Zurück
Der erste Auftritt eines Brüderpaars im Trikot des 1. FC Köln seit 40 Jahren hat den „Effzeh“ vor einer Niederlage bewahrt: Nur sieben Minuten nach seiner Einwechslung bei der Visite im Stadion An der Alten Försterei des 1. FC Union Berlin traf Malek El Mala. Damit glich der ältere Bruder von Nationalspieler Said El Mala in der 80. Minute die frühe Führung durch Janik Haberer (11.) aus. Letztmals hatte der 1. FC Köln in den 1980er-Jahren ein Geschwisterpaar aufgeboten: Klaus und Thomas Allofs. An der Tabellensituation änderte das Remis aber kaum etwas, weder für Union noch für Köln. Die Berliner befinden sich in Abstiegsgefahr auf dem 16. Tabellenplatz, der 1. FC Köln bleibt im Mittelfeld.
Für den 1. FC Union war die Partie der Versuch, das Desaster vom Dienstag im Pokal vergessen zu machen, als die Eisernen beim 1. FC Köln einen späten Kollaps erlitten und mit 0:5 verloren. Unions Schweizer Trainer Mauro Lustrinelli hatte hernach von einer „Stolperung“ gesprochen – ein Wort, das sich im Deutschen Wörterbuch eines anderen Brüderpaars findet, dem Wörterbuch der Gebrüder Grimm. Doch weil die El Malas in Köpenick zuschlugen, war nach der Partie nur ansatzweise davon zu sprechen, dass Union wieder in Tritt gekommen ist. Im Stadion war es nach dem Ende der Partie für Köpenicker Verhältnisse erstaunlich ruhig.
Lustrinelli, der das Traineramt bei Union seit Saisonbeginn bekleidet, hatte nach der Partie vom Dienstag auf fünf Positionen umgestellt. Unter anderem rutschten die Offensivkräfte Livan Burcu und Kastriot Imeri in die Startelf, was einen Effekt zeitigte. Die Angriffsbemühungen der Unioner erhielten insbesondere durch den Eingebungsreichtum von Imeri einen tieferen Sinn. Imeri zeichnete nach neun Minuten für den ersten Abschluss der Partie verantwortlich; Burcu wiederum hatte eine entscheidende Rolle bei der frühen Führung der Unioner. Einen Pass von Linksverteidiger Derrick Köhn leitete Burcu an der Grundlinie weiter auf Tim Skarke, der sich wiederum weitgehend ungestört um die eigene Achse drehen und Janik Haberer bedienen konnte: Vier Meter vor der Torlinie rutschte Haberer in den Ball hinein – und erzielte das 1:0 (11.).
Das Tor hatte einen unmittelbaren Effekt auf das zentrale Nervensystem der Unioner. Die Köpenicker hatten keine größeren Schwierigkeiten, das Spiel unter Kontrolle zu halten – was auch daran lag, dass sie bei den – erstaunlich seltenen – Pässen in die Tiefe der Kölner konzentriert und somit auf der Hut waren. Linton Maina und Said El Mala kamen nie in die Verlegenheit, ihr spektakuläres Tempo auf den Rasen zu bringen. Das lag unter anderem daran, dass der ebenfalls neu aufgebotene Routinier Marvin Friedrich für eine Stabilität in der Abwehrreihe sorgte, die zuletzt mit Leopold Querfeld verloren gegangen war. Und dabei von Rani Khedira unterstützt wurde, der seine Rolle als „Sechser“ im Zweifel so defensiv interpretierte, dass er auch Teil der letzten Defensivreihe sein konnte.
Auf der anderen Seite bemühte sich Imeri, in den Situationen, in denen er hinter den Spitzen an den Ball kam, eine tragfähige Spielkultur zu entwickeln. Für Aufregung sorgten die Unioner nur noch zweimal: Als Zeno Van Den Bosch von hinten in die Beine von El Mala rauschte (und dafür zu Recht verwarnt wurde), sowie kurz vor der Halbzeit, als Burcu seinen Bewacher Joel Schmied stehenließ und Torwart Marvin Schwäbe zu einer Glanztat herausforderte. Schwäbe lenkte Burcus Schuss mit einer Hand an die Querlatte.
Nach der Pause änderte sich die Grundtonart der Partie auch deshalb nicht, weil die Köpenicker den Kölnern den Ball überließen – und diese damit nichts anzufangen wussten. Die Ideenlosigkeit war so beklemmend wie erstaunlich, allerdings war kaum zu verstehen, wie passiv sich Union verhielt. Dann entschied sich Kölns Trainer René Wagner Malek El Mala auf den Platz zu beordern. Damit hatte der „Effzeh“ erstmals seit den Auftritten der Brüder Klaus und Thomas Allofs in den 1980er-Jahren wieder ein Geschwisterpaar in der ersten Mannschaft auf dem Platz.
Said El Mala beflügelte das zunächst nicht. Unmittelbar nach der Einwechslung jagte er aus guter Position einen Ball übers Tor. Dann aber war Said El Mala der Urheber der Hereingabe, die der ebenfalls eingewechselte Alessio Castro-Montes so schlecht verwertete, dass der Ball vor den Füßen von Malek El Mala und schließlich im Tor der Unioner landete. Denn Malek El Mala traf aus vier Metern, sodass es für den 1. FC Köln mit dem ersten Schuss aufs gegnerische Tor für einen Punkt reichte.