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Die laufenden MotoGP-Kampagne hat sich vorerst aus Europa verabschiedet. Nach zuletzt zwei Rennen in Asien geht es nach einer Woche Auftanken dann am anderen Ende der Welt weiter. Zum letzten Mal macht sich das Grand-Prix-Fahrerlager auf die Reise nach Phillip Island. Zwar ist Australien-GP weiter gesetzt, doch ab 2027 es nicht mehr auf der MotoGP-Insel sondern im Stadtpark von Adelaide zur Sache.
Nach einem Stopp in Kuala Lumpur mit dem Malaysia-GP geht es planmäßig in die Wüste von Katar. Ob in Losail aufgrund der explosiven politischen Lage gefahren werden ist nicht sicher, doch noch wird am Station 20 des Kalenders festgehalten. Abgeschlossen wird das Jahr wieder in Europa mit den Events ins Portimao und Valencia. Zehnmal formiert sich die Startaufstellung noch, dann steht der Champion 2026. Denn dass die WM-Entscheidung vor dem Finale fällt, scheint nach dem bisherigen Saisonverlauf sehr unwahrscheinlich.
Bereits siebenmal wechselte die Tabellenführung, alleine zweimal während des Indonesien-GP auf Lombok. Gleich die erste Station 2026 war besonders, insbesondere aus Sicht der Österreicher. Denn Pedro Acosta und KTM führten erstmals überhaupt die WM-Tabelle an. Mit zwei Podestplätzen zum Auftakt, wenn auch ohne GP-Sieg, hatte sich der junge Spanier am erfolgreichsten zum MotoGP-Dienst angetreten.
Trotz großer Schwierigkeiten mit der Technik verlor Acosta weder Speed noch Motivation, sammelte weiter Topergebnisse und Podestplätze um auf dem Red Bull Ring final als MotoGP-Sieger gefeiert zu werden. Auch wenn sich Pedro Acosta 2026 sehr elastisch in den Top-5 der WM bewegt und in Indonesien wieder hinter Ai Ogura auf Rang 5 zurückfiel, fraglos ist die Nummer 37 bislang ein Gewinner.
Keine Diskussionen gibt es auch beim aktuellen Tabellenführer Jorge Martin. Bei hauchdünner Führung mit zwei Punkten gelang Martin ein erstaunliches Comeback. Wer vor einem Jahr auf die Nummer 89 als WM-Führenden 2026 gewettet hätte, der wäre noch munter ausgelacht worden. Doch der Champion von 2024 hat allen Ansagen zum Trotz an die Spitze zurückgefunden. Der Schlüssel zum Erfolg: Konstanz. Während die Rivalen Marc Marquez und Marco Bezzecchi mehrere große Lücken in der 2026er-Bilanz zu verdauen hatten, schrieb Martin lediglich in Barcelona einen Nuller in beiden Rennen. 17-mal ging Martin zur Siegerehrung und damit einmal als Weltmeister Marc Marquez. Dass sich Jorge Martin nach einem Jahr voller Katastrophen und dem bereits ausgerufenen Karriereende wieder zum Mit-Favorit steigerte, das ist bei jedem Ausgang der WM die womöglich größte Überschrift.
Sensationelles gab und gibt es aber auch immer wieder von Marc Marquez zu berichten. Denn während Martin letztes Jahr abgeschrieben war, so deutete 2026 vieles auf einen Ausfall des Weltmeisters hin. Im Vorjahr beispiellos durch die Saison und XL-Vorsprung zur Krone gespurtet, wollte dieses Jahr lange nichts zusammenpassen. Stellvertretend für das erste Viertel des Jahres, die Redaktion von Ducati-Lenovo-Teammanager Davide Tardozzi. Als Marquez in Le Mans wild stürzte, schlug der Chef in der Box die Hände über dem Kopf zusammen. Doch «Game over» folgte eine Gegenoffensive, die Marc Marquez weitere Fans bescherte.
Mit dem Ungarn-GP – auf einer körperlich extrem herausfordernden Piste – schockte «MM93» mit einem Doppelsieg – und holte ohne Fehler in den kommenden Events einen Rückstand von über 100 Punkten auf. In Misano dann der emotionale Knaller im Spiel Spanien gegen Italien: Bezzecchi stürzte in Führung liegen – Marquez gewann Rennen und WM-Führung. Auch wenn es in Indonesien wieder hinter Martin auf Platz 2 zurückging, das gemeisterte Drama 2026 weist den Champion als Favorit auf den WM-Titel aus. Es wäre der achte und ein MotoGP-Rekord.
Unbändige Freude aber zugleich auch gewaltige Niederschläge durchlebte der WM-Dritte der Tabelle, Marco Bezzecchi. «Bez», ist mit einem Sieg in Indonesien wieder auf Verfolgung von Marquez und Martin aber doch noch 46 Punkte hinter der Spitze – jener Position, die der Aprilia-Werksfahrer so lange innehatte. Nach den ersten drei GP-Siegen in Serien, Platz 2 in Le Mans, P4 in Catalunya fuhr sich Bezzecchi in Mugello vor ekstatischen Fans wieder zum Sieg – Teil 1 der Saison gehört der Nummer 72. Doch nach üblen Stürzen in Assen und auf dem Sachsenring war der Lauf dahin. Mit in der Marquez-Aufholjagd flog dem Italiener dann auch noch die Sicherung. Bezzecchi Ohrfeige im Kies von Brünn ging um die Welt und zeigte schonungslos die angespannte Lage im Kampf um die WM.
Eine sportliche Ohrfeige gab es bislang auch Francesco Bagnaia. Der Negativtrend, der den Champion der Jahre 2022 und 2023, nach gutem Start in der weiten Jahreshälfte 2026 bis auf Endrang 5 zurückfallen ließ, ist auch 2026 bis auf Weiteres nicht zu stoppen. Bagnaias Bilanz ist in gleichem Maße unbefriedigend wie unerklärbar. Nach indiskutablem Start – bei den ersten fünf GP-Rennen holt der Pilot der Werks-GP26-Ducati gerade einmal 13 Punkte – kamen aus dem Nichts vier dritte Plätze bei GP-Rennen in Folge. Doch statt der Trendwende fiel die Nummer 63 zurück in Mittelfeld ab. Nach einem weiteren Crash in Indonesien wurde der Teamkollege des WM-Favoriten in der Gesamtwertung auf Platz 9 zurückgereicht.
Allein während des Indonesien-GP tauschten sechs Fahrer in den Top-9 die Positionen. Und dabei wird es nicht bleiben. Noch sind 185 WM-Punkte zu vergeben und die ersten Fünf des Klassements haben weniger als 100 Punkte Rückstand auf Comeback-Ass Jorge Martin, den bislang größten Gewinner 2026.