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Eklat um Gewichtheber-WM 2030: Vergabe nach Moskau löst Boykott der Ukraine aus

Der Weltverband IWF vergibt die Gewichtheber-WM 2030 nach Moskau. Die Ukraine will Einspruch einlegen und boykottieren, auch der DOSB reagiert kritisch.

Frankfurt – Der Gewichtheber-Weltverband IWF hat die Weltmeisterschaft 2030 nach Moskau vergeben. Die Entscheidung fiel am Rande der WM im chinesischen Ningbo. In demselben Beschluss gingen die WM 2029 nach Ahmedabad sowie die Nachwuchs-Titelkämpfe 2028 nach Pristina und Caracas. Damit ist die IWF der erste olympische Fachverband, der seit Beginn des russischen Angriffskriegs eine Weltmeisterschaft nach Russland vergibt.

Gewichtheber Simon Brandhuber bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2021.
Die Gewichtheben-WM 2030 wurde an Russland vergeben. (Symbolbild) © picture alliance/dpa | Swen Pförtner

Der ukrainische Sportminister Matwij Bidnyj erklärte nach Bekanntgabe der WM-Vergabe, dass ukrainische Sportler aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht in Moskau antreten werden. Zudem kündigte er formale Einsprüche bei der IWF und beim IOC an und forderte, die Vergabe an Moskau zurückzunehmen.

IWF vergibt Titelkämpfe 2030 nach Russland

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bewertet den Zuschlag deutlich negativ: „Der DOSB sieht die Vergabe einer Weltmeisterschaft nach Russland angesichts des andauernden völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der Russischen Föderation gegen die Ukraine sehr kritisch“, teilte die Pressestelle des