flag
back Zurück
Lieferdienstfahrer steht Marathon-Läufer im Weg: Vize-Weltmeister Amanal Petros äußert sich
Diese Situation erhitzt die Gemüter nach dem Marathon in Frankfurt: Elite-Athlet Amanal Petros schubste auf den letzten Kilometern einen Lieferdienstfahrer, der in seinem Laufweg stand.
Diese Situation erhitzt die Gemüter nach dem Marathon in Frankfurt: Elite-Athlet Amanal Petros schubste auf den letzten Kilometern einen Lieferdienstfahrer, der in seinem Laufweg stand. © Imago/Instagram-Screenshot Hessenschau

Auf den letzten Kilometern steht Marathon-Läufer Amanal Petros in Frankfurt ein Lieferdienstfahrer im Weg. Der Athlet schubst den Fahrer, das Internet diskutiert hitzig. Nun meldet sich der Läufer selbst zu Wort.

Frankfurt – Beim Marathon in Frankfurt hat ein ungewöhnlicher Zwischenfall für Aufsehen gesorgt. Der deutsche Vize-Weltmeister Amanal Petros lag am Sonntag (25. Oktober) lange vorn, doch nach einem Körperkontakt zu einer Person auf einem E-Bike geriet der 31-Jährige aus dem Rhythmus. Am Ende stand für ihn Platz zwei hinter Jirata Dinki aus Äthiopien.

Nun hat sich Petros zu einem Video geäußert, das zeigt, wie er den Fahrer schubst. Er wolle etwas dazu sagen, weil viele Menschen die Situation falsch einschätzten, schrieb er in einem Kommentar. „Plötzlich stand jemand mit einem Fahrrad direkt vor mir“, schilderte er den Moment.

Petros räumt eigene Reaktion bei Frankfurt Marathon ein

Bei Kilometer 37/38 zählt im Marathon jede Sekunde und jede Position, betont der Athlet. Besonders in den Kurven wolle man so wenig Zeit wie möglich verlieren. Unvermittelt tauchte jedoch jemand mit dem Rad direkt vor ihm auf und blockierte seinen Weg.

Der aus Eritrea stammende Läufer erklärte, er habe mit dem linken Fuß abrupt bremsen müssen. Die Bremsung habe eine kurze Blockade in der Wade ausgelöst und ihn völlig aus dem Takt gebracht. Seine Reaktion sei spontan aus der Situation heraus entstanden. „Ich wollte niemanden verletzen oder persönlich angreifen.“ Gleichzeitig räumte er ein: „Trotzdem war das Schubsen vielleicht nicht die beste Reaktion, und das kann ich auch zugeben.“

Der Läufer, der bei der WM in Tokio im Vorjahr nach einem Foto-Finish den Marathon-Titel nur knapp verpasst hatte, bittet um Zurückhaltung. Wer selbst Marathon läuft, kennt die Mischung aus Konzentration, Anspannung und körperlicher Strapaze auf den Schlusskilometern. Es zählten oft Sekunden. Eine Reaktion müsse man nicht gutheißen, doch ein Urteil solle erst nach dem Versuch des Nachvollziehens fallen.

Kann trotzdem Jubeln: Amanal Petros überschreitet nach als Zweiter nach 2:05:46 Stunden die Ziellinie in der Frankfurter Festhalle.
Kann trotzdem Jubeln: Amanal Petros überschreitet nach als Zweiter nach 2:05:46 Stunden die Ziellinie in der Frankfurter Festhalle. © Jürgen Kessler/Imago

Inzwischen wurde ein Insta-Video der Hessenschau, das die Szene zeigt, mehr als 3 Millionen Mal geklickt. Es trägt den Titel „Crash endet richtig bitter“. Die Hessenschau schrieb dazu: „Er war so kurz davor! Amanal Petros war beim Frankfurt Marathon schon kurz vor dem Ziel, plötzlich steht in seiner Ideallinie ein Essens-Lieferant. Petros kommt aus dem Tritt und gibt kurz später die Führung aus der Hand.“

Instagram-Video zu Lieferdienst-Zwischenfall geht viral

Unter dem Video wird hitzig diskutiert. Rund 800 Kommentare stehen am Montagnachmittag unter dem Beitrag. Tausendfache Zustimmung in Form von rund 9.000 Likes erhielt ein User, der schrieb: „Also ich bin ziemlich sicher, dass er auch ohne dieses kleine Ausweichmanöver nicht Erster geworden wäre. Nachdem er auf dem zweiten Platz war, war einfach die Luft raus.“ Ein anderer kommentierte: „Der STEHT auf dem Fußweg. Sollte er da stehen, nein? Aber daraus einen Crash und alles zu machen. Sehr aufgebauscht.“

Ein weiterer teilte die Meinung: „Diese Situation ist definitiv nicht schuld, dass er 20 Sekunden nach dem Sieger ins Ziel gelaufen ist. Ob es nicht hätte passieren dürfen? Außer Frage.“

Mainova Frankfurt Marathon mit deutlichen Worten

Nun meldete sich am Nachmittag der Marathon-Veranstalter selbst unter dem Video zu Wort – mit einer klaren Ansage. „Schade, dass diese Situation als Clickbait-Beitrag genutzt wird, anstatt die herausragende Leistung von Amanal hervorzuheben.“ Der Veranstalter hob hervor: „Der Sieger ist auf den letzten Kilometern fast 10 Sekunden schneller pro Kilometer als Amanal gelaufen – beide haben alles gegeben, aber diese unglückliche Situation hat vermutlich nicht über Platz 1 und 2 entschieden. Das hat Amanal in der After-Race-PK auch selbst noch einmal betont, sich entschuldigt und die Situation erklärt.“ Zudem sei die Strecke „selbstverständlich gemäß Vorgaben gesichert, sonst hätten wir niemals eine Startfreigabe bekommen!“ Der Lieferant habe dort „sehr unglücklich, aber auf dem Bürgersteig und nicht auf der Strecke“ gestanden.

Versöhnliche Worte fanden sich in diesem Beitrag: „So eine Situation kurz vor dem Ziel wünscht man wirklich niemandem. Dass Amanal trotz dieses Zwischenfalls im Ziel so positiv bleibt und pure Lebensfreude ausstrahlt, beweist die wahre Größe eines Champions! Für uns bleibt das eine absolut überragende Vorstellung.“

Nach 2:05:46 Stunden erreichte Petros das Ziel. Mit 41 Sekunden Rückstand jubelte er am Ende über Rang zwei. Bei den Frauen siegte Zeineba Yimer aus Äthiopien. Auf Rang zwei folgte die Berlinerin Blanka Dörfel.