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(Motorsport-Total.com) - Nach einer der kniffligsten Titelverteidigungen seit Jenson Button im Jahr 2010 gab Lando Norris dem neuesten Upgrade-Paket von McLaren am Freitag beim Formel-1-Rennen von Sao Paulo (hier live im Ticker verfolgen) ein vorsichtiges Daumen hoch.
Lando Norris sicherte sich im ersten Training die Bestzeit Zoom
Norris war im ersten Freien Training mit knapp 0,082 Sekunden Vorsprung auf Mercedes-Pilot Kimi Antonelli der Schnellste und gehörte auch bei den Longruns im zweiten Training zu den Schnellsten, was die durchschnittliche Pace betrifft. "FT1 war sicherlich eine kleine Überraschung, eine angenehme Überraschung", sagt Norris.
"In FT2 schienen wir im Vergleich zu Mercedes etwas mehr zu kämpfen zu haben - im Grunde fehlten uns in jeder Runde etwa zwei Zehntel. Aber im Vergleich zu einigen anderen sehen wir, glaube ich, ziemlich gut aus", so der entthronte Weltmeister.
"Die Upgrades - auch wenn ich erst die eine Hälfte und dann die andere gefahren bin und wir für morgen alles zusammenbauen werden - scheinen bisher genau das zu bringen, was wir uns erhofft hatten. Ich würde sagen, es war ein guter Tag, was das Abarbeiten des Run-Plans angeht, und auch ein guter Tag bezüglich der relativen Performance."
Das Feedback beider Fahrer drehte sich in dieser Saison vor allem darum, wie viel Aufwand nötig ist, um dem MCL40 eine schnelle Runde abzuringen: Es ist ein Auto, das man regelrecht am Schlafittchen packen muss.
Das steht nicht nur der nötigen Konstanz im Weg, um im Qualifying und im Rennen stark abzuliefern - insbesondere weil die Reifen extrem empfindlich auf Temperaturspitzen an der Oberfläche reagieren, die durch Rutschen entstehen -, sondern es hat auch einen Keil zwischen die beiden Fahrer getrieben.
Piastri, wie Teamchef Andrea Stella wiederholt betont hat, ist ein Fahrer, der davon lebt, sich im Laufe eines Wochenendes kontinuierlich zu steigern. Dafür braucht es eine Konstanz, die das Auto schlicht nicht liefern kann.
Norris ist zwar anpassungsfähiger, aber selbst er hatte Mühe, ein rundum perfektes Wochenende auf die Beine zu stellen. In Mexiko beispielsweise meinte er, das Auto habe am Sonntag die Pace für den Sieg gehabt. Sein Problem war nur, dass die Pace am Samstag nicht ausreichte, um sich höher als auf Rang sechs zu qualifizieren.
McLaren hat über diesen Triple-Header hinweg stufenweise ein umfassendes Update eingeführt: Zum US-GP in Austin gab es eine neue Vorderachs-Geometrie sowie überarbeitete Elemente am Diffusor.
Hinzu kommt nun eine weitere aerodynamische Verfeinerung, allen voran ein neuer Frontflügel, bei dem alle drei Elemente neu profiliert wurden und die gesamte Baugruppe nun über das mittlere statt über das vordere Element an der Nase befestigt ist. An anderer Stelle gab es Überarbeitungen am Heckflügel, dem Beam-Wing an dessen Basis sowie am Unterboden.
All diese Entwicklungen wurden Anfang September abgesegnet, bevor sich das Designteam vollständig dem Autoprojekt für 2027 zuwandte. Der Fokus des Updates lag insgesamt darauf, das Auto beim Anbremsen etwas berechenbarer zu machen, die Fahrbarkeit leicht zu verbessern und gleichzeitig die allgemeine Leistungsobergrenze ein Stück anzuheben.
Ein Teil der Widerspenstigkeit des Autos ist jedoch fest verbaut und lässt sich durch aerodynamische Überarbeitungen nicht einfach abschleifen: Um die recht ehrgeizige, reduzierte Gewichtsgrenze dieser neuen Fahrzeuggeneration sicherer zu erreichen, entschied sich McLaren für ein kompaktes Fahrzeugkonzept mit dem denkbar kürzesten Radstand.
Das ging jedoch zu Lasten der Stabilität und brachte inhärente aerodynamische Einschränkungen bei der Unterbodenfläche vor den Hinterrädern mit sich. "Man stößt die Dinge immer bis ans Limit. Sobald man sich also mit etwas vielleicht ein kleines bisschen wohler fühlt, pusht man automatisch so lange weiter, bis man wieder an die Grenze stößt", erklärt Norris.
"Letztlich sind die Upgrades dazu da, Rundenzeit und Performance zu bringen. Sie sind nicht rein darauf ausgelegt, das Handling zu verbessern. Ein perfektes Upgrade ist eines, das Rundenzeit bringt und gleichzeitig das Handling verbessert - besonders wenn man bedenkt, wie knifflig das Auto zu fahren war."
"Ich würde sagen, es gibt vielleicht eine kleine Veränderung in die richtige Richtung, als dass es sich einfach ein kleines bisschen unkomplizierter fahren lässt. Aber ich glaube nicht, dass wir das jemals nach nur einer Strecke beurteilen können. Für heute wirkten die Dinge aber etwas geradliniger, was eine gute Sache ist", so der McLaren-Pilot.
Obwohl Norris erwartet, am Samstag das komplette Paket zu fahren, nachdem er am Freitag eine Kombination verschiedener Komponenten evaluiert hatte - während Leonardo Fornaroli bei seinem obligatorischen Rookie-Einsatz in FT1 den Großteil der Messungen mit den Sensor-Gittern übernahm -, ist das noch nicht zu 100 Prozent sicher, auch wenn das Team zweckoptimistisch bleibt.
"Ich denke, die Upgrades sehen so aus, als würden sie wie erwartet liefern - mehr kann man nicht verlangen", sagt Renndirektor Randy Singh. "Und Leo hat in FT1 einen tollen Job für uns gemacht, indem er einige Fahrten mit den Rakes absolviert und uns geholfen hat, sie im Detail zu testen."
"Wir werden heute Abend die finale Entscheidung treffen, aber alle Daten sehen bislang gut aus. Wir werden unsere Hausaufgaben machen und auch alle Daten aus FT2 prüfen. Aber ja, ich gehe davon aus, dass voraussichtlich alle Upgrades am Auto bleiben."