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„Stahlhelm aufsetzen“: Adi Hütter trotzt dem Gegenwind bei der Eintracht

Nach dem 0:6 in Leipzig wurde es unruhig. Doch Adi Hütter fühlte sich bei Eintracht Frankfurt stets wohl und drehte an den richtigen Stellschrauben.

Frankfurt – Als Adi Hütter nach fünf Jahren im Sommer zu Eintracht Frankfurt zurückkehrte, war die Euphorie groß. Im Trainingslager in Grassau wurde der Österreicher von den Fans herzlich empfangen. Autogramme, Selfies und viele Vorschusslorbeeren begleiteten seinen Neustart. Hütter sollte der Eintracht neue Energie verleihen und den Klub wieder zu einer Mannschaft formen, die mit Leidenschaft und Intensität auftritt.

Adi Hütter und Eintracht Frankfurt wollen zurück zu alter Stärke finden.
Adi Hütter und Eintracht Frankfurt wollen zurück zu alter Stärke finden. © picture alliance/dpa | Florian Wiegand

Doch die anfängliche Aufbruchstimmung wich schneller als erhofft einer ersten Ernüchterung. Der Kader hat sich in einem großen Umbruch befunden, es gab Ein- und Verkäufe bis zur letzten Sekunde der Transferperiode. Die Erwartungen sind aber traditionell hoch und die sportlichen Ergebnisse blieben zunächst hinter den Hoffnungen zurück. Spätestens nach dem 0:6 bei RB Leipzig wurde der Gegenwind massiv.

Kritik wurde im Eintracht-Umfeld immer lauter

Die Eintracht offenbarte erhebliche Probleme, die Kritik im Umfeld wurde immer lauter. Vor allem Ex-Sportvorstand Markus Krösche stand im Fokus. Ihm wurde vorgeworfen, einen zu schwachen Kader zusammengestellt zu haben. Doch auch die Spieler selbst kamen nicht an ihre Topform heran. Vor allem die Defensive wackelte unentwegt. 16 Gegentore nach fünf Spieltagen waren deutlich zu viele.

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Hütter reagierte mit deutlichen Zeichen. Beim Debakel in Leipzig nahm er Kapitän Robin Koch bereits zur Halbzeit vom Feld. Eine Entscheidung, die für Diskussionen sorgte und als Signal an die gesamte Mannschaft verstanden werden konnte. Auch Can Uzun bekam die Konsequenz von Hütters Maßstäben zu spüren. Der Offensivspieler saß anschließend zweimal auf der Bank.

Der Trainer machte damit deutlich: Talent und Status allein reichen nicht, jeder muss seinen Beitrag für die Mannschaft leisten. Das Leistungsprinzip zählt für alle Spieler. Große Namen bedeuten keine Garantie für die Startelf. Gerade bei einem Klub wie Eintracht Frankfurt sind solche Entscheidungen nicht frei von Diskussionen.

Die Erwartungen sind groß, die öffentliche Aufmerksamkeit ist hoch und sportliche Rückschläge können schnell eine Eigendynamik entwickeln. Hütter kennt diese Mechanismen aus seiner ersten Amtszeit. Vor dem Spiel in Paderborn machte er nun deutlich, dass ihn die Unruhe nicht aus der Bahn wirft: „Dass es etwas stürmischer wird, gehört bei einem solchen Verein dazu. Dann muss man den Stahlhelm aufsetzen und durch.“

Der Satz ist mehr als eine markige Formulierung. Er beschreibt Hütters Selbstverständnis und seinen Umgang mit dem Druck. Der 56-Jährige sieht schwierige Phasen als Teil seiner Aufgabe bei einem großen Verein. Er war sich der Schwere dieser Herausforderung stets bewusst. Ein solch gewaltiger Umbruch benötige Zeit und Geduld. Die habe man gehabt, nun gehe es sportlich wieder in die bessere Richtung.

Eintracht-Trainer Hütter hat nie an der Richtigkeit seiner Rückkehr gezweifelt

Auch persönlich sieht Hütter daher keinen Grund, an seiner Rückkehr zu zweifeln. „Vom ersten Tag bis heute hat sich nichts verändert“, sagte er. „Ich fühle mich wohl wie am ersten Tag.“ Das klingt nach einem klaren Bekenntnis zum Klub und zu seiner Aufgabe. Hütter spürt nach eigener Aussage das Vertrauen der Verantwortlichen: „Wir ziehen an einem Strang und wollen, dass es in die richtige Richtung geht.“ Gleichzeitig weiß er, dass dieses Vertrauen mit Leistung untermauert werden muss.

Die jüngsten Ergebnisse geben dem Trainer zumindest etwas Rückenwind. Drei der vergangenen vier Pflichtspiele konnte die Eintracht gewinnen. Doch Hütter will daraus offenbar keinen Freibrief ableiten. Gegen Paderborn erwartet er eine unangenehme Aufgabe mit vielen Zweikämpfen. Seine Mannschaft müsse von Beginn an bereit sein, die Intensität des Gegners anzunehmen. Wer glaube, dass ein Erfolg von selbst komme, werde schnell eines Besseren belehrt.

„Wenn wir das Spiel annehmen, dann bin ich überzeugt, dass wir gewinnen können. Wenn wir das nicht tun und denken, dass es von selbst läuft, dann erleiden wir Schiffbruch“, warnte Hütter. Seine Forderung ist unmissverständlich: Die Eintracht müsse von der ersten bis zur letzten Minute kämpfen, bevor sie ihre spielerischen Qualitäten auf den Platz bringen könne: „Wir müssen kratzen, beißen und zwicken.“ Auch diese Partie sei „richtungsweisend“ für die inzwischen auf Rang acht gekletterte und im Pokal weitergekommene Eintracht.

Die Euphorie von Grassau ist inzwischen einer realistischeren Erwartung gewichen. Der Weg zu einer konstant erfolgreichen Eintracht ist noch nicht abgeschlossen. Hütter aber lässt keinen Zweifel daran, dass er an seinem Kurs festhalten will. Sein Stahlhelm-Satz ist deshalb auch eine Botschaft an die Kritiker: Der Gegenwind gehört für ihn zum Geschäft. Entscheidend sei, gemeinsam standzuhalten und die Mannschaft Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

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