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Hannover 96 hat nach zuletzt turbulenten Wochen unter Trainer Sandro Wagner den ersten Sieg gefeiert. Nach dem Dreier gegen Dynamo Dresden legte der Coach einen trotzigen Auftritt auf der PK hin.
Wagner saß mit verschränkten Armen auf dem Podium und wurde unter anderem gefragt, weshalb er im Anschluss an den Schlusspfiff nach dem 2:1 direkt in die Kabine ging. Seine Replik: "Ich musste auf die Toilette. Das ist das Eine. Und: Wäre wichtig, wenn Sie den Fokus auf die Spieler legen nach dem Spiel und nicht auf mich."
Der erste Sieg im fünften Spiel als Coach der Niedersachsen, die in der Tabelle nun mit elf Punkten nach zehn Spielen auf Platz zwölf liegen, mache nichts mit ihm, sagte Wagner: "Es hat mit mir vorher nichts gemacht und macht mit mir jetzt auch nichts. Ich versuche, im Inhalt zu bleiben und die Mannschaft zu entwickeln."
Wagner, der drei der fünf Partien verloren hatten und dabei auch aus dem DFB-Pokal ausschied, führte weiter aus: "Im Endeffekt ist es ja egal, wie ich mich fühle. Ich sage nur, ich will nie unsere ganzen Verletzten hervorheben und keine Ausreden finden. Ich will auch für die Jungs ein Vorbild sein. Ich bin 38. Ich bin nicht so alt, aber ich bin schon älter als der eine oder andere Spieler. Da will ich auch dastehen, wenn es mal unruhig wird. Das ist für Führungspersonen einfach wichtig. Was die Jungs von Tag eins an merken ist, dass ich keine Ängste habe - vor gar nichts."
Ein Journalist bewertete die erste Halbzeit gegen das Schlusslicht aus Dresden - "aus meiner Brille betrachtet" - als die schlechteste der ganzen Saison. Wagner entgegnete daraufhin: "Ich möchte Ihre Brille nicht diskreditieren, aber das sehe ich nicht so. Sie können das ja aber sehen, wie Sie wollen - das habe ich ja letztens schon einmal mitbekommen. Die ersten zehn Minuten der ersten Halbzeit waren in vielen Themen ordentlich."
Ein anderer Reporter forderte Wagner dazu auf, "zwei, drei Sätze" dazu zu sagen, ob er sich mit seiner Mannschaft auf dem richtigen Weg sehe. Der Trainer antwortete: "Ich sage so viele Sätze, wie ich möchte. Ich muss dazu sagen: Als Trainer sollte man das Spiel nicht immer nur am Ergebnis messen."
Schon zuvor hatte Wagner bei Sky gesagt, dass das 1:1 gegen St. Pauli und die 0:2-Pleite im Pokal gegen Kaiserslautern für ihn jeweils bessere Spiele seiner Mannschaft gewesen seien als der siegreiche Auftritt am Sonntag. "Ich war inhaltlich heute nicht so zufrieden in vielen Punkten. Ich versuche, wirklich nur inhaltlich zu arbeiten, und dann bewerte ich halt das Inhaltliche." Weil Fußball ein Ergebnissport ist, "sagt jetzt jeder: Cool! Aber es war halt nicht cool", führte Wagner weiter aus.
Dennoch gab es auch Lob für sein Team. hatte Wagner dann aber doch noch übrig für seine Mannschaft nach deren erstem Sieg unter seiner Regie. Über Stürmer Benjamin Källman, der weiterhin torlos blieb, aber das 1:1 durch Husseyn Chakroun auflegte, sagte er: "Dieser ganze Instagram-Quatsch und wer alles mitredet, ist ja völlig egal. Ich bewerte ihn. Und ich sage ihm: Tore sind mir scheißegal. Das kommt on top, das ist dann das Produkt. Aber lauf gut an, halt die Bälle gut, bereite Tore vor, das ist viel entscheidender."
Bei Hannover, das im Vorjahr erst am letzten Spieltag den Aufstieg verpasste und mit entsprechenden Ambitionen in die laufenden Saison ging, geht schon seit Wochen nur wenig zusammen. Nach dem enttäuschenden Saisonstart hatte sich der Zweitligist bereits von Trainer Christian Titz getrennt.
Am Samstag musste auch Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt, der Wagner geholt hatte, den Verein verlassen. Damit endete seine Tätigkeit bei den Niedersachsen bereits nach fünf Monaten.
Der 44-jährige Boldt war erst Ende Mai als Nachfolger von Jörg Schmadtke verpflichtet worden. Sein Vertrag bei den Roten war ursprünglich auf drei Jahre lang gültig.