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Lennart Karl antwortet auf die Unruhe um seine Person – aber sportlich. Sein freches Tor gegen Atlético Madrid und der provokante Jubel ist ein Signal an alle Kritiker.
Lennart Karl stellt sich Richtung Kameras, hält sich die Hände an den Ohren und signalisiert mit seiner Geste: „Redet alle über mich – ich antworte sportlich“.
Und wie!
Der 18-Jährige erlöst den FC Bayern im schwierigen Auswärtsspiel bei Atletico Madrid (0:2) und knackt den fiesen Abwehrblock mit einer frechen Aktion. Karl spitzelt aus dem Hinterhalt kommend Verteidiger Robin Le Normand den Ball vom Fuß und lupft ihn eiskalt über Torhüter Jan Oblak hinweg. 1:0!
Diese Chuzpe musst du in diesem Moment erst mal haben – gedankenschnell, unverfroren, abgebrüht. Und das gegen die „Rabauken“ vom Estadio Metropolitano.
Die gesamte Bayern-Mannschaft eilt für den Torjubel zur Eckfahne und umkesselt den Youngster. Auch das hat Symbolkraft: Das Team steht hinter ihm.
„Für den Jungen freut's mich“, sagt Konrad Laimer, Torschütze zum 2:0, bei Prime Video. „Er bleibt ruhig, er arbeitet hart und hat sich heute belohnt“, findet der Österreicher. Das Tor? „Ein Arbeitertor: Kommt zurück, erobert sich den Ball und haut ihn dann irgendwie rein.“
In diesem Moment löst sich so einiges von Karl und seinen Münchner Kollegen. Die vergangenen Wochen waren in vielerlei Hinsicht schwer – mit der unnötigen Unruhe um den 18-Jährigen als stetem Begleiter.
Diese Unruhe hat der Verein in Person von Uli Hoeneß selbst verursacht. Dem ewigen Bayern-Boss waren die Social-Media-Aktivitäten des extrovertierten Fußball-Teenagers ein Dorn im Auge. Er hatte ihm in der „Welt am Sonntag“ mangelnde Bodenhaftung vorgeworfen.
„Ich habe mir vorgenommen, ein ernstes Gespräch mit ihm zu führen. Er ist noch lange kein Superstar, junge Spieler brauchen Demut.“
Für Karls Berater Michael Ballack zu viel des Guten, sein Schützling sei „öffentlich zur Zielscheibe“ erklärt worden. Plötzlich war Lennart Karl Thema von ganz Fußball-Deutschland – und jeder hatte seine eigene spezielle Meinung zum 18-Jährigen.
Doch der will einfach nur Fußball spielen. In Madrid gelingt ihm das endlich wieder auf die Art, die ihm in der vergangenen Saison direkt das WM-Ticket bescherte und ihn zur Hoffnung für den deutschen Fußball aufsteigen ließ.
Sein freches Tor und sein provokanter Jubel sind die perfekte Antwort auf die Dauer-Unruhe. Wobei...
Mats Hummels sieht diesen Torjubel „mittlerweile viel zu oft“, so der ehemalige Weltmeister in seiner Expertenrolle bei Prime Video.
„Kritik gehört dazu im Fußball. Deswegen verdienst du auch so viel Geld, weil so viele Leute darüberreden. Mein Sohn ist acht. In Spielen von seiner Mannschaft sehe ich Kinder schon diesen Jubel machen, weil er so oft vorkommt mittlerweile.“
Seinem Sohn verbiete er den Jubel, wie Hummels schmunzelnd gesteht. Ruhiggestellt sind Karls Kritiker also noch nicht.