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War das Duell gegen Marc Marquez im hart umkämpften MotoGP-Titelkampf ohnehin schon schwierig genug, so hat sich Jorge Martins Ausgangslage nach seinem Sturz am vergangenen Samstag im Australien-Sprint noch weiter verkompliziert.
Zu dem Sturz kam es, als er sich mit Marquez einen explosiven Zweikampf um die Führung lieferte, der achteinhalb Runden andauerte. Nach mehreren Überschlägen im Kiesbett zog er sich einen Bruch im handgelenksnahen Bereich der Speiche zu.
Ursprünglich glaubten viele, seine Chancen auf den WM-Titel seien in Kurve 8 von Phillip Island begraben worden. Doch einige Entwicklungen in den Stunden nach dem Unfall ließen wieder Hoffnung aufkeimen.
Zunächst räumte eine am Samstagabend in einer Klinik in Melbourne durchgeführte Computertomografie den Anfangsverdacht der Streckenärzte aus, die befürchtet hatten, er könnte zusätzlich eine Fraktur der Elle am selben Arm erlitten haben.
Die CT-Untersuchung zeigte zudem, dass der Speichenbruch nicht verschoben war, weshalb er für eine Operation nicht nach Spanien zurückkehren musste. Der zweite "Verbündete" für die Startnummer 89 war das schlechte Wetter.
Die Absage des Grand Prix verhinderte, dass Marquez seinen Vorsprung an der Tabellenspitze ausbauen konnte. Nach seinem Sprintsieg liegt der Ducati-Fahrer nun zehn Punkte vor Martin und 50 Zähler vor dem Gesamtdritten Marco Bezzecchi.
Zusammengenommen haben diese beiden Umstände den Weltmeister von 2024 darin bestärkt, alles Menschenmögliche zu tun, um am kommenden Wochenende in Malaysia an den Start zu gehen.
Er möchte die verbleibenden Möglichkeiten nutzen, um sich die zweite Krone in der Königsklasse zu sichern. Es ist eine enorme und voraussichtlich schmerzhafte Herausforderung, doch die Maschinerie läuft bereits auf Hochtouren.
Der Schlüssel liegt im Physioprogramm, das Martin in den kommenden vier Tagen absolvieren wird. Ausgearbeitet hat es Aitor Tomas, Physiotherapeut der Agentur Playmaker, die sowohl Martin als auch Pedro Acosta vertritt.
Tomas reist mit den Fahrern mit, um sie an den Grand-Prix-Wochenenden zu betreuen. Martin flog in der Nacht von Sonntag auf Montag von Melbourne ab und ist bereits in Kuala Lumpur eingetroffen.
Ein vertrauter Physiotherapeut, mit dem er in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat, nimmt ihn dort in Empfang und folgt den Anweisungen von Tomas. Dieser wird am Dienstag in Kuala Lumpur eintreffen.
"Wir werden den Ablauf in zwei Phasen unterteilen", erläutert Tomas die Pläne gegenüber Motorsport.com Spanien, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com im Motorsport Network.
"Die erste Phase konzentriert sich darauf, die Schwellung abzubauen und sämtliche Begleiterscheinungen der Knochenverletzung zu behandeln. Das Ziel besteht darin, Beweglichkeit, Kraft und Funktionsfähigkeit wiederherzustellen."
Martin und Marquez lieferten sich im Sprint ein Duell am Limit
Foto: Stephen Blackberry/NurPhoto via Getty Images
"Das erreichen wir mithilfe von Kryotherapie (Kältebehandlung) und manueller Therapie. Gleichzeitig versuchen wir, die Knochenregeneration bestmöglich zu fördern, damit sich der Knochen schrittweise stabilisiert."
"Dafür setzen wir Magnetfeldtherapie-Systeme ein", erläutert der Physiotherapeut. "Sollte er dann die Freigabe erhalten, wieder auf das Motorrad zu steigen, wenden wir ein anderes Protokoll an als jenes, das wir normalerweise bei ihm nutzen."
"In diesem Fall konzentrieren wir uns auf das Handgelenk und versuchen, neben einer gezielten Schmerztherapie Schwellungen weitestgehend zu minimieren." Ob Martin eine schmerzlindernde Injektion erhält, wird erst später entschieden.
Die betroffene Stelle wird zudem mit elastischen therapeutischen Tapes versorgt. Ausrüster Alpinestars modifiziert den rechten Handschuh, damit der Verschluss keine Druckstellen oder Schmerzen verursacht.
Von Montag bis Donnerstag beschränkt sich der Zeitplan von Martin auf Regeneration, Behandlungen und Ruhephasen. Am Donnerstagmittag fährt er schließlich zur Sepang-Strecke.
Dann wird MotoGP-Chefarzt Dr. Angel Charte seinen körperlichen Zustand überprüfen und darüber entscheiden, ob er für das erste Freie Training am Freitag die Starterlaubnis erhält.
In solchen Fällen erfolgt nach dieser ersten Session üblicherweise eine weitere Untersuchung, ehe ein Fahrer für den weiteren Verlauf des Wochenendes freigegeben wird.
Wird Jorge Martin in Sepang tatsächlich aus der Box fahren können?
Foto: Gold & Goose Photography/Getty Images
Martins Umfeld beurteilt die Chancen auf einen Renneinsatz mit gebotener Vorsicht. Das liegt nicht allein an der Fraktur selbst, denn das rechte Handgelenk ist auf einem MotoGP-Prototypen extremen Belastungen ausgesetzt.
Es betätigt den Gasgriff, greift zum Bremshebel der Vorderradbremse und stützt den Oberkörper des Piloten maßgeblich ab, wenn sich das Gewicht beim harten Anbremsen nach vorne und beim Beschleunigen nach hinten verlagert.
Erschwerend kommen in Sepang die tropische Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit hinzu. Aprilia wünscht sich zwar einen Start von Martin in Malaysia, doch auch die Verantwortlichen des Herstellers aus Noale mahnen zur Besonnenheit.
"Wir müssen von Tag zu Tag schauen, wie sich Jorge mit der Zeit fühlt. Wir stehen voll hinter ihm, wissen aber ganz genau, wie heikel solche Situationen sind", sagt ein Teamsprecher gegenüber Motorsport.com Spanien.
"Niemand muss ihm erklären, worum es geht, denn das weiß er selbst am besten. Deshalb bauen wir keinerlei Druck auf. Wie auch immer seine Entscheidung ausfällt, für uns wird es die richtige sein. In solchen Momenten steht die Gesundheit an erster Stelle", betont der Sprecher.