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Wie Samuel Fitwi den Frankfurt-Marathon erlebte

Deutsches Marathon-TriellMarathon-Erfolge ohne Uhr und ohne Flasche

Frankfurt · Blanka Dörfel und Amanal Petros sorgten beim Frankfurt-Marathon als Zweitplatzierter für die deutschen Highlights. Samuel Fitwi vom Verein Silvesterlauf Trier war als Siebter Dritter des deutschen Spitzentrios.

Siebter beim Frankfurt-Marathon: Samuel Fitwi (Trier).
Siebter beim Frankfurt-Marathon: Samuel Fitwi (Trier).

Die Kleinste unter den deutschen Topstartern stahl den Etablierten der nationalen Marathonszene am Ende mehr als nur ein bisschen die Show. Blanka Dörfel, gerade einmal 1,56 Meter groß, zog beim Mainova Frankfurt Marathon am Sonntagmittag gut zehn Minuten nach dem Zieleinlauf von Samuel Fitwi vom Verein Silvesterlauf Trier, Amanal Petros (Hannover 96) und Richard Ringer (LC Rehlingen), die Aufmerksamkeit auf sich.

Dörfel überraschte bei ihrem Debüt über 42,195 Kilometer mit der zweitbesten Zeit, die jemals eine Deutsche gelaufen ist: 2:20:46 Stunden. Nur Irina Mikitenko, die Mutter der für den Verein Silvesterlauf Trier startenden Deutschen 5000-Meter-Meisterin Vanessa Mikitenko, war bei ihrem nationalen Rekord 2008 schneller (2:19:19). Damit belegte Dörfel hinter der Äthiopierin Zeineba Yimer (2:19:45) ebenso den zweiten Platz beim ältesten westdeutschen Stadtmarathon wie Amanal Petros (2:06:23) bei den Männern hinter Yimers Landsmann Jirata Dinki (2:05:26).

Wie schnell sie unterwegs war, wusste Dörfel dabei gar nicht. „Ich laufe im Training meist ohne Uhr. Warum sollte ich dann hier eine anziehen“, sagte sie nach einigen Freudensprüngen für die Fotografen nach dem Zieleinlauf. Die Unbekümmertheit und der fehlende Zeitdruck der Deutsche 10.000-Meter-Meisterin aus Berlin zahlten sich am Ende ebenso aus, wie das konzentrierte Training mit wöchentlichen Umfängen von teilweise mehr als 200 Kilometern.
Mit Uhren, aber nicht mit allen ihren Verpflegungsflaschen absolvierten Fitwi, Petros und Ringer die klassische Distanz am Main. Aus dem anvisierten Angriff auf den deutschen, vielleicht sogar den Europarekord wurde es bei Regen und Wind für die drei schnellsten deutschen Marathonläufer aller Zeiten jedoch nichts. Schon schnell war klar, dass Petros’ nationale Bestzeit von 2:04:03 Stunden nicht in Gefahr geraten würde. Dafür entwickelte sich ein deutsches Triell mit dem Äthiopier Dinki als lachenden Vierten.
Richard Ringer hatte vor dem Start noch anklingen lassen, dass er nur 70 Tage nach dem schweren EM-Marathon in Birmingham ein Rekordtempo vielleicht nicht von Anfang an mitgehe. Kilometer-Zeiten von knapp unter drei Minuten rollte er dann aber mit. Der Europameister von München (2022) war auch der Erste, der seine Konkurrenten mit einer Tempoverschärfung testete. Gesprengt wurde die Spitzengruppe aber erst, als Petros an einer Verpflegungsstelle kurz hinter Kilometer 30 seine Flasche nicht zu fassen bekam. Der Marathon-Europameister von Birmingham beschleunigte und nur der Kenianer Benard Biwott konnte zunächst folgen. Auch Samuel Fitwis Flasche rollte ungenutzt über den Asphalt. Der für Trier startende Vulkaneifeler verlor den Anschluss, kämpfte sich aber in 2:08:57 Stunden als Siebtplatzierter unter fast 20.000 angemeldeten Läufern ins Ziel.

Bereits auf den ersten 30 Kilometern unauffällig laufend, ließ sich Dinki auch durch Petros’ Attacke nicht aus der Ruhe bringen. Peu à peu schloss der 24-Jährige zum Führungsduo auf. In einer Kurve attackierte Petros erneut. Nahezu im Stil eines Sprinters riss er schnell eine Lücke. Doch Dinki kämpfte sich wieder heran, Petros hatte nichts mehr entgegenzusetzen. Richard Ringer lief noch an Fitwi vorbei und belegte in 2:07:07 Stunden den fünften Platz.