Zurück
Die drei wichtigsten Tugenden des FC Schalke 04 sind in großen Lettern auf eine der Wände des Profi-Leistungszentrums gepinselt. Intensiv, aggressiv und mutig sollen die Profis der Königsblauen auf dem Fußballplatz agieren. Mit diesen Tugenden waren die Gelsenkirchener unter Trainer Miron Muslic in den vergangenen 16 Monaten sehr erfolgreich – sie schafften den Aufstieg in die Bundesliga und beispielsweise einen Achtungserfolg gegen Bayern München beim 0:0 in der heimischen Arena.
Am Samstagnachmittag war vom „Schalke-Fußball“ über weite Strecken nichts zu sehen. Bei der 0:1-Niederlage gegen Mainz 05 war der Aufsteiger völlig überfordert. Einzig dem starken Torwart Loris Karius haben es die Schalker zu verdanken, dass der Bundesliga-Nachmittag nicht in einem Debakel endete. Der 33-Jährige vereitelte etliche Großchancen.
„Wir sprechen immer davon, dass wir aggressiv, intensiv und mutig sein wollen – heute war alles drei nicht da“, analysiert Profifußball-Direktor Youri Mulder klar. Die Klub-Ikone vermisste den Mut seiner Mannschaft. „Wir waren ein bisschen ängstlich“, sagt er. Statt die Mainzer unter Druck zu setzen, schauten die Schalker zu, kamen kaum in Zweikämpfe. „Wir waren zu lieb, viel zu lieb“, so Mulder.
Was den 57 Jahre alten Niederländer nach dem 0:1 beschäftigt: „Wir haben nicht das gemacht, was wir normalerweise tun. Normalerweise sind wir eng auf dem Platz, wir stressen den Gegner, wir sind schlecht zu schlagen. Das waren wir heute in der ersten Halbzeit nicht.“
Obwohl die Schalker nach sechs Spieltagen bei immerhin fünf Punkten stehen und somit noch vor den direkten Abstiegsrängen, machen sich auch beim Profifußball-Direktor erste Sorgen breit: „Wenn du zweimal hintereinander verlierst und dir keine Sorgen machst, ist das auch nicht gut. Ich finde schon, dass man da dranbleiben und sich Sorgen machen darf. Wenn ich Spieler bin und zweimal verliere, mache ich mir die ganze Woche Sorgen.“
Sorgen muss den Schalkern zweifelsfrei die Offensive machen. Auch im dritten Heimspiel der Saison ist die Muslic-Elf torlos geblieben. Satoshi Tanaka hatte in der Schlussphase die einzige Großchance der Gastgeber. Zu wenig.
Das lässt auch Kapitän Kenan Karaman nicht kalt. „Ich glaube, das war das schlechteste Spiel bis jetzt. Das muss man ehrlich so zugeben“, stellt der 32-Jährige klar. „Zur Halbzeit hätte man alle bis auf Loris auswechseln können. In den ersten 60 Minuten waren wir komplett nicht im Spiel. Mainz war uns in allen Belangen überlegen, das müssen wir auch mal so offen sagen.“ Karaman weiter: „Das Zweikampfverhalten war unterirdisch, es gab so viele Fehlpässe, und Mainz hat natürlich gezeigt, wie eine erfahrene Bundesliga-Mannschaft spielt.“
Diese Erfahrung auf dem allerhöchsten Niveau fehlt den Schalkern trotz des hohen Durchschnittsalters des Kaders (29,6 Jahre) tatsächlich noch. In Adil Aouchiche, Adrian Gantenbein, Soufiane El-Faouzi, Satoshi Tanaka, Nikola Katic und Hasan Kurucay stehen gleich sechs Startelf-Spieler bei weniger als zehn Bundesligaspielen.
Die einzige Erklärung für die gegen Mainz anfällige Defensive und ideenlose Offensive kann das aber nicht sein. „Wir spielen einfach viel zu schlampig“, meckert Karaman. „Wir verlieren in den entscheidenden Momenten zu oft die Bälle und treffen nicht die richtigen Entscheidungen, vor allem unter Druck. Das müssen wir noch mal aufarbeiten und immer wieder trainieren. Ich denke nicht, dass du das in der Woche trainierst und es dann direkt im Spiel klappt, weil die Bundesliga einfach ein gewisses Niveau hat.“
Natürlich kennen die Schalker als Aufsteiger ihre Rolle – das betont Karaman ausdrücklich. „Trotzdem müssen wir daran in den nächsten Wochen noch arbeiten.“ Sonst wird es eng mit Punkten in der Bundesliga, auch im kommenden Auswärtsspiel beim 1. FC Köln (Samstag, 15.30 Uhr/DAZN).