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Der 24. Januar 2026 hallt immer noch nach in Magdeburg. Beim Zweitliga-Ostderby des heimischen Fußballklubs 1. FC gegen Dynamo Dresden kam es Anfang des Jahres zu heftigen Ausschreitungen. Mehr als 70 Polizisten wurden verletzt. Die Magdeburger Fanhilfe sprach darüber hinaus von mehr als 100 verletzten Stadionbesuchern.
Am vergangenen Freitag musste sich ein 29 Jahre alter Fan des FCM, der am 24. Januar die Partie besuchte, vor Gericht verantworten. Versuchter Mord lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Das Urteil soll am 5. November verkündet worden.
Laut Anklage hat der Beschuldigte eine zehn Kilogramm schwere Betonplatte auf einen Polizisten geworfen und diesen am Helm getroffen. Bis zu sechs Jahre Haft drohen dem Beschuldigten.
Der Tag der Ausschreitungen ging als einer der schwärzesten in die bisherige Geschichte des Vereins ein, der an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, ARD, Sky und RTL plus) in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim FC Bayern München gefordert ist. Damals hatten Dresden-Anhänger Raketen in den Heimbereich geschossen. Magdeburger Fans versuchten daraufhin, zum Gästeblock vorzudringen. Die Polizei stellte sich ihnen entgegen. Die Situation eskalierte. Neben dem 29-Jährigen wird einem weiteren Fan des FCM versuchter Mord vorgeworfen. Ein 31-Jähriger soll einen Pflasterstein auf einen Polizisten geworfen haben.
Da beide Prozesse aktuell laufen, wird der Klub aus Sachsen-Anhalt bis heute zwangsläufig mit den Ausschreitungen des 24. Januars konfrontiert. Es ist die Schattenseite der Anhänger des 1. FC Magdeburg, die sonst überwiegend für ihren uneingeschränkten Support und beeindruckende Choreografien bekannt sind. 3000 Fans begleiteten den Traditionsverein zum Beispiel im Schnitt in der vergangenen Saison zu Auswärtsspielen im Abstiegskampf der 2. Liga. Das Gästekontingent für die Partie beim FC Bayern ist mit 7.500 verkauften Tickets vergriffen.
Die enge Verbundenheit zwischen Fans und Mannschaft unterstrich in der komplizierten vergangenen Spielzeit Führungskraft Baris Atik, der im Kampf um den Klassenverbleib emotionale Worte an die Fans richtete. „Was ich in den letzten fünf Jahren hier besonders schätzen und lieben gelernt habe, ist unser Zusammenhalt – zwischen uns und euch. Und genau dieser Zusammenhalt hat diesen Verein immer stark gemacht.“
Magdeburg, auf Platz fünf der mitgliederstärksten Ostvereine (knapp 17.000), hielt am Ende die Klasse und spielt unter dem Trainerduo Petrik Sander und Pascal Ibold aktuell oben mit. Die Landeshauptstädter belegen nach neun Spieltagen den sechsten Rang, mit Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen. Von der ersten Liga spricht in Magdeburg allerdings (noch) niemand.
„Was ich in den letzten fünf Jahren hier besonders schätzen und lieben gelernt habe, ist unser Zusammenhalt.“
Baris Atik; Spieler des 1. FC Magdeburg, über die Verbindung zwischen Fans und Team
36 Jahre ist es her, dass der FCM letztmals erstklassig spielte – in der Saison 1989/1990 in der DDR-Oberliga. Magdeburg wurde im letzten Jahr vor der Wende in Deutschland Dritter im Osten. Im folgenden Übergangsjahr verpasste der Klub als Zehnter die Qualifikation für die 1. oder 2. Bundesliga und schaffte es nach vielen Jahren in der Dritt- und Viertklassigkeit erst zuletzt, sich in Liga zwei zu etablieren. Die glorreichste Zeit des Klubs liegt ein halbes Jahrhundert zurück. 1974 gewann der FCM als einziger DDR-Fußballverein überhaupt einen internationalen Wettbewerb, den Europapokal der Pokalsieger. Davon ist der Ostklub immer noch weit entfernt.
Aktuell läuft es sportlich wieder rund. Mit einem 6:1 gegen den Karlsruher SC im Rücken fahren die Blau-Weißen zum FC Bayern. Coach Sander sprach trotz der krassen Außenseiterrolle davon, dass die Partie beim Branchenprimus nicht als „Kaffeefahrt“ deklariert sei.
Die Ansprüche sind gestiegen beim 1. FCM. Erst kürzlich wurde der für 12 Millionen Euro neu errichtete Campus auf dem Vereinsgelände eröffnet. „Der Campus ist ein wichtiger Baustein, um unseren Verein nachhaltig für die kommenden Jahrzehnte aufzustellen“, sagte FCM-Geschäftsführer Martin Geisthardt.
Das Land Sachsen-Anhalt unter der Regierung von Noch-Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat das neue Gebäude mitfinanziert. Der Klub ist auf eine enge Zusammenarbeit mit der Politik angewiesen. Durch den Landtags-Wahlsieg der AfD im September könnte sich mit der möglichen Regierung der vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuften Partei in Zukunft allerdings gewisses Konfliktpotenzial entwickeln.
Wie genau sich eine mögliche AfD-Regierung auf den 1. FCM auswirkt, ist zwar offen. Geisthardt betonte erst kürzlich im Gespräch mit der „Magdeburger Volksstimme“, dass sein Klub für „Toleranz, Gleichberechtigung, Diversität und Inklusion steht.“ Damit setzt sich der Verein, der laut Satzung unpolitisch ist, für vieles ein, gegen das die AfD noch vor wenigen Monaten massiv Wahlkampf betrieben hat. Vielsagend ergänzte Geisthardt: „Der 1. FC Magdeburg stiftet Identität, Zusammenhalt und Heimatgefühl. Wir tragen dazu bei, dass sich die Menschen mit ihrer Stadt und ihrem Bundesland identifizieren. Deshalb sollte es im gemeinsamen Interesse aller Verantwortlichen liegen, den Klub auch künftig bestmöglich zu unterstützen.“