den Sieg verdient gehabt. Da haben wir das Spiel so dominiert, wie wir uns das vorstellen", so der schwedische Dauerbrenner, der in Hannover eine gute Leistung zeigte.
Dass nun ausgerechnet zwei Verteidiger einen solch offensiven Anspruch formulierten, ist nicht aus der Luft gegriffen: Mit dem 1. FC Kaiserslautern (4) und Tabellenführer Hertha BSC (8) haben bislang nur zwei Mannschaften weniger Tore kassiert als die Braun-Weißen (9). Mehr als einen Gegentreffer gab es für St. Pauli zuletzt Anfang September beim 2:2 in Bielefeld - und ohnehin ist die Rapp-Elf in der Fremde noch gänzlich unbesiegt.
Nach den Wacklern zu Saisonbeginn hat der neue Coach das Team stabilisiert, das nach dem Abstieg aus der Bundesliga und einem umfangreichen Umbruch eher als Wundertüte denn als verlässlicher Kandidat für einen Wiederaufstieg galt. Das Thema Aufstieg ist nach außen noch längst keines, aber Lars Ritzka - der Dritte im Abwehrbunde - sprach nach dem Remis bei 96 von einem "gewissen Selbstverständnis", das zurückkommt.
Die Qualität in der Mannschaft scheint ausreichend, um in dieser Liga jedem Gegner das Leben schwer zu machen, das hatte bereits der 1:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg am 5. Spieltag gezeigt. Und dies liegt nicht allein an der stabilen Defensive - auch nach vorne gelingt es den "Boys in Brown" immer besser, sowohl über Umschaltmomente als auch durch kontrolliertes Positionsspiel für Gefahr zu sorgen.
Der kann aus Situationen Tore schießen, wo es keiner erwartet. David Nemeth über Abdoulie Ceesay
Ein Grund dafür ist auch St. Paulis wiedererstarkte Nummer neun: Mit vier Treffern in sechs Einsätzen hat der "Kiezclub" in Abdoulie Ceesay den vielleicht formstärksten Zweitliga-Stürmer in seinen Reihen. "Der kann aus Situationen Tore schießen, wo es keiner erwartet", versuchte Kapitän Nemeth zu erklären, was den Mann aus Gambia derzeit so stark macht. Ähnlich wie Sturmkollege Martijn Kaars kam Ceesay in der Beletage nicht gut zurecht, entwickelt sich nun aber zu einer tragenden Säule des FCSP-Offensivspiels.
Es stellt sich bei Fans allmählich die "Was wäre, wenn"-Frage: Hätte St. Pauli sich in Hannover etwa für eine gute zweite Hälfte belohnt oder zu Saisonbeginn nicht eine 2:0-Führung in Kiel aus der Hand gegeben, wo könnte das Rapp-Team in der Tabelle stehen? Derlei Gedanken sind müßig, aber angesichts der jüngsten Resultate nachvollziehbar. Schon am Freitag geht es nun in Darmstadt weiter. Wollen die Braun-Weißen in der Tabelle klettern, sollte gegen den Tabellen-17. der erste Auswärtsdreier her.
Und das wird trotz der Ungeschlagen-Serie kein Selbstläufer, weiß auch Linksverteidiger Ritzka: "Wir müssen auf jeden Fall wieder schärfer werden", sagte der 28-Jährige am Samstag nach der Partie, in der er "sehr viele Unsauberkeiten" gesehen haben wollte. Schafft es St. Pauli in Darmstadt jedoch, die einfachen Ballverluste zu reduzieren, könnte es gegen die Mannschaft mit den meisten Gegentoren (18) erneut ein Abend für Ceesay werden.