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Sportfreunde Rodgau: Hannah Sahm zaubert Kindern ein Lachen ins Gesicht
Hannah Sahm Sportfreunde Rodgau
„Der inklusive Zirkus war eine Idee, die am Gartenzaun entstanden ist“, sagt Hannah Sahm. Jetzt sind die Plätze nach 15 Minuten vergriffen. © Theresa Ricke

Hannah Sahm engagiert sich als Kopf des Kinderschutzteams bei den Sportfreunden Rodgau. Ihr inklusives Zirkusprojekt ist nur eine ihrer Ideen, mit denen sie für andere Vereine ein Vorbild ist.

Rodgau – Hannah Sahm hat das Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Wenn sie eine Idee hat, überlegt sie, was sie benötigt: Sponsoren, ein Team aus dem Verein. Das kennen sie in Rodgau schon ganz gut, also stehen schnell genug Ehrenamtler bereit, damit Hannah Sahm loslegen kann. „So werden wir von Veranstaltung zu Veranstaltung erfolgreicher“, freut sie sich. So hat sie bei den Sportfreunden Rodgau schon zahlreiche Aktionen aus dem Boden gestampft. Doch nie allein: Veranstaltungen wie der inklusive Kinderzirkus mit 65 Kindern mit und ohne Behinderung und 300 Gästen wären nicht ohne ihr fünfzehnköpfiges Orga-, Betreuer-, und Küchenteam umsetzbar. Für die jährlichen inklusiven Ferienspiele sind die freiwillig Engagierten seit fünf Jahren dabei. „Ich muss nicht alles alleine stemmen, und das könnte ich auch gar nicht. Aber das brauche ich bei dem Team und dem Vorstand auch gar nicht“, ist Hannah Sahm froh.

Bewerbung für Erich-Müller-Preis 2027

Haben Sie, werte Vereinsvertreterinnen und -vertreter aus den Klubs des Sportkreises Offenbach, in Ihrer Kinder- und Jugendarbeit echte Leuchttürme für ehrenamtliches Engagement? Dann können Sie diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Zeichen der Anerkennung schenken und sie für den mit 2000 Euro dotierten Erich-Müller-Preis 2027 nominieren. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist eine Bewerbung an info@sportkreis-offenbach.de zu schicken mit einer kurzen Beschreibung der sportlichen, bzw. ehrenamtlichen Vita der beworbenen Person(en) sowie ein aktuelles Bild.

Für dieses Engagement, das die gelernte Sport- und Fitnesskauffrau und ehemalige Referentin der Sportjugend Hessen im Bereich Integration als eine von zwei Kinderschutzbeauftragten in den Verein bringt, ist sie in diesem Jahr mit dem Erich-Müller-Preis der Uta-und-Rolf-Düncher-Stiftung ausgezeichnet worden. Eine Überraschung für Hannah Sahm, die von der Bewerbung durch ihren Verein nichts wusste. Aber keine große Überraschung für alle, die erleben, was sie in Rodgau auf die Beine stellt.

Sport ist ein Motor, um Personen zusammenzubringen. Sport gibt ganz viel zurück.

Schon als Kind ist die gebürtige Dudenhöferin nicht nur im Sportverein beim Kindertanzen, sondern auch im Musikverein aktiv. „So bin ich früh in das Vereinsleben reingerutscht“, sagt Sahm. Sie tanzt weiter, macht Fitnesskurse und gibt sie auch als Trainerin. Mit drei Kindern ist ihr Trainerdasein mittlerweile in den Hintergrund getreten. Dafür nimmt sie sich allen Fragen rund um das Ehrenamt im Verein an. „Wir machen ganz viel, um Kinder zu stärken und sie für die Welt fit zu machen.“ Es ist eine Arbeit, die nicht jeder Sportverein leistet. „Sport ist ein Motor, um Personen zusammenzubringen. Sport gibt ganz viel zurück.“ Besonders, wenn es so ist wie bei den Sportfreunden, wo es um viel mehr geht. „Sportverein heißt Gemeinschaft. Das wollen wir den Kindern vorleben. Strahlende Gesichter zu sehen, ist das Schönste.“

