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Koblenz · Rheinland-Verbandspräsident Markus Weiskopf spricht über die Männer-WM 2027 in Deutschland, Konkurrenzdenken, eine mögliche Fusion mit Nachbarverbänden und Gerüchte um seine Person.
In knapp drei Monaten beginnt die Handball-Weltmeisterschaft der Männer in Deutschland. Wie groß ist bei Ihnen die Vorfreude?
Weiskopf: Sie ist schon sehr groß. Es ist sehr spannend, was mit der WM alles auf uns zukommt. Die Medienwirksamkeit zum Beispiel wird eine ganz andere sein, nachdem die Übertragungsrechte erstmals bei ProSieben liegen. Dadurch wird den Fernsehzuschauern noch mehr Nähe zum Sport vermittelt werden.
Wie werden Sie die WM-Spiele verfolgen?
Weiskopf: Ich werde sicherlich Spiele in München und Köln verfolgen. Da ich aber parallel beruflich unterwegs bin, ist das auch eine Frage der Urlaubstage. Die meisten Partien werde ich daher wohl zu Hause am Fernseher verfolgen.
Die Tickets für die Partien finden reißenden Absatz. Wie versucht der Handballverband Rheinland, von der Strahlkraft der Heim-WM zu profitieren?
Weiskopf: Mit der aktuell laufenden Aktion „WM-Bälle on Tour“ versuchen wir im Vorfeld, auf die WM aufmerksam zu machen – vor allem auch bei der Jugend, für die es dabei viele Mitmach-Aktionen gibt. Froh bin ich, dass der Deutsche Handballbund und ProSieben den Vereinen Public-Viewing-Veranstaltungen während der WM ermöglichen. So kann die Euphorie noch besser unter alle Handballer getragen werden – im Übrigen auch zu jenen, die keine Karten mehr bekommen. Wichtig ist aber vor allem, nach der WM am Ball zu bleiben.
Wie soll das geschehen?
Weiskopf: Es soll Aktionen geben. Und Turniere. Vielleicht bekommen wir auch mal den einen oder anderen Nationalspieler als Gast. Ein großes Highlight wird auf jeden Fall die Ausrichtung des Walter-Laubersheimer-Gedächtnisturniers für Jugend-Auswahlmannschaften am 1. November 2027 in Koblenz sein. In dieses Vergleichsturnier wollen wir die Strahlkraft der WM mitnehmen.
Große Erfolge von Nationalteams sorgen für einen Mitglieder-Boom im Nachwuchs – auf diesen Zusammenhang hoffen Verbände immer wieder sportartenübergreifend. Ist das im Handball ein realistisches Szenario?
Weiskopf: Durchaus. Aber wir wollen und müssen tatsächlich sportartenübergreifend denken. Es wird im nächsten Jahr auf den Rheinwiesen in Koblenz ein Sommerfest geben, bei dem sich mehrere Ballsportverbände präsentieren. Basketball, Handball, Volleyball und noch weitere Sportarten. Wir dürfen uns nicht untereinander als Konkurrenz sehen, sondern müssen das Ansinnen vertreten, gemeinsam Mitglieder gewinnen zu wollen. Nicht jeder ist ein Handballer – und nicht jeder ein Basketballer. Meine Eltern zum Beispiel waren begeisterte Basketballspieler. Also sollte ich auch Basketball spielen. Das war aber nicht meine Welt. Deshalb bin ich zum Handball und dort geblieben. Wir müssen uns unter den Sportarten auf Verbands- und Vereinsebene vernetzen, um Talente zu erkennen und zu fördern. So haben alle etwas davon.
Wie läuft‘s in der Nachwuchsförderung im Handballverband Rheinland, nachdem vor einigen Monaten neben dem bereits bestehenden Landes-Leistungsstützpunkt für den weiblichen Nachwuchs in Wittlich für talentierte Jungs in Koblenz ebenfalls ein solches Angebot geschaffen worden ist?
Weiskopf: Die Arbeit an den Stützpunkten funktioniert. Wir machen dort mit den Trainern sehr gute Erfahrungen und arbeiten stringent daran, vorgegebene Ausbildungskonzepte umzusetzen. Größer werdende Probleme stellen wir dagegen auf der Nachfrage-Seite fest. Talente wechseln früh an andere Standorte, zum Beispiel in Internate von Bundesligavereinen. Wir versuchen, uns perspektivisch mit Schul-Kooperationen breiter aufzustellen, um in der leistungsbezogenen Nachwuchsförderung nachhaltiger zu werden.
Stillstand ist Rückschritt, heißt es im Volksmund. Auch im Handball soll die Digitalisierung Einzug halten. Doch die Einführung eines einheitlichen Verbandsmanagement-Systems für alle Spiel- und Altersklassen im Deutschen Handballbund mit dem Namen „Handball360“ verläuft nicht geräuschlos, sondern schleppend. Woran liegt`s?
