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Jorge Martin wird beim Grand Prix von Malaysia zurück auf die Strecke gehen. Trotz eines Bruch im rechten Handgelenk hat der Spanier nach einer medizinischen Untersuchung die Freigabe für das erste Freie Training erhalten.
Ob er das gesamte Rennwochenende bestreiten kann, ist offen. Martin will zunächst herausfinden, wie stark ihn die Verletzung auf dem Motorrad tatsächlich einschränkt.
"Mir geht es gut, würde ich sagen. Es könnte schlechter, aber auch besser sein", erklärt der Aprilia-Pilot vor seinem geplanten Comeback. Für ihn sei es zunächst darum gegangen, überhaupt wieder auf das Motorrad steigen zu können.
"Wir haben den ersten Schritt geschafft. Ich will versuchen zu fahren, dann sehen wir, wie mein Zustand und mein Gefühl sind. Danach entscheiden wir, wie es weitergeht und ob ich den Grand Prix fortsetze", bleibt der Spanier vorsichtig.
Das medizinische Team der Motorrad-Weltmeisterschaft untersuchte Martin am Donnerstag und erklärte ihn für das erste Freie Training für fahrtauglich. Nach dieser ersten Session soll sein Zustand erneut beurteilt werden. Eine endgültige Entscheidung über die weitere Teilnahme am Grand Prix steht damit noch aus.
Martin macht keinen Hehl daraus, wie schwierig die Aufgabe werden dürfte. "Das Einzige, was ich weiß, ist, dass mein Handgelenk gebrochen ist. Ich werde versuchen, mit einem gebrochenen Handgelenk zu fahren. Das wird definitiv sehr schwierig und sehr schmerzhaft." Trotzdem wolle er es zumindest versuchen.
Der Grund liegt auf der Hand: Er kämpft noch um den WM-Titel. Ohne diese Ausgangslage, so Martin, wäre er mit einem Gipsverband für einen Monat zu Hause geblieben.
Wie weit er unter diesen Umständen gehen kann, vermag der Weltmeister von 2024 noch nicht einzuschätzen. Zunächst müsse er auf die Rennstrecke, um zu verstehen, wie stark ihn die Verletzung bei seinem Fahrstil beeinträchtigt.
Besonders ungünstig ist dabei die betroffene Hand: Mit der rechten Hand bedient Martin sowohl die Vorderradbremse als auch den Gasgriff. Hinzu kommt das Streckenlayout: Der Sepang International Circuit verfügt über einige Rechtskurven, in denen das verletzte Handgelenk besonders gefordert werden könnte.
Deshalb hält sich Martins Zuversicht bezüglich seiner Chancen am Wochenende in Grenzen: "Insgesamt sieht es nicht besonders gut aus. Aber schauen wir, wie es morgen läuft."
Wie groß die Probleme tatsächlich sind, zeigt sich bereits abseits der Rennstrecke. So berichtet Martin, dass er im Alltag vor allem auf die linke Hand angewiesen sei. Selbst Zähneputzen sei mit der verletzten rechten Hand derzeit nicht möglich.
Ob er unter diesen Voraussetzungen ein MotoGP-Motorrad kontrollieren kann, muss sich also erst zeigen. "Ich bin weder wirklich optimistisch noch zu pessimistisch", sagt der Spanier selbst. "Dass ich fünf Tage später [nach seinem Sturz im Australien-Sprint] hier bin und fahren kann, ist für mich schon verrückt."
In der Zeit seit seiner Verletzung habe er sämtliche verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten genutzt, um für den Einsatz beim Grand Prix von Malaysia möglichst gut vorbereitet zu sein.
Nun muss sich zeigen, wie weit er damit kommt. An das gesamte Rennwochenende oder gar die Folgen für die Weltmeisterschaft will Martin vorerst nicht denken. Sein Fokus liegt ausschließlich auf dem ersten Training. Erst wenn er wieder auf dem Motorrad gesessen hat, will er über die nächsten Schritte entscheiden.