Mit diesem Ansatz holt Hannah Sahm mit ihrem Team nicht nur die Vereinsmitglieder und Kinder ab, sondern auch deren Eltern. „Jeder, der mitmacht, merkt, dass es Hand und Fuß hat, was wir hier machen.“ Dann schwappt das positive Gefühl auf alle Beteiligten über, dass man als Gruppe etwas geschafft hat. „Es ist mein Hauptmotor, zu sehen, was es mit meinen Freunden, mit mir macht, wenn wir hier gemeinsam etwas organisieren. Ich tanke daraus Energie, auch wenn es anstrengend ist“, sagt die dreifache Mutter.

An ihren eigenen Söhnen sieht sie die Effekte ihrer Arbeit. „Für meine Kinder ist es keine Frage, am Zirkus oder nächstes Jahr beim Musical mitzumachen, weil sie es so toll finden. Nach einer Woche auf der Bühne strahlen sie so ein Selbstbewusstsein aus. Das macht so viel mit den Kindern.“ Kinder, die regelmäßig Vereinsangebote wahrnehmen, profitieren von Erfolgserlebnissen im Sport, von einer festen Gruppe, die oft zu Freunden werden, von der Verpflichtung dem Übungsleiter gegenüber, zum Training zu kommen. „Im Sport besser zu werden, stärkt mich. Mit mehr Selbstbewusstsein können sich Kinder besser vor etwa physischer Gewalt schützen.“ Bei den jährlich stattfindenden Selbstbehauptungskursen gibt es jedes Mal auch Elternabende, um zu vermitteln, was den Kindern beigebracht wurde und wie die Eltern daran anknüpfen können. „Es gibt immer mehr Kinder, die auch aufgrund der Handynutzung schlechter zurechtkommen. Erziehung hat sich verändert, deshalb machen wir die Arbeit.“ Zu ihrer Jugend gab es noch keine Kinderschutzbeauftragte. „Das hätte es sicher damals schon gebraucht, denn sexuelle Übergriffe gab es auch da schon in Vereinen.“

Heute vermitteln Hannah Sahm und ihr Team: „Hier sind Menschen, die wachsam sind.“ Ihr wacher Blick geht dabei über die Übungsstunden hinaus. Wirkt ein Kind traurig und macht nicht mehr mit, wird das Gespräch gesucht. „Das kommunizieren wir den Eltern, aber auch den Übungsleiterinnen und Übungsleitern und den Mitgliedern. Kinderschutz ist hier Dauerthema.“ Damit das möglich ist, stellt sich Hannah Sahm und dem Verein eine große Herausforderung: genug (junge) Übungsleiter zu finden. „Das wollen wir mit Treffen und Fortbildungen möglichst attraktiv machen.“

„Für viele ist der Verein Heimat“, erklärt Hannah Sahm das Erfolgsrezept der Sportfreunde. Bei Spieleabenden, After-Work-Events und vielem mehr treffen sich die Mitglieder. „Wir sind ein Familienverein, in dem alles umgesetzt werden kann, wenn du einen handfesten Plan hast. Das liebe ich an diesem Verein.“ So traut sich Hannah Sahm auch das Thema Inklusion, an das sich viele nicht herantrauen. „Wir lassen uns bei den Ferienspielen eine 1:1-Betreuung über die Sportjugend Hessen finanzieren.“ Es gebe immer eine Lösung, die nicht heißt, dass Kinder nicht mitmachen können, sagt Sahm, die schon von anderen Vereinen Nachfragen erhält, wie sie das Thema Inklusion angehen.

Und wie machen sie das? „Es braucht ein gutes Team mit Antrieb und jemanden, der die Fäden in der Hand hält. Und dann heißt es: einfach machen.“ Hannah Sahm von den Sportfreunden Rodgau zeigt, wie es geht.