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Dass Lamine Yamal herausragend Fußball spielt, ist weithin bekannt und war im Auswärtsspiel mit dem FC Barcelona bei Real Betis mal wieder zu besichtigen, zum Beispiel in der zehnten Spielminute bei seinem traumhaften Schlenzer in den linken Torwinkel zum 1:0. Weniger bekannt war bisher, dass Yamal auch ein hervorragender Schauspieler ist, was er in der 54. Minute unter Beweis stellte. Der 19-Jährige provozierte Sevilla-Profi Facundo Bernal, der zum Kopfstoß ansetzte und Yamal touchierte. Der ging wie ausgeknockt zu Boden; der Uruguayer flog mit Rot vom Feld, während Yamal nur Gelb erhielt (54.).
Das verärgerte nicht nur Betis-Trainer Manuel Pellegrini, zumal Yamal nach dem Platzverweis zufrieden lächelte. „Anstatt beide zu ermahnen, wurden wir immer benachteiligt“, klagte Pellegrini: „Es gibt keinen Grund, bei all diesen Aktionen genau diese zwei Maßstäbe anzulegen.“ Barça-Coach Hansi Flick hingegen meinte nach dem 5:2-Sieg seiner Mannschaft nur: „Ich bin sehr glücklich über seine Leistung. Für mich ist er im Moment der beste Spieler der Welt.“ Er meinte sicherlich Fußball-, nicht Schauspieler.
Adi Hütter, Trainer von Eintracht Frankfurt, hatte von seiner Mannschaft vor dem Spiel gegen Köln eine „069-Mentalität“ gefordert. Was eine 069-Mentalität genau ist, ist – abgesehen davon, dass es sich um die Telefonvorwahl von Frankfurt handelt – nicht genau definiert. Sie unterscheidet sich allerdings offenbar stark von einer 0815-Mentalität oder von einer 0:6-Mentalität, wie sie die Eintracht im Spiel zuvor in Leipzig gezeigt hatte. Diesmal siegte die Eintracht 1:0 – durch einen Treffer von Younes Ebnoutalib (77.) aus schwieriger Position. Der Stürmer ist ein gebürtiger Frankfurter, verkörperte also hervorragend Hütters Telefonnummern-Mentalität.
Genauer konnte Hütter darauf in der Pressekonferenz nicht mehr eingehen. Er hatte gerade Kapitän Robin Koch gelobt, als ein Alarm ihn unterbrach. Über die Lautsprecher erklang die Durchsage: „Sehr geehrte Damen und Herren, wegen einer technischen Störung in unserem Hause bitten wir Sie, das Gebäude zügig zu verlassen.“ Der österreichische Trainer reagierte zunächst mit Lachen, verließ das Podium dann aber schnell. Was die technische Störung ausgelöst hatte, blieb zunächst unklar.
Dass der 1. FC Nürnberg in der zweiten Bundesliga auf einem Aufstiegsplatz steht, hat viel mit Mohamed Ali Zoma zu tun. In acht Einsätzen traf der 22-jährige Stürmer sieben Mal. Doch am Samstag erregte Zoma beim Auswärtsspiel der Nürnberger in Cottbus (1:1) auf andere Weise Aufsehen: Der italienische Nationalspieler musste ausgewechselt werden, er hatte sich die Schulter ausgekugelt. Nürnbergs Trainer Miroslav Klose berichtete: „Ich habe mir selbst schon mal die Schulter ausgekugelt und musste deswegen sogar operiert werden. Wir müssen die Untersuchung abwarten und jetzt schauen, wer ihn ersetzen kann, wie wir ihn ersetzen und welche Qualität wir auf den Platz bringen. Eines ist auch klar: Eins zu eins wirst du ihn nicht ersetzen.“
Für Club-Verteidiger Fynn Otto war „der Moment, in dem Momo raus ist, für jeden erst einmal eine Schrecksekunde“. Man habe „auch gesehen, dass uns das ein bisschen mitgenommen hat“. Aber Otto wollte es bei einem Sekundenschreck belassen: „Wir müssen jetzt einfach gucken, dass wir nicht nur von einem Spieler abhängig sind. Das sind wir auch nicht. Wir haben genug andere Stärken.“ Was nun zu beweisen ist – im Spitzenspiel am Samstagabend zu Hause gegen Kaiserslautern.
Es ist offenbar nicht so, dass man sich an ein Dasein als Matchwinner schnell gewöhnt. Schon am vergangenen Samstag hatte Miro Muheim für den Hamburger SV in der Nachspielzeit in Hoffenheim zum 3:2 getroffen. Diesmal erzielte er gegen den VfB Stuttgart in der 88. Minute ein Traumtor in den rechten oberen Winkel zum 1:0-Sieg. Das habe in ihm „Ungläubigkeit“ ausgelöst, berichtete der 28-jährige Schweizer, der mit vollem Namen Miro Max Maria Muheim heißt und sich nun den weiteren Beinamen „Miracle“ verdient: „Ich bin ziemlich müde und muss das erst mal verarbeiten. Ich habe noch gar nicht realisiert, was gerade passiert ist.“ Was er realisiert hatte: dass es sich um „ein Super-Tor in einem Super-Moment“ handelte.
Auf seiner Lieblingsposition hinten links war Muheim im Hamburger Kader hinter Louis Lemke und David Möller Wolfe in dieser Saison plötzlich nur noch die Nummer drei. Dafür glänzt er nun in einer offensiveren Rolle. „Wir haben uns vor der Saison bewusst dazu entschieden, dass wir die Schienen anders besetzen, auf mehr Intensität setzen wollen und Miro seine Stärken anders einsetzen soll“, berichtete HSV-Trainer Merlin Polzin. „Das ist ihm zuletzt sehr gut gelungen.“ Polzin könnte sich sicherlich daran gewöhnen.
Ob es sich um einen Weltrekord handelte, das müssen die Experten aus dem Hause Guinness beurteilen, aber zumindest in der Historie der Bundesliga dürfte Loris Karius seit diesem Wochenende ein Anwärter auf die Auszeichnung „Die meisten Paraden in den ersten 90 Spielsekunden“ sein. Gegen die Mainzer Angreifer Sheraldo Becker und Jae-sung Lee verhinderte Karius mit drei starken Rettungstaten den Rückstand seiner konfus ins Spiel gestarteten Elf. Die außergewöhnliche Serie des Frühaufstehers und den auch sonst mehr als bloß tadellosen Auftritt im Heimspiel gegen Mainz 05 honorierten die Schalker Opernkritiker mit Bestnoten. Kein Zweifel: Loris Karius war mit großem, großem Abstand Schalkes bester Spieler, womit schon einiges gesagt ist über sein Team. Weite Teile der Partie habe man „gefühlt keinen Zweikampf gewonnen“, sagte Trainer Miron Muslic, „wir waren auf dem ganzen Platz in unseren Duellen unterlegen“. Die 0:1-Niederlage hielt er für „extrem verdient“, und somit stellte Schalke 04 zumindest einen unbezweifelbaren Rekord auf: Es war die bei Weitem schlechteste Saisonleistung. „Wir müssen lernen, lernen und lernen“, empfiehlt Muslic, „aber das ist normal für einen Aufsteiger.“