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Ben Shelton hat selbst gezeigt, dass Carlos Alcaraz zu schlagen ist. Aus dem wachsenden Kreis erfolgreicher Herausforderer leitet der Amerikaner trotzdem nicht ab, dass Alcaraz und Jannik Sinner ihre Stellung im Herrentennis bereits verloren hätten.
Vor dem Turnier in Basel widersprach Shelton dieser Deutung ausdrücklich. “But I think to say that they’re fading is unfair”, sagte er. Seine Einschätzung trennt zwei Entwicklungen, die in der Saison gleichzeitig sichtbar geworden sind: Andere Spieler gewinnen große Titel, während Verletzungen die Einsatzmöglichkeiten der bisherigen dominierenden Kräfte begrenzen.
Shelton verwies darauf, dass Alcaraz und Sinner zusammen zwei der vier Grand-Slam-Turniere des Jahres gewonnen haben. Sinner holte außerdem fünf Masters-1000-Titel. Solche Ergebnisse sprechen aus seiner Sicht gegen die Vorstellung, ihre Qualität sei grundsätzlich zurückgegangen.
Gleichzeitig gewann Alexander Zverev Roland Garros und die US Open. Damit ist die Konkurrenz nicht nur theoretisch nähergerückt, sondern hat die wichtigsten Trophäen tatsächlich unter sich aufgeteilt. Beide Beobachtungen können nebeneinander gelten: Die Spitze ist breiter geworden, ohne dass jeder Erfolg eines Herausforderers den Niedergang der anderen beweist.
Shelton kennt diesen Wettbewerb aus eigener Erfahrung. Er besiegte Alcaraz bei den US Open in fünf Sätzen und erreichte später das Finale. Seine Worte kommen somit nicht von einem Spieler, der die beiden für unantastbar hält.
Alcaraz fehlte wegen einer Handgelenksverletzung mehr als vier Monate und kehrte bei den US Open zurück. Sinner hat seit Mitte Juli wegen einer Knieverletzung kein Turniermatch mehr bestritten.
Die fehlenden direkten Begegnungen erschweren eine einfache Rangordnung nach aktueller Spielstärke. Wer nicht antritt, kann keine Titel verteidigen oder neue Punkte gewinnen. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass sein höchstes spielerisches Niveau verschwunden ist.
Zverevs French-Open-Sieg zeigt zugleich, was eine offene Situation für einen Herausforderer bedeutet. Er nutzte das Tableau und gewann ein fünf Sätze langes Finale gegen Flavio Cobolli. Die Abwesenheit oder das frühe Ausscheiden anderer Favoriten nimmt einem Sieger die eigene Aufgabe nicht ab.
Der Amerikaner äußerte die Hoffnung, dass Alcaraz und Sinner bei den Australian Open 2027 wieder gesund antreten können. Das bleibt seine Erwartung und ist keine medizinische Zusage für die beiden Verletzten.
Für Shelton liegt die sportliche Herausforderung darin, seinen eigenen Aufstieg fortzusetzen, auch wenn die Konkurrenz wieder vollständiger antritt. Seine Einschätzung lässt Erfolge anderer Spieler ausdrücklich zu. Sie verlangt lediglich, zwischen erweiterten Chancen während einer Verletzungspause und einem dauerhaft veränderten Kräfteverhältnis zu unterscheiden.