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Bei der Verleihung des Ballon d'Or, des Oscars der Fußballwelt, ging der spanische Rekordmeister Real Madrid am Montag einmal mehr leer aus. Dabei beendete der Klub mit den meisten Europapokaltiteln nach zwei Jahren seinen Boykott der Veranstaltung wegen einer vermeintlichen Benachteiligung seiner Stars. Die Königlichen schickten einige Vertreter nach London, jedoch nicht Vereinspräsident Florentino Pérez. Auch auf dem grünen Rasen läuft es bei den Königlichen schon länger nicht mehr rund, nach zwei Saisons ohne Titel. Dafür schreibt Real Madrid außerhalb des Platzes Schlagzeilen. Der französische Topkicker Kylian Mbappé, der beim Ballon d’Or knapp hinter dem Engländer Harry Kane vom FC Bayern München landete, hat die Gemüter der chinesischen Regierung erregt, indem er Mao Zedong als Diktator bezeichnete. Das Staatsfernsehen CCTV will künftig keine Spiele der spanischen Liga mehr in China übertragen, weil die Aussagen von Mbappé „die Gefühle des chinesischen Volkes verletzten“. Chinesische Sponsoren, wie der Getränkehersteller Dongpeng, beendeten aus demselben Grund die Zusammenarbeit mit dem Ausnahmesportler.
Daheim in der spanischen Hauptstadt sorgte der Klub diese Woche ohne eigenes Zutun für Negativschlagzeilen. Real Madrid will das 1,2 Millionen Quadratmeter große Grundstück rund um das eigene Trainingszentrum im Stadtteil Valdebebas zu Geld machen. Im Norden der Stadt, gleich neben dem Flughafen, sollen Hotels, Bürogebäude, Studentenwohnheime und ein Krankenhaus entstehen. Die Stadt Madrid hat das Gelände vom Nutzen für rein sportliche Zwecke zum allgemeinen Baugrund aufgewertet. Der Wert des Grundstücks wird auf 360 Mill. Euro geschätzt. Das weckt Erinnerungen an eine ähnliche, höchst umstrittene Operation vor 25 Jahren, als Klubboss Pérez in seinem ersten Amtsjahr das damalige Trainingsgelände nahe des Stadtzentrums sehr gewinnbringend veräußern konnte und dafür günstig die weiten Flächen im noch unbebauten Außenbezirk Valdebebas kaufte.
Schwerwiegender Rechenfehler
Doch in einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Studie über die wirtschaftlichen Auswirkungen des neuen Bauplans für Valdebebas schlich sich ein schwerwiegender Fehler ein. Die Autoren der Beratungsfirma Savills verrechneten sich beim erwarteten Steueraufkommen für die Gemeinde aufgrund eines falsch angewandten Multiplikators. Statt jährlich 131 Mill. Euro kommen demnach nur 34 ins Stadtsäckel. Die üppigen Einnahmen für die Stadt waren einer der Gründe für die Neubewertung des Geländes. Das konservativ regierte Rathaus räumte den Fehler ein, bekräftigte aber, dass dies am Verfahren nichts ändern werde. Die linke Opposition wittert dagegen einen Skandal und eine Bevorteilung des mächtigen Vereins, so wie damals vor 25 Jahren. Die These lautet, dass die Stadt den Verein dafür entschädigen will, dass man Real Madrid die Pläne für ein Parkhaus am Stadion und die Nutzung der legendären Arena für Konzerte wegen Protesten der Anwohner verhagelt hatte.
Immerhin konnten die Spieler am Sonntag wenigstens wieder auf dem Rasen positiv auffallen. Real Madrid gewann das Prestigeduell beim Rivalen FC Barcelona mit 1:2. Mbappé erzielte beide Treffer der Königlichen, doch für den Ballon d'Or reichte es dennoch nicht.