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Fünf Mal in Folge ist Fußball-Zweitligist Energie Cottbus zuletzt in Führung gegangen. Fünf Mal reichte es nicht zu einem Sieg. Zwei Begegnungen gingen verloren, drei endeten Unentschieden. Insgesamt hat der Aufsteiger, zumindest rein mathematisch, bereits 15 Punkte nach Führungen liegen lassen in dieser Saison.
Hätte Energie alle Führungen nach Hause gebracht und die Spiele gewonnen - man würde nicht auf Platz 15 mitten im Abstiegskampf stecken, sondern wäre auf Platz 2 der erste Verfolger von Hertha BSC.
Denn mit diesen 15 Punkten mehr wären es insgesamt 25 Punkte, die bei den Lausitzern zu Buche stünden. Aber Trainer Pele Wollitz relativiert die Rechnung, als er nur im Hinblick auf das letzte Heimspiel gegen den VfL Bochum (1:2) davon sprechen mag, eine Führung liegen gelassen zu haben. Denn dass man gegen die Bundesliga-Absteiger Heidenheim und St. Pauli sowie gegen den Tabellenzweiten aus Nürnberg "mal 1:1 spielen kann", halte er für normal.
Und doch mag sich der geneigte Fan an dieser Stelle fragen, woran es denn liegen könnte, dass Energie zwar so häufig das erste Tor erzielt und doch nicht gewinnt. Womit man schnell bei einem Klassiker der Erklärungsansätze wäre: Alles Kopfsache.
Also Nachfrage bei einer, die sich damit auskennt und nah dran ist. Schließlich hat die Profimannschaft von Energie Cottbus seit dieser Saison eine Sportpsychologin mit an Bord. Dabei hatte Änne Wetzel, 36, mit Fußball "nie die großen Berührungspunkte", wie sie sagt. Sie sei da "irgendwann reingerutscht". Zunächst im Nachwuchsleistungszentrum von Energie, dann bei den U15-Juniorinnen des Deutschen Fußball-Bundes und nun also bei den Profis.
Natürlich, so Wetzel, seien die vielen Führungen, die doch nicht zu Siegen reichen, ein Thema unter den Spielern. "Ich versuche aber den Fokus darauf zu lenken, dass wir in Führung waren. Dass wir mithalten können, dass wir zum Teil auch überlegen sind und dass wir uns darauf konzentrieren können: Wie haben wir es geschafft, in Führung zu gehen."
Auch deshalb geht Wetzel in ihrer täglichen Arbeit nicht nur auf Spieler zu, die gerade merklich die Schultern hängen ließen, sondern auch auf Profis, bei denen sie merke, dass es gerade gut laufe. Um "zu gucken, wie wir das beibehalten". Vertrauen sei dabei "das A und O. Dass die Spieler wissen, dass die Sachen, die sie mir erzählen, die bleiben bei mir", so Wetzel. Und landen nicht im Trainerbüro.
Wobei sie sich dort viel aufhalte, wie Coach Wollitz verrät: "Sie ist sehr oft bei den Gesprächen vom Staff dabei, auch da sehr unterstützend." Und auch dort bleibt Wetzel ihrer Linie treu, auch dort versuche sie, "auf das Positive hinzuleiten".
Die "Tricks" seien dabei ganz klar. Egal ob gegenüber den Spielern oder dem Trainerteam gelte: "Dass sie bei ihren Stärken bleiben müssen. Dass sie sich auch nach Gegentreffern darauf konzentrieren müssen - was ist unsere nächste Aktion? Und nicht: Mist, wir haben ein Gegentor kassiert."
Jenseits der Führungstreffer-Problematik seien die Themen, die sie mit den Spielern bespreche, weit gestreut. Wie fühlt sich ein Spieler, wenn er wiederkehrend nur auf der Ersatzbank sitzt? Was machen Verletzungen mit der Psyche eines Profis? Wie geht man mit dem Druck um, der Leistungssport mit sich bringt. Wobei, so Wetzel, das eher noch ein Thema für den Nachwuchs sei. Im Erwachsenenbereich "haben die meisten gelernt, abzuschalten - sonst wären sie nicht hier."
Wer sich eine Sportpsychologin als große Brandrednerin vorstellt, die wiederkehrend vor der Mannschaft filmreife Ansprache hält, liegt falsch. Sie sei eher "so der Ruhepol. Eher jemand, der ruhig dabei ist, sich alles anguckt, analysiert. Der Verhaltensweisen aufnimmt und dann guckt, was kann ich damit machen." Für den aufbrausend-emotionalen Teil hat man in Cottbus schließlich aber auch Trainer Wollitz.
Der ist voll des Lobes über Wetzel. "Meine Informationen sind, dass das sehr positiv ist", so Wollitz. Was sich grundlegend von dem unterscheidet, was er über die Leistung seiner Mannschaft im letzten Heimspiel gegen Bochum zu sagen wusste.
"Ich möchte gern, dass Energie Cottbus am 1.7.2027 in der zweiten Liga spielt. Wenn wir uns aber so verhalten wie im letzten Spiel ist das für mich ein Intermezzo und fast nicht machbar", so Wollitz. Weshalb er nun auch seine Aufstellung hinterfrage und für die anstehende Länderspielpause weniger Freizeit und mehr Training verordnet hat. Änne Wetzel wird viel zu beobachten haben in den kommenden Wochen.