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Manchester United versinkt mal wieder im Chaos. Trainer Michael Carrick steht vor der Ablösung, doch die Probleme reichen tiefer.
Michael Carrick trat ein wohl letztes Mal vor die Fans von Manchester United - und was folgte, sprach Bände. Keine Pfiffe, keine Buhrufe hallten durch das Old Trafford, stattdessen brandete Jubel auf. Die Zuschauer huldigten ihrem Trainer mit Sprechchören, sie feierten den Mann, unter dem United den schlechtesten Saisonstart seiner Premier-League-Geschichte hingelegt hatte. Der Riss, der sich durch diesen einst so stolzen Verein zieht, war selten so deutlich.
Von einer "Meuterei" der Fans schrieb The Athletic nach dem entblößenden 0:3 (0:2) der Red Devils gegen den AFC Bournemouth. Das achte Pflichtspiel in Folge ohne Sieg hatte das arg gebeutelte Publikum zum Anlass genommen, den Frust auf Carricks Vorgesetzte deutlich zum Ausdruck zu bringen. Der nächste Trainerwechsel wirkte zwar unausweichlich. Doch der Glaube daran, dass sich dadurch etwas ändern wird, ist angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre auf ein Minimum geschrumpft.
Mit Carricks nahender Entlassung neige sich "eine weitere Ära dem Ende zu", schrieb der Guardian, "und Gründe für Optimismus zu suchen, wäre eine noch größere Zeitverschwendung, als im Sturm von United zu spielen". Sieben Cheftrainer - von David Moyes über José Mourinho und Ralf Rangnick bis Erik ten Hag - haben sich seit dem Abgang der Legende Sir Alex Ferguson im Jahr 2013 bei United versucht - alle sind auf ihre Art gescheitert. Carrick wäre der achte.
Und so richtet sich der Frust zunehmend auf die Verantwortlichen. Auf die Besitzer, namentlich die Glazer-Familie und den britischen Milliardär Jim Ratcliffe, sowie die sportliche Leitung um Direktor Jason Wilcox. Man könne "nicht immer nur den Trainer wechseln, Trainer wechseln, Trainer wechseln", hatte Verteidiger Lisandro Martinez zuletzt schon in einem viel beachteten Interview angemerkt: "Was ist mit anderen Bereichen?"
Auch Carrick, der erst vor fünf Monaten nach einer erfolgreichen Interimsphase zum Cheftrainer ernannt worden war, lenkte den Blick auf das große Ganze. "Die Situation, in der wir uns als Fußballverein befinden, ist das, was mir am meisten am Herzen liegt. Es geht nicht um mich", betonte der Ex-Profi. Er akzeptiere aber seinen "Anteil an der Situation".
Entsprechend gerührt sei er von der positiven Reaktion der Fans gewesen. "Die Emotionen am Ende des Spiels waren etwas, das ich so bisher noch nicht wirklich erlebt habe", sagte der frühere Mittelfeldspieler, der als Profi 464 Pflichtspiele für United bestritten hatte: "Die Verbundenheit und Wertschätzung der Fans zu spüren, bedeutet mir sehr viel."
Seinen Job wird er dadurch kaum retten können. Als mögliche Carrick-Nachfolger waren jüngst bereits unter anderem Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann, Antonio Conte und Fabian Hürzeler genannt worden. Laut Guardian soll der frühere Newcastle-Coach Eddie Howe der Wunschkandidat von Sportchef Wilcox sein.
Einen anderen Namen brachte Jamie Carragher bei Sky Sports ins Gespräch: Der langjährige Abwehrspieler von Uniteds Erzrivale FC Liverpool rät den Verantwortlichen, sich um Aston Villas Coach Unai Emery zu bemühen: "Man hört, dass er bei Aston Villa den ganzen Klub führt. So, wie Sir Alex Ferguson das bei Manchester United gemacht hat. (…) Ich halte Emery für den besten Trainer der Premier League."
"Veränderung", schrieb der Guardian, werde aller Voraussicht nach kommen, "aber das wird nicht ausreichen."