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Kimi Antonelli ist Italiens neuer Superstar
Würde man dieser Tage die Frage nach dem beliebtesten Italiener stellen, die Antwort wäre wohl eindeutig. Und zwar vom Brenner bis runter nach Palermo.
Kimi Antonelli hat die Herzen seiner Landsleute in Höchstgeschwindigkeit erobert: Als erster italienischer Formel-1-Weltmeister seit 1953, als jüngster Champion in der Geschichte dieses Sports, nicht zuletzt als smarter und erfrischender junger Mann, den man eigentlich gar nicht nicht sympathisch finden kann.
Mit seinen 20 Jahren hat Kimi Antonelli in seiner Heimat schon einen Status erlangt, wie er in diesem sportverrückten Land nur wenigen zuteil wird. Die Italiener vergöttern traditionell ihre Sporthelden und stellen sie mitunter auch unter einen Heiligenschein.
Da wird dann selbst über Skandale und Eskapaden hinweggesehen. Etwa wenn MotoGP-Star Valentino Rossi ein bisschen bei der Buchhaltung trickst und 35 (!) Millionen Euro Steuern zurückzahlen muss. Oder wenn Radikone Marco Pantani versehentlich zu Mitteln greift, die dummerweise auf der Dopingliste stehen.
Ein Blick auf die beliebtesten italienischen Sportstars der vergangenen 50 Jahre, zu denen nun als Formel-1-Weltmeister auch Kimi Antonelli zählt.
Von Sexten am Fuße der 3 Zinnen aus hat der Südtiroler die Tenniswelt erobert. Als erstem Italiener, der die Weltrangliste angeführt hat, liegen dem 25-Jährigen die Fans und die Werbewirtschaft zu Füßen.
Sinner ist in seiner Heimat längst das bekannteste Testimonial und dabei omnipräsent. Er macht Werbung für Pasta, Parmesan und Kaffee, für eine Automarke und ein Nobelmodelabel – selbstverständlich alles Made in Italy.
Autogramme von Jannik Sinner sind begehrt
Bei all seiner Popularität ist der Superstar volksnah geblieben. So schaute Jannik Sinner erst vor drei Wochen beim Training seines lokalen Fußballklubs OSG 3 Zinnen (2. Amateurliga in Südtirol) vorbei.
Fausto Coppi, Gino Bartali, Alfredo Binda, Felice Gimondi – Italien hat viele legendäre Radfahrer hervorgebracht. Aber keiner hat die Italiener so bewegt wie Marco Pantani. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass er nur 34 Jahre alt wurde.
Jedes Jahr pilgern am Valentinstag Tausende Fans an das Grab von Pantani, der am 14.2. 2004 an einer Überdosis Kokain starb.
Die Italiener liebten diesen kauzigen Kerl, der von allen nur Elefantino (wegen seiner abstehenden Ohren) und Il Pirata (wegen seines Kopftuchs) genannt wurde.
Pantani ist einer von nur sieben Profis, denen es gelungen ist, in einem Jahr den Giro d’Italia und die Tour de France zu gewinnen (1998). Zu seinem Grab in Cesenatico pilgern jedes Jahr 50.000 Menschen.
Von der Po-Ebene direkt auf den Gipfel des Skisports – die Story des Pistenfeschaks aus Bologna, der den Älplern im Slalom und Riesentorlauf um die Ohren fährt, faszinierte und elektrisierte die Italiener.
11 Millionen Landsleute (Marktanteil 70 Prozent) sahen zu, als Tomba 1988 in Calgary zwei Mal Olympiagold gewann. Bei den Heimrennen in Alta Badia und Madonna di Campiglio standen sich bis zu 40.000 Tifosi an den Pisten auf den Zehen und sorgten für eine Atmosphäre wie im Fußballstadion.
Bis heute gilt der dreifache Olympiasieger und zweifache Weltmeister als größter Popstar und Entertainer der Skigeschichte. Tomba, la Bomba lässt noch immer den Funken überspringen, wenn er im Weltcup auftaucht.
Wer MotoGP hört, der denkt zwangsläufig an den Ausnahmekönner aus Urbino. Il Dottore, wie Valentino Rossi auch genannt wird, ist dafür verantwortlich, dass die Motorradrennserie auf die Überholspur kam und weltweit die Massen begeisterte.
Bezeichnend, dass seit dem Rücktritt des neunfachen Weltmeisters (2021) das Interesse an der MotoGP deutlich zurückging.
Valentino Rossi war immer zu Späßen aufgelegt und feierte seine Triumphe häufig mit ausgefallenen Kostümen, exzentrischen Maskeraden oder speziellen Helm- oder Motorraddesigns.
Kultstatus hatte sein Heim-Grandprix in Mugello, bei dem sich 100.000 italienische Fans zu Ehren des Lokalmatadors gelb anzogen. Der Spanier Joan Mir, Weltmeister von 2020, adelte Rossi einst als „Michael Jordan der MotoGP“.
Es braucht schon wahre Wunderdinge, wenn man als Schwimmerin ein ganzes Land verzücken will. Federica Pellegrini ist zum bekanntesten Gesicht des italienischen Frauen-Sports geworden.
Als Schwimmerin wurde sie Olympiasiegerin und holte sechs WM-Goldmedaillen. Gleich drei Mal wurde Pellegrini zur Weltsportlerin des Jahres (2009, 2011, 2017) gewählt.
Auch nach ihrer Karriere ist die 38-Jährige ein bekanntes Werbegesicht und ständig auf den Bildschirmen zu sehen.
Als Fußballer hat man es in Italien wahrlich nicht einfach, dass die gesamten Tifosi hinter einem stehen. Zu groß sind die Rivalitäten der Klubs, dass Stars wie Francesco Totti (AS Roma) oder Paolo Maldini (AC Milan) landauf landab uneingeschränkte Anerkennung genießen.
Ein Mann hat es freilich geschafft, die italienischen Fans in seinen Bann zu ziehen: Roberto Baggio.
Am Il Divin Codino, dem göttlichen Zöpfchen, wie der Spielmacher wegen seiner Frisur genannt wird, ließ niemand ein schlechtes Haar. Selbst den verschossenen Elfmeter im WM-Finale 1994 gegen Brasilien nahmen ihm die Italiener nicht übel.
Obwohl er mit der Squadra Azzurra keinen Titel holte, wählte die Gazzetta dello Sport Roberto Baggio erst in diesem Jahr zum beliebtesten italienischen Fußballer der Geschichte.
Bis Jannik Sinner auf den Centre Courts auftauchte, war der Mann aus Trafoi am Fuße des Ortlers der berühmteste Sportler, den Südtirol hervorgebracht hat. In den 1970er-Jahren löste Gustav Thöni mit seinen Erfolgen quer über Italien einen riesigen Skiboom aus – und das ohne richtig gut italienisch zu sprechen.
Wenn Thöni über die Pisten wedelte, sahen auf einmal auch die Menschen in Süditalien zu: Immerhin war er zu seiner Zeit der beste Skifahrer der Welt: Vierfacher Gesamtweltcupsieger, fünfmaliger Weltmeister und Olympiasieger 1972 im Riesentorlauf.
Gustav Thöni, der später Alberto Tomba als Trainer zur Seite stand, ist den Italienern heute noch ein Begriff. Nicht zuletzt, weil er in seinem unnachahmlichen Dialekt jahrelang im Fernsehen Werbung für Südtiroler Speck machte.