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Vanessa Herzog (31) hat ihre ersten Testwettkämpfe hinter sich. In Asien warten Weltcup und Untersuchungen.
Manchmal stellt das Leben schlagartig alles auf den Kopf. Für Tom und Vanessa Herzog folgte auf die Parkinson-Diagnose im Frühjahr die nächste Hiobsbotschaft: ein Gehirntumor an einer heiklen Stelle. Doch statt sich von der Ungewissheit lähmen zu lassen, begegnet er seiner Situation mit bemerkenswerter Gelassenheit. Er will bewusst leben, jeden Tag genießen und anderen Mut machen. Ans Aufgeben denkt er ohnehin nicht: „Ich plane nicht meinen Abschied, sondern Vanessas Karriere.“
Seit Jahren gehen die beiden durch Höhen und Tiefen. Vanessa ist für ihren Mann, Trainer und engsten Vertrauten eine wichtige Stütze – gerade in einer Zeit, die beiden viel abverlangt. Gleichzeitig richtet die Eisschnellläuferin den Blick nach vorne. Im Sommer absolvierte die 31-Jährige ein straffes Grundlagentraining: „Sprünge sind das Basistraining mit einem Mix aus Leichtathletik.“ Und das Beste daran: „Der Rücken hält, er hat sich regeneriert. Es gibt nichts Schöneres, wenn man wieder alles machen kann, was man will“, freut sich die Weltmeisterin von 2019. Auf die Inlinesaison verzichtete sie heuer bewusst – eine Entscheidung, die sich ausgezahlt hat. „Das hat dem Rücken extrem gutgetan. Ich kann sagen: Mein Körper ist fit.“
Die vergangenen drei Wochen verbrachte das Paar in Inzell auf dem Eis, inklusive erster Testwettkämpfe. „Sie waren gut, besser als der Schnitt der letzten Jahre. Die Zeiten waren durchaus akzeptabel und ich werde von Rennen zu Rennen schneller. Es macht Spaß, nur bei den ersten zehn Metern am Start gibt es noch viel zu tun.“ Vor allem an den Feinheiten der Startposition wird gefeilt. „Ich mache noch ein paar Missteps, die mir den Speed nehmen. Wenn ich die kleinen Fehler wegbekomme, bin ich zuversichtlich.“
Ein Trainingssommer in den USA blieb diesmal aus. „Die Gruppe rund um Bob Corby und Jordan Stolz hat sich intern aufgelöst. Durch die neue Verteilung hat es für uns keinen Sinn mehr ergeben.“ Stattdessen trainiert die Mehrkampf-Europameisterin von 2019 aktuell in Deutschland mit dem Team Österreich. Eine Konstellation, die durchaus ihren Reiz hat: „Komisch ist, dass ich länger eislaufe, als die meisten auf der Welt sind. Es taugt mir total, denn die Jungen sind stark drauf und versprühen viel Lockerheit.“
Am 5. November hebt der Flieger nach China ab. Zunächst stehen die ersten zwei Weltcups am Programm, danach folgt Toms nächste Untersuchung. „Da der Tumor nur schwer operabel ist, bringt es nichts, dass ich alle paar Wochen in Panik verfalle. Es gibt ein genaues Zeitschema und dementsprechend vertraue ich auf die asiatischen Ärzte“, erklärt Tom. Vanessa gibt offen zu, dass die Ungewissheit auch an ihr nicht spurlos vorübergeht: „Ich mache mir Gedanken, wenn er länger Kopfschmerzen hat, aber die vergehen dann wieder. Sonst ist es tagsüber nicht so präsent. Er geht laufen und in die Kraftkammer, und das ist ein Zeichen, dass es ihm gut geht.“
Was bleibt, ist ein voller Kalender. Mit der EM in den Niederlanden und der WM im Februar in China warten zwei große Höhepunkte. Der nächste Winter bringt sportlich einiges mit sich. Und auch abseits gilt es, Schritt für Schritt weiterzugehen.