Weiskopf: Also ich sehe in dem System eine Riesenchance, dass der Handballverband Rheinland endlich modern wird. Wir müssen beispielsweise in Fragen von Spielerpässen und Spielberechtigungen nicht mehr hin- und hertelefonieren oder gar Faxe schicken. Wer bei „Handball360“ einmal registriert ist, ist in ganz Deutschland abrufbar. Wir können uns als Verbände dank „Handball360“ endlich sinnvoll vernetzen. Die Verwaltungsarbeit wird einfacher, schneller und effektiver.
Während der Handballverband Rheinland von Beginn an dabei ist, sehen das nicht wenige ihrer Kollegen aktuell noch anders. Gleich neun der 17 Landesverbände haben die beim Bundestag des Deutschen Handballbunds im November2025 beschlossene Umstellung auf „Handball360“ zum Start der Saison 2026/27 um maximal ein Jahr verschoben. Woher rührt diese Uneinheitlichkeit?
Weiskopf: Zum einen spielen die Größen der Landesverbände eine Rolle. Wir im Rheinland sind ein kleiner Verband mit kürzeren Wegen. Der baden-württembergische Verband dagegen ist sehr groß. Dort ist das Gebiet viel ausgedehnter, viel differenzierter. Und die Ligenstruktur ist eine ganz andere, was die Etablierung des Systems komplizierter macht. Zudem weiß ich nicht, ob andernorts Personen in den Verbänden derart mit Herzblut an der Umsetzung involviert sind wie bei uns Rainer Schneider – unserem erfahrenen „alten Hasen“ im Bereich der Spieltechnik, der effizient an der Implementierung von „Handball360“gearbeitet hat. Ich kann ihn mit Gold nicht aufwiegen.
Wie sind die Reaktionen aus den Vereinen des Handballverbands Rheinland?
Weiskopf: Sehr positiv. Wir haben kaum Support-Fälle. Wenn es welche gibt, liegen sie aber nicht am System, sondern weil hier mal eine Internetverbindung schlecht ist oder dort mal ein Häkchen nicht richtig gesetzt worden ist.
Und bundesweit? Werden die Landesverbände, die jetzt noch nicht dabei sind, „Handball360“ etablieren?
Weiskopf: Ja. Ich gehe davon aus, dass im Sommer nächsten Jahres alle Verbände in diesem Programm sein werden.
Aus den aktuell 17 Landesverbänden sollen perspektivisch weniger werden. Wie ist der Stand bei einer möglichen Fusion des Handballverbands Rheinland mit dem bereits neu etablierten Verband Rheinhessen-Pfalz?
Weiskopf: Ich bin mit dem neuen Präsidenten des Handballverbands Rheinhessen-Pfalz, Gerd Offer, in einem regen Austausch. Es gibt im Moment verschiedene Planmodelle, mit denen wir vielleicht auch das Saarland mit ins Boot holen. Das könnte Sinn machen, da wir vom Deutschen Handballbund ohnehin bereits als Förderregion Rheinhessen-Pfalz-Saar gelistet werden. Es gibt verschiedene Überlegungen in Richtung eines Dachverbands, aber auch anderer Verbindungsmöglichkeiten. Dass wir uns verschmelzen werden, sehe ich im Moment nicht. Das wird wahrscheinlich nicht passieren.
Welches Modell wäre stattdessen realistisch?
Weiskopf: Das ist noch Gegenstand intensiver Beratungen. Es wird auf jeden Fall eine Zusammenarbeit geben, die ja im Übrigen bei verschiedenen Themen schon existiert. Es gibt die gemeinsame Regionalliga Südwest, es gibt Rheinland-Pfalz-Auswahlen. Auch gegenüber dem Deutschen Handballbund treten wir im Südwesten, etwa was die Stimmrechtsverteilung betrifft, bereits gemeinsam auf. Bei bestimmten Aufgaben werden zukünftig Verbandsstrukturen ohnehin womöglich verschwimmen.
Wie meinen Sie das?
Weiskopf: Es könnte in unteren Ligen Sinn machen, Spielklassen grenzüberschreitend zusammenzusetzen. Es gibt an den Landesgrenzen von Nordrhein-Westfalen oder auch Hessen Vereine, denen es zu weit ist, zu Spielen hinter Köln oder Frankfurt zu fahren. Da macht es Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, inwieweit Entfernungen zwischen Clubs wichtiger als Verbandsgrenzen sind. Zum Wohle der Handballer.
Was die Zusammenarbeit mit Rheinhessen-Pfalz und vielleicht auch dem Saarland angeht: Werden Sie als Präsident des Handballverbands Rheinland ein wie auch immer geartetes Konstrukt mit über die Ziellinie bringen? Sie sollen bei Erst- und Zweitligisten für eine kaufmännische Geschäftsführung im Gespräch sein.
Weiskopf: Ist das so? Solche Gerüchte ehren mich einerseits. Andererseits habe ich als Präsident des Handballverbands Rheinland ein Amt angetreten, das ich als Herzensprojekt betrachte. Ich habe ein Mandat und verspüre große Rückendeckung von den Vereinen. Der Handballverband Rheinland steht für mich an vorderster Stelle. Was später die Zukunft für mich bereithält, das weiß ich noch nicht.