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Harry Kane hat seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2029 verlängert und steigt damit offenbar zum bestbezahlten Fußballer Europas auf. Berichten zufolge kassiert der englische Nationalspieler künftig mehr als 30 Millionen Euro brutto pro Jahr inklusive Bonuszahlungen. Dennoch könnte der 33-Jährige für den deutschen Rekordmeister wirtschaftlich sogar günstiger werden als bisher. Das behauptet zumindest Ex-Bayern-Kaderplaner Michael Reschke.
Der 69-Jährige hat sich im Gespräch mit der tz ausführlich mit der Vertragsverlängerung des amtierenden Ballon-d’Or-Gewinners beschäftigt. Dabei kommt er zu einer überraschenden Einschätzung: Trotz des enormen Gehalts könnte die jährliche finanzielle Belastung für die Münchner sinken.
Der Grund liegt in der ursprünglichen Ablösesumme, die der FC Bayern im Sommer 2023 für Kane an Tottenham Hotspur überwiesen hat. Diese wurde in der Bilanz über die ursprüngliche Vertragslaufzeit verteilt. Mit dem neuen Vertrag entfällt nach Reschkes Rechnung künftig ein wesentlicher Kostenfaktor.
„Selbst wenn Kane künftig ein höheres Gehalt bezieht, wird er wirtschaftlich nicht teurer für den Klub, weil der FCB keine Ablöse für ihn bezahlen muss“, erklärte Reschke.
Der frühere Bayern-Funktionär verwies dabei auf die bilanzielle Behandlung des ursprünglichen Transfers. „In der Rechnung der Bayern ist er über die bisherigen vier Jahre ablösetechnisch komplett abgeschrieben und dadurch sogar nicht so kostenintensiv wie bisher“, führte der 69-Jährige aus.
Hintergrund ist die sogenannte Abschreibung der Transferablöse. Die Kosten für die Verpflichtung eines Spielers werden bilanziell grundsätzlich über die Vertragslaufzeit verteilt.
Bei Kane war ursprünglich ein Vierjahresvertrag bis 2027 vereinbart worden. Durch die Verlängerung bis 2029 müssen die Münchner keine erneute Ablöse bezahlen.
Reschkes Rechnung bezieht sich damit auf die jährlichen bilanziellen Kosten. Ob die tatsächliche Belastung sinkt, hängt allerdings auch von der konkreten Gehaltsentwicklung und der bilanziellen Behandlung des bestehenden Vertrags ab.
Neben den finanziellen Aspekten äußerte sich Reschke auch zur sportlichen Perspektive des Bayern-Stürmers.
Zuletzt hatte unter anderem Sky-Experte Dietmar Hamann die langfristige Verlängerung kritisch bewertet und angesichts von Kanes Alter vor einem erheblichen Risiko gewarnt.
Diese Bedenken teilt Reschke nur bedingt. „Die Altersfrage stellt sich natürlich. Aber gerade die Top-Spieler können heutzutage auch in höherem Alter noch Spitzenleistungen bringen“, erklärte der ehemalige Kaderplaner.
Besonders die professionelle Betreuung der heutigen Fußballstars spiele dabei eine entscheidende Rolle. „Sie werden mittlerweile vom Verein und zudem von ihrem eigenen Stab mit Köchen und Physiotherapeuten so professionell begleitet, dass sie einfach länger belastbar sind. Das gilt vor allem für diejenigen, die sehr gewissenhaft sind.“
Kane gehört für Reschke genau in diese Kategorie. „Ich schätze Kane als absoluten Top-Profi ein. Ein Risiko bleibt zwar, aber das ist kalkulierbar“, stellte der 69-Jährige klar.
Für Reschke ist die Vertragsverlängerung allerdings nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar.
Der Engländer hat seit seinem Wechsel nach München seine außergewöhnliche Qualität unter Beweis gestellt. Mit zwei deutschen Meisterschaften und einem DFB-Pokalsieg konnte er bereits mehrere nationale Titel feiern.
Das wichtigste Ziel steht allerdings weiterhin aus: der Gewinn der Champions League.
Genau dafür soll Kane auch in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle spielen.
Das „große Ziel“ bleibe die Königsklasse, betonte Reschke. „Dieser Erfolg ist nicht kalkulierbar, aber mit Kane erhöhst du deutlich die Wahrscheinlichkeit, diesen Titel zu gewinnen.“
Mit der Verlängerung bis 2029 haben die Bayern ihren wichtigsten Torjäger langfristig gebunden. Ob sich die Millioneninvestition tatsächlich auszahlt, dürfte deshalb nicht allein von Kanes Trefferquote abhängen.
Entscheidend wird vor allem sein, ob der Engländer die Münchner in den kommenden Jahren endlich wieder auf Europas Fußballthron führen kann.