Zurück
Es gibt eine Statistik, in der Schalke 04 immer noch zur deutschen Spitze gehört. In der Ewigen Tabelle des DFB-Pokals, die hat wirklich jemand ausgerechnet, ist nur Rekord-Pokalsieger Bayern München besser platziert als die Königsblauen. Doch vom Glanz früherer Pokalerinnerungen ist Schalke weit entfernt. Fünfmal in Folge scheiterte S04 in der zweiten Runde. Ein schlechtes Omen für das knifflige Spiel beim Zweitligisten Dynamo Dresden (Mittwoch, 18 Uhr/Sky)?
Für die Schalker geht es um mehr als einfach nur die simple Qualifikation fürs Achtelfinale. Und das weiß auch Trainer Miron Muslic, der am Dienstagvormittag sagte: „Dieses Spiel ist sehr wichtig für den Verein und für uns als Mannschaft.“ Ein Sieg brächte den Schalkern eine TV-Geld-Prämie von 912.755 Euro. Hinzu käme die Beteiligung an den Zuschauereinnahmen (45 Prozent) und, bei einem Heimspiel, der komplette Cateringerlös. Es geht für die Schalker addiert um eine siebenstellige Summe. Da das Achtelfinale noch im Jahr 2026 ausgetragen wird (1./2. Dezember), hätte es Auswirkungen auf die Erfüllung der Eigenkapital-Auflage. Bis Jahresende müssen die Königsblauen eine schwarze Null erwirtschaften. Der Vorstand zeigte sich zuletzt sehr optimistisch, dass dies gelingt. Ein Pokal-Weiterkommen würde aber die Planung erheblich erleichtern. Mögliche Winter-Transfers im Januar würden durch einen Erfolg in Dresden ebenso wahrscheinlicher.
Muslic kann sich deshalb keine Rotation erlauben, obwohl er das nur umschrieb und nicht konkret bestätigte: „Wir werden eine Mannschaft aufstellen, die voller Überzeugung das Spiel angeht, aktiv und mutig den Weg nach vorn sucht.“ Gern nutzen Profitrainer den Pokal, um Ersatzspielern eine Chance zu geben, doch etwa Ersatztorwart Kevin Müller und Abwehrtalent Mertcan Ayhan werden weiter keine Bewährungschance erhalten. Zu wichtig ist die eingespielte Abwehr auch in Dresden.
Wir müssen uns auf eine fantastische Atmosphäre vorbereiten.
Miron Muslic, Schalke-Trainer
Vor dem Gegner haben die Schalker sehr viel Respekt. In der Aufstiegssaison gewann S04 im Rudolf-Harbig-Stadion glücklich mit 1:0 durch einen von Kenan Karaman kurz vor Schluss verwandelten Foulelfmeter. „Ich kann mich daran gut erinnern. Nicht nur an die 38 Grad im Stadion, sondern auch an die Stimmung“, sagte Muslic, der die Lautstärke und Emotionalität mehrfach betonte. „Wir müssen uns auf eine fantastische Atmosphäre vorbereiten und das annehmen“, sagte er. Im Pokal trat Schalke zuletzt am 18. August 2014 in Dresden an – und verlor in der 1. Runde trotz Klaas-Jan Huntelaar, Julian Draxler, Kevin-Prince Boateng, Ralf Fährmann und Joel Matip mit 1:2.
Wen Muslic diesmal aufstellt? Daraus machte er ein großes Geheimnis. Beim Bundesliga-0:0 in Köln fehlten sechs Spieler. Nach ihrem Kopf-Zusammenstoß kamen Robin Gosens und Soufiane El-Faouzi während des Spiels hinzu. Fehlen diesmal acht Profis? „Es gibt Jungs, die in Köln nicht dabei waren, bei denen es eine Möglichkeit gibt“, sagte Muslic lediglich. Damit meinte er vor allem Dejan Ljubicic, der nach rund sechs Wochen Pause zurück ins Aufgebot drängt. „Wenn der Arzt grünes Licht gibt, steht er im Kader“, sagte Muslic.
Ein Pokal- und Dresden-Experte ist Sturm-Idol Edin Dzeko. Der 40-Jährige sorgte beinahe im Alleingang für den 5:2-Sieg nach Verlängerung in der ersten Runde bei Regionalligist Hallescher FC. Dzeko erzielte zwei Tore und legte einen Treffer vor. In der Aufstiegssaison erzielte er beim 2:2 im Heimspiel gegen Dynamo beide Treffer zur zwischenzeitlich beruhigenden 2:0‑Führung. Nach seiner Auswechslung ließ S04 noch zwei Tore zu. Gibt Muslic Dzeko eine Chance? Er deutete es an: „In der Analyse haben wir erkannt, wer passen könnte gegen die Innenverteidiger von Dresden.“ Einer wie Dzeko dürfte immer passen gegen die Defensive eines Zweitligisten, den Muslic trotz eines dürftigen Starts (acht Punkte aus neun Spielen, punktgleich mit dem Schlusslicht) sehr lobt: „Dresden tut sich schwer, die guten Spiele in Ergebnissen sichtbar zu machen. Die Mannschaft meines Trainerkollegen Thomas Stamm ist kompakt, zurzeit die laufstärkste Mannschaft der 2. Bundesliga. Darauf sind wir vorbereitet.“
Doch Stamm glaubt an eine Überraschung: „Die Schalker haben eine hohe Überzeugung in die Art und Weise, wie sie ein Spiel gestalten wollen. Trotzdem ist es möglich, eine Runde weiterzukommen. Das ist unser Anspruch.“ Die Dresdner Fans setzen auf ihr eingeübtes Pokalmotto. „Alle in Gelb“, lautet die Aufforderung an die eigenen Fans. Auch die Optik wird für die Schalker eine echte Herausforderung.