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Der Sieg gegen das punktverlustlose Betis war nicht nur völlig verdient, sondern auch ein insgesamt richtig guter Auftritt des BVB, trotzdem lässt die Euphorie weiter auf sich warten. Doch von vorne:
Schon Stunden vor Spielbeginn war der Gästeblock zum Bersten voll und ziemlich laut. Die Dortmunder Seite füllte sich hingegen nur zögerlich und trotz letztendlich ausverkauftem Haus wohl auch nicht komplett. Anfangs klang das dann auch irgendwie sehr uninspiriert für einen CL-Abend, doch spätestens mit Spielbeginn wurde es besser.
Zum Einlauf präsentierten die Spanier eine wunderschöne Choreo auf dem Oberrang (meines Wissens nach eine Premiere im Westfalenstadion) die darauf schließen ließ, dass gleich ordentlich gezündelt würde, die paar grünen Fackeln hielten den Erwartungen dann aber bei weitem nicht stand und es bleibt ein Rätsel, warum sie nicht ihre ganze Munition gleichmässig im Block verteilt abgebrannt hatten und stattdessen den Rest in homöopathischen Dosen über das restliche Spiel verteilten. Wie dem auch sei, bis dahin hatten die Gäste beeindruckt, doch dann kam die von spanischer Seite äußerst seltsame Schweigeminute: es sollte für den verstorbenen spanischen Fußballer von CD Tenerife und die Opfer des Zugunglücks in Spanien geschwiegen werden, doch der Gästeblock hielt das Schweigen nicht bis zum Ende durch, es kamen immer mehr und immer lautere Zwischenrufe, ehe das Ganze letztendlich von Heimseite deswegen in einem Pfeifkonzert endete. Das war der Situation sicherlich nicht angemessen und es bleibt unverständlich warum ausgerechnet die Spanier selbst das Schweigen für ihre Landsleute so gestört haben.
Mit Anpfiff war das aber vergessen und auch die Südtribüne erreichte langsam CL-Niveau, was auch zur Folge hatte, dass man den Gästeblock jetzt nicht mehr hörte. Ob die Gäste leiser oder einfach nur die Süd lauter geworden war, lässt sich aus meiner Perspektive nicht abschließend beurteilen, es war aber jetzt CL-Stimmung und auf dem Platz zeigte sich durchaus auch viel CL-Fußball von beiden Seiten. Der BVB war dabei aber zumindest die erste halbe Stunde die bessere Mannschaft und hatte nur einmal etwas Glück, als eine der fünf Abseitspositionen der ersten 20 Minuten (ich kann mich nicht erinnern, in allen anderen Heimspielen der Saison zusammen so viele gesehen zu haben) dem Tor von Betis vorherging und das deswegen nicht zählte. Gerade mal noch so das „wenn du sie vorne nicht machst kriegst du sie hinten rein“ verhindert! Leider verletzte sich Guirassy früh und musste noch vor der Pause ausgewechselt werden.
Nach und nach wurde es etwas holpriger und so war man dann doch irgendwie froh, als der Schiri zur Pause pfiff.
Nach der Pause knüpfte die Borussia nahtlos an die gute erste halbe Stunde an und nicht mal fünf Minuten nach Wiederanpfiff lag der Ball im Tor der Spanier. Wer anders als Super-Silva hätte treffen können. Es war ne unglaublich verdiente Führung, die mit mehr Ballbesitz, mehr Chancen, mehr Torschüssen und einem insgesamt sehr guten Eindruck einher ging. Doch lange währte die Freude nicht. Während der BVB weiter nach vorne spielte und den Vorsprung auszubauen versuchte, stellte einer der zahlreichen unglaublichen Fehlpässe das Spiel auf den Kopf: der Ausgleich aus dem Nichts. Es war bei weitem nicht das erste Mal, dass der BVB unerklärliche und extrem gefährliche Fehlpässe im Mittelfeld produziert hatte, aber dieser war einer Zuviel. Auch weil es mit Anton ein Innenverteidiger war, dem er unterlief. Doch der BVB zeigte sich in keinster Weise beeindruckt und machte genau so weiter wie bisher. Chance um Chance folgte, die er Torhüter teilweise spektakulär rettete, doch als es schon so schien als würde es schwer werden, fand Karetsas‘ Schuss den Weg vorbei am spanischen Schlussmann.
So lange so schön gehalten und dann rutscht ihm dieser Schuss blöd unter dem Arm durch. Sicherlich sehr unglücklich und auch irgendwie gemein, doch ich kann nicht behaupten ich hätte mich daran gestört. Die erneute verdiente Führung und doch war diesmal alles anders: hatte die Borussia nach der ersten Führung noch den Druck aufrecht erhalten und weiter auf das 2:0 gespielt, so war jetzt trotz offensiver Wechsel nur noch der Weg nach hinten dran. In den letzten 20 Minuten verspielte der BVB über 55% Ballbesitz in unter 50%, aber glücklicherweise nicht mehr seine Führung. Wie meistens in den letzten Jahren, hatten sie kaum große Mühe, den knappen Vorsprung über die Zeit zu kämpfen. Trotzdem hinterließ dieser Krampf zuletzt seine Spuren und der Schlusspfiff war Erleichterung und nicht Euphorie. Und so ging ich mal wieder mit diesem „Kovac-Fußball-Gefühl“ nachhause: eigentlich glücklich und zufrieden, aber auch sicherlich nicht begeistert.
Es war halt gar nicht mal so schlecht.