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Das Rheinderby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach hat gerade wieder gezeigt, wie brisant Fußball in Nordrhein-Westfalen werden kann. Nach den Ausschreitungen rund um das Duell steht auch das Sicherheitskonzept des Landes erneut in der Diskussion. Und genau hier lauert für BVB, Schalke, Gladbach & Co. noch ein ganz anderes Problem: Ausgerechnet die enorme Fußball-Dichte in NRW könnte die Klubs künftig Millionen kosten.
📌 Polizeikosten bei Risikospielen
Nordrhein-Westfalen ist Deutschlands Fußball-Hochburg. Traditionsvereine und große Fanszenen liegen teilweise nur wenige Kilometer auseinander. Derbys und Nachbarschaftsduelle gehören hier zum Alltag. Genau solche Paarungen können allerdings einen besonders hohen Polizeiaufwand auslösen – und damit künftig zum Kostenfaktor werden.
Wie groß die Summen sind, zeigt der Landesrechnungshof. Für die Saison 2024/25 errechnete er rund 29,8 Millionen Euro Personalkosten für Polizeieinsätze bei Spielen der ersten drei Ligen in NRW. Allein auf sogenannte Rotspiele, also Begegnungen mit besonders hohem Sicherheitsrisiko, entfielen mögliche Gebühren von rund 7,9 Millionen Euro.
Zusätzlich gibt es sogenannte Gelbspiele. Dabei sieht die Polizei ebenfalls ein erhöhtes Risiko, allerdings unterhalb der höchsten Gefahrenstufe. Würden auch diese Partien in ein Gebührenmodell einbezogen, läge das mögliche Einnahmevolumen laut Landesrechnungshof bei rund 14,9 Millionen Euro.
Das bedeutet nicht, dass BVB, Schalke, Gladbach, Köln & Co. automatisch diese kompletten Summen zahlen müssten. Nach dem Bremer Modell geht es um zusätzliche Kosten, die wegen des erhöhten Risikos entstehen. Normale Polizeiarbeit rund um ein Fußballspiel bleibt außen vor. Außerdem braucht NRW zunächst überhaupt eine entsprechende Gebührenregelung.
Trotzdem liegt das Problem auf der Hand. Je häufiger ein Klub Heimspiele mit erhöhtem Risiko austrägt, desto häufiger könnten Rechnungen reinflattern. Damit würde die über Deutschlands Grenzen hinaus gefeierte Fußballkultur an Rhein und Ruhr plötzlich zum Kostenfaktor. Ein Verein mit zahlreichen brisanten Duellen hätte andere Voraussetzungen als ein Klub mit deutlich weniger Risikospielen.
Gerade deshalb könnte NRW besonders verwundbar sein. BVB, Schalke, Gladbach, Köln & Co. spielen in einem Umfeld mit außergewöhnlich vielen großen Fanszenen. Kommen Auf- und Abstiege hinzu, entstehen immer wieder neue Derbys und Nachbarschaftsduelle.
Zusätzliche Brisanz bekommt die Debatte durch die Kostenverteilung. Der DFB hat ausdrücklich beschlossen, mögliche Gebühren mindestens anteilig an den Heimverein weiterzugeben. Dabei entsteht das Risiko eines Spiels häufig erst durch die konkrete Paarung und die beteiligten Fanszenen. Trotzdem könnte zunächst der Gastgeber finanziell belastet werden.
Hier liegt auch die Gefahr eines Flickenteppichs. Bremen verlangt Gebühren, das Saarland hat inzwischen ebenfalls eine rechtliche Grundlage für eine mögliche Beteiligung geschaffen. Andere Bundesländer gehen einen anderen Weg. Damit könnte ein vergleichbares Hochrisikospiel je nach Austragungsort zusätzliche Kosten verursachen – oder eben nicht.
Die von DER WESTEN befragten NRW-Vereine wollen deshalb lieber an einer anderen Stellschraube drehen. „Eine pauschale Weiterberechnung von Polizeikosten ist aus unserer Sicht der falsche Weg“, erklärt Kölns Vizepräsident Jörg Alvermann. Ziel müsse eine gezielte Reduzierung der Polizeieinsätze sein.
Auch Borussia Mönchengladbach verweist gegenüber DER WESTEN auf die Stadionallianzen. 16 NRW-Klubs haben ihre Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden im Sommer erneuert. Erstmals ist auch die Bundespolizei eingebunden. Die Vereinbarung soll Polizeikräfte entlasten und Einsätze besser koordinieren.
Das Innenministerium hält an dem Modell fest. Aus Fanprojekten kommt dagegen Kritik an dessen Ausgestaltung. Für die Diskussion über Polizeikosten ist das besonders brisant: Gelingt es nicht, Einsatzstunden dauerhaft deutlich zu reduzieren, wächst der politische Druck auf eine finanzielle Beteiligung des Fußballs weiter.
Ähnlich argumentiert MSV-Geschäftsführer Michael Preetz gegenüber dieser Redaktion. Vereine und Behörden seien über die Stadionallianzen bereits auf einem guten Weg. Ob der neue Vorstoß das Problem besser löse, dürfe „durchaus hinterfragt werden“. Für den Schutz im öffentlichen Raum sieht auch Duisburg weiterhin die Behörden zuständig.
Die Debatte ist längst im Landtag angekommen. Erst am 13. Oktober stand der Rechnungshof-Beitrag mit dem unmissverständlichen Titel „Eigentor für das Land – keine Gebühren für Hochrisikospiele“ auf der Tagesordnung des Ausschusses für Haushaltskontrolle. Der politische Druck verschwindet also nicht – im Gegenteil.
Sollte NRW tatsächlich Gebühren einführen, wären die möglichen Summen erheblich. Und wegen der außergewöhnlich dichten Fußballlandschaft könnten BVB, Schalke, Gladbach & Co. stärker getroffen werden als Vereine in vielen anderen Regionen. Ausgerechnet Deutschlands größtes Fußballland hätte dann womöglich einen finanziellen Standortnachteil.