"Ich denke nur daran, zu versuchen, zu fahren. Ich denke nicht an die Meisterschaft, nicht an Samstag oder Sonntag. Ich denke an morgen. Wir versuchen zu fahren, und danach gehe ich den nächsten Schritt", erklärte der Aprilia-Pilot.
Aktuell fühle er sich noch nicht wirklich bereit für ein Rennen. Gleichzeitig habe sich sein Zustand im Verlauf der vergangenen Tage deutlich verbessert. Deshalb schließt Martin nicht aus, dass er sich am Samstag besser fühlen könnte als am Freitag.
Bei einem Knochenbruch brauche es allerdings Zeit, und diesen Prozess könne er nicht beschleunigen. Die Freigabe für das erste Training ist somit noch keine Garantie für einen Start im Sprint oder im Grand Prix. Zunächst muss Martin herausfinden, welche Belastung sein gebrochenes Handgelenk wirklich zulässt.
Sein Titelrivale Marc Marquez traut ihm dennoch einiges zu. Auf die Frage nach dessen Comeback erklärt er, dass Martin vermutlich nur deshalb so früh zurückkehre, weil sich auch Chancen ausrechne, schnell und konkurrenzfähig zu sein.
Martin selbst will sich jedoch noch nicht auf ein konkretes Leistungsziel für das Wochenende festlegen. Ob Punkte, ein Platz unter den ersten Vier oder sogar ein Podium realistisch sind, könne er vor seiner ersten Ausfahrt nicht beurteilen.
"Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich will einfach auf dem Motorrad herausfinden, wie es sich anfühlt", so der Spanier. Deshalb will er von Tag zu Tag entscheiden. "Selbst wenn ich mich zum Beispiel im FT1 nicht wirklich gut fühle, werde ich es vielleicht weiter versuchen, bis ich wirklich sehe, ob ich es schaffe oder nicht."
Dass er unmittelbar wieder an seine Leistungen in Australien anknüpfen kann, erwartet Martin nicht. Wie groß der Rückstand tatsächlich ausfällt, müsse sich erst zeigen.
Auch was das für die WM bedeutet, bleibt vorerst offen. In den kommenden fünf Wochen stehen vier Grands Prix an. Eine Verletzung, die normalerweise etwa einen Monat zum Ausheilen benötigt, könnte den Titelkampf daher erheblich beeinflussen.
"Ich denke, dass ich mich in Portimao [beim Saisonfinale] richtig gut fühlen werde. Ich glaube, dass ich dann wieder normal fahren kann", prognostiziert Martin. Die beiden vorherigen Stationen in Malaysia und Katar seien dagegen große Fragezeichen, was seinen körperlichen Zustand angehe. Trotzdem schreibt er die WM nicht ab.
"Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Das ist sicher, es kann alles passieren", sagt der aktuelle WM-Zweite. "Ich will sehen, ob ich konkurrenzfähig bin. Wenn ich das bin, bin ich weiterhin im Titelkampf. Wenn nicht, können wir es vergessen."
Im Rückblick auf seinen Sturz im Sprint von Phillip Island, bei dem er sich die Verletzung zuzog, findet Martin nicht, dass er zu aggressiv unterwegs gewesen sei. Marquez hatte die Vermutung geäußert, sein Konkurrent habe das Motorrad überfahren und so den Sturz provoziert. Doch Martin widerspricht dieser Einschätzung.
"Nein, aber mein Motorrad war während des Rennens definitiv ziemlich unruhig. Ich weiß nicht, warum, aber schon in der Aufwärmrunde hatte ich das Gefühl, dass sich etwas stark bewegte", berichtet Martin. Er habe versucht, unter diesen Umständen weiterzufahren und den Kampf auf der Strecke auch genossen.
Den Sturz führte er letztlich auf einen Fehler zurück: "Ich war etwas zu weit links und bin gestürzt." Dass er dabei übermäßig viel riskiert oder sein Limit überschritten habe, sieht er selbst jedoch nicht als Ursache für den folgenschweren Unfall.