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Amanal Petros trotzt als Zweiter dem Regen
Amanal Petros läuft auf Platz 2 beim Mainova Frankfurt Marthon
Emotional wie immer: Amanal Petros feiert seinen zweiten Platz beim Zieleinlauf in der Festhalle. © IMAGO/Julian Richter

Amanal Petros belegt beim Frankfurt Marathon in 2:05:46 Stunden Platz zwei. Zuletzt hatte kein deutscher Läufer seit 25 Jahren das Podium erreicht.

Am Ende flog noch ein Stofftier von der Empore. Amanal Petros trat einen Schritt zurück und fing den Glücksbringer im Zielbereich der Festhalle stilsicher. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht, was gleich mal die Grundhaltung des deutschen Topstars bei dem bestbesetzten Frankfurt Marathon in seiner Geschichte beschrieb. Nur weil der im Eliterennen anhaltende Regen und der teils tückische Untergrund eine Rekordjagd bei der 43. Auflage früh ad absurdum führten, wollte sich der Europameister und Vizeweltmeister über seinen zweiten Platz nach 2:05:46 Stunden nicht ärgern. Die Vorzeigefigur sorgte mit einem beherzten Auftritt für die drittschnellste deutsche Marathonzeit der Geschichte und schaffte es zum ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert in Frankfurt wieder als deutscher Läufer aufs Podium.

Der 31-Jährige ist ziemlich früh alleine

Letztlich kam der 31-Jährige auf dem roten Teppich exakt 20 Sekunden hinter dem Äthiopier Jirata Denki ins Ziel, der seine Bestzeit um mehr als zwei Minuten unterbot. „Ich habe zu früh attackiert, dann fast 15 Kilometer das Tempo gemacht“, sagte Petros. „Ich war alleine, hatte keine Unterstützung.“ Sein letzter Angriff flog ihm bei der Hatz im finalen Streckenabschnitt zwischen den deutschen Banken wie ein Bumerang im australischen Busch um die Ohren, doch es ist nun mal sein Stil, wann immer möglich das Risiko zu suchen. Dass er zweimal keine Verpflegung ergatterte, war allerdings Absicht. Dass unterwegs ein Fahrradbote fast auf der Strecke stand, hätte ihn fast aus dem Tritt gebracht. „Deshalb habe ich die Hand ausgestreckt.“

Schlussendlich illustrierte er eindrucksvoll, welches Leistungsvermögen in ihm steckt. Zuletzt hatte er im Trainingslager im Läufer-Mekka Iten auf Anleitung seines 82 Jahre alten Startrainers Renato Canova ein Tagespensum von bis zu 60 Kilometern abgespult. Allerdings nicht mit Regen und Wind bei Temperaturen von elf Grad, die im kenianischen Hochland eben nicht Alltag sind. „Mehr hat das Wetter hier nicht zugelassen. Ich habe mir irgendwann gesagt, egal was rauskommt: Das ist mein Job, für die Leute, die mich ohne Schirm an der Straße anfeuern, alles zu geben“, sagte der Ausdauerspezialist, der am Montag an der Messe noch eine öffentliche Lesung seiner Biografie mitsamt seiner Fluchtgeschichte veranstaltet.

„Das Rennen hat natürlich meine Erwartungen erfüllt. Wir wollten in Frankfurt immer spannende Rennen haben“, sagte der scheidende Renndirektor Jo Schindler. „Ich kann vor den Athleten nur den Hut ziehen. Amanal hat einmal zu hart attackiert, aber er sagt ja selbst, er ist noch am Lernen. Dann muss er halt noch mal wiederkommen.“ Was Petros für die nächste Auflage am 31. Oktober 2027 natürlich nicht versprechen konnte.

Schuhe schützen nicht vor Rutschpartien

Nicht aufs Podium schaffen es seine deutschen Mitstreiter. Richard Ringer wurde am Ende Fünfter (2:07:07), Samuel Fitwi (2:08:57) Siebter. „Ich bin nicht zufrieden. Ziel war ein Platz auf dem Podium“, sagte der 30 Jahre alte Hamburg-Zweite Fitwi, den ab Kilometer 30 erkennbar Probleme im Oberschenkel plagten. „Das Wetter mit den nassen Straßen und dem Wind war schwer.“ Ringer hatte sich mit Armlingen und Stirnband ausgestattet. Der kluge Kopf hatte wegen einer bei der EM in Birmingham erlittenen Muskelverletzung viel Alternativtraining absolviert. Der 37-Jährige schulterte zudem das Gedenken an seine vor einem Jahr still geborene Tochter Lucia Vivienne und verschwand nach dem Rennen fast unbemerkt.

Anfangs schien es dem Europameister von 2022 entgegenzukommen, dass sich bereits bei der Halbmarathonzeit (1:03:02) jegliche Hoffnungen auf einen Europarekord verflüchtigt hatte. Doch dann zog Petros das Tempo an, hängte seine deutschen Kollegen ab und lieferte sich bald einen packenden Zweikampf mit dem späteren Drittplatzierten, dem vor zwei Jahren siegreichen Kenianer Benard Biwott (2:06:23). Doch es zeigte sich, dass auch das moderne Schuhwerk mit dem breiten Aufbau der Carbonsohlen nicht davor schützt, gerade in den Kurven auch mal wegzurutschen. Der Sportliche Leiter Philipp Kopp bilanzierte: „Mit dem Rennen können wir definitiv zufrieden sein. Bei besserem Wetter wäre es ein, zwei Minuten schneller gewesen.“

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