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Jürgen Klopp steht vor seiner zweiten Nominierung als Bundestrainer. Am kommenden Donnerstag wird der 59-Jährige sein Aufgebot für die abschließenden beiden Nations-League-Gruppenspiele in Serbien und gegen die Niederlande bekannt geben.
Dann wird sich Klopp für eine deutlich kleinere Auswahl entscheiden. Bei seinem Debüt im Oktober/November hatte der Bundestrainer noch 44 Spieler nominiert und das Aufgebot in zwei Kader verteilt, die jeweils für zwei Partien eingesetzt wurden.
In der zweiten Klopp-Länderspielperiode dürfte es auf maximal 25 Nominierte hinauslaufen. Womöglich bekommt dann auch der ein oder andere Spieler eine Chance, der beim ersten Mal nicht dabei war. Besonders Niclas Füllkrug tut sich mit seiner Wahnsinns-Trefferserie für Werder Bremen auf. Auch Paris Brunner, der für die AS Monaco einen überragenden Saisonstart hingelegt hat, wird immer wieder genannt.
Nach vier von sechs Spieltagen
Platz/Team |
Punkte |
Tore +/- |
|---|---|---|
1. Niederlande |
8 |
+2 |
2. Griechenland |
8 |
+2 |
3. Deutschland |
5 |
+1 |
4. Serbien |
0 |
-5 |
Wir fokussieren uns aber zunächst auf die 44 Spieler des ersten Aufgebots. Wer hat am meisten überzeugt? Und wie würde eine deutsche Topelf aus diesen beiden Teil-Kadern aussehen?
Wichtig ist für uns bei der Auswahl auch, wie die jeweiligen Akteure zusammenpassen. Es geht also, wie man so schön sagt, nicht um die elf Besten, sondern um die beste Elf. Denn trotz der mäßigen Ergebnisse der ersten vier Klopp-Spiele ist doch einmal mehr deutlich geworden: Über ausreichend Talent sollte dieses DFB-Team verfügen, um wieder deutlich erfolgreicher zu sein.
Zwischen den Pfosten hat Jürgen Klopp Marc-André ter Stegen vorläufig zur Nummer eins auserkoren. Der Ajax-Keeper gab gegen die Niederlande ein bemerkenswertes Debüt: Auf der Linie überragend, mit dem Ball am Fuß erstaunlich fehleranfällig.
Während ter Stegen nur das erste Klopp-Spiel im deutschen Tor stehen durfte, erhielt Jonas Urbig gegen Serbien und in Griechenland den Vorzug. Und der 23-Jährige lieferte ab.
Souverän in allen Facetten des Torwartspiels und mit dem Ball am Fuß so gut, wie man ter Stegen lange in Erinnerungen hatte. Urbig hat nicht nur gezeigt, dass ihm die Zukunft im deutschen Tor gehört – sondern auch schon die Gegenwart gehören sollte.
Der große Vorteil: Mit Urbig als Nummer eins hätte Klopp eine mittel- bis langfristige Entscheidung getroffen und auf dieser wichtigen Position Ruhe.
In der Abwehr setzt Klopp ganz klar auf eine Viererkette. Die Zeiten mit Experimenten sollen vorbei sein. Eine Dreierkette hatte unter seinen Vorgängern nie den gewünschten Effekt gebracht.
Wie sollte die deutsche "Back Four" demnach aussehen, damit das DFB-Team endlich wieder stabil steht? Unsere Antwort ist im Abwehrzentrum vielleicht etwas überraschend, aber umso klarer: Waldemar Anton und Nico Schlotterbeck sollten das Innenverteidiger-Duo bilden. Beide sind als BVB-Kollegen perfekt eingespielt und ergänzen sich mit ihren Qualitäten prima.
Vielleicht mögen Jonathan Tah oder Yann Bisseck die höhere individuelle Qualität gegenüber Anton besitzen. In der Innenverteidigung ist Eingespieltheit aber ein enorm wichtiger Faktor. Zudem ist Anton der Typ Mentalitäts- und Führungsspieler, der eine Abwehrreihe als Anführer auch verbal anleiten kann.
Auf den Außenverteidiger-Positionen ist die Lage ebenfalls klar: Nathaniel Brown verfügt links über das höchste Potenzial und enorm viel Tempo, das für den Klopp-Fußball benötigt wird. Auf der Sorgenposition hinten rechts konnte sich Neuling Philipp Treu in den Vordergrund spielen. Der Freiburger ist extrem lauf- und kampfstark und einfach die solideste Wahl. Spieler wie Treu tun jedem Team gut!
Vorweg: Die Diskussionen um DFB-Kapitän Joshua Kimmich in der Nationalmannschaft sind durchaus berechtigt. Und auch wir hätten den Spielführer beinahe aus dieser Topelf gelassen.
Doch wir müssen auch realistisch bleiben: Klopp hat betont, dass er am Routinier als Mittelfeldchef festhalten will und wird. Es wäre daher wenig sinnvoll, Kimmich nicht in der deutschen Topelf zu lassen. Dafür muss der 31-Jährige aber dringend sein Verlierer-Image in der Nationalelf ablegen und sein Bayern-Gesicht zeigen.
Gelingt das, ist das Zentrum mit FCB-Kollege Aleksandar Pavlovic bestens eingespielt und bereit für die allerhöchsten Ansprüche. Und mit Tom Bischof steht Kimmichs Nachfolger auch schon bereit. Dazu gibt es auch BVB-Star Felix Nmecha für die Achter-Positionen.
Neben den beiden Bayern-Stars sollte aber Florian Wirtz seine zentrale Rolle im DFB-Team behalten. Als Achter mit offensiven Freiheiten kann er seine Qualitäten schlicht am besten ausspielen und ist für Klopp am wertvollsten.
Jamal Musiala ist derweil ein Grenzfall, weil der Bayern-Star die ersten Klopp-Länderspiele verletzt verpasst hatte. So oder so hätten wir den 23-Jährigen aber nicht im zentralen Mittelfeld aufgestellt. Spoiler: Musiala steht dennoch in unserer Topelf...
Erinnert ihr euch noch an die Anfangszeiten von Jamal Musiala? Als Neuling kam das Superjuwel noch regelmäßig auf dem offensiven Flügel zum Einsatz. Dort konnte Musiala seine überragenden Dribbling-Qualitäten ausspielen.
Später rückte er dann auf die Zehn, selbst wenn die Spielmacher-Rolle noch nie seine Paradedisziplin war. Musiala brilliert auch aus dem Zentrum heraus mehr über geniale Einzelaktionen denn als Strippenzieher mit seinem Passspiel (anders als Wirtz).
Entsprechend könnte Musiala als Linksaußen seine Stärken für das DFB-Team auch am besten einbringen und mit seinem starken rechten Fuß immer wieder nach innen dribbeln. So könnte auch das Zusammenspiel mit Wirtz besser funktionieren.
Für die andere Seite hat sich mit dem 23-jährigen Freiburger Derry Scherhant ein klassischerer Flügelstürmer empfohlen. Ob er dauerhaft die Klasse für einen Stammplatz im DFB-Team hat, muss Scherhant aber noch beweisen. Sollte Lennart Karl wieder zu seiner Bestform kommen, wäre der Bayern-Youngster sicher ein heißer Kandidat. Mehr Speed würde dagegen Karim Adeyemi mitbringen. Bei ihm wäre das Problem, dass er sich auf dem linken Flügel deutlich besser aufgehoben fühlt.
Woltemade, Burkardt, Ebnoutalib, Havertz, vielleicht wieder Füllkrug oder bald Brunner und Tresoldi. Optionen auf der Neun hat Klopp einige. Keine davon ist über jeden Zweifel erhaben.
Nicolo Tresoldi wird sich erst nach der U21-EM 2027 endgültig für Deutschland oder Italien entscheiden. Bis dahin wird Klopp wohl vor allem auf Kai Havertz setzen. Der Arsenal-Star ist und bleibt kein waschechter Mittelstürmer und kein Angreifer, der für Tore am Fließband steht.
Dank seiner Kopfballstärke und technischen Klasse ist Havertz derzeit aber die realistischste und auch beste 1A-Lösung im Angriff. Mut zu 'Lücke' sollte Klopp bei Füllkrugs aktueller Form aber zumindest als Joker haben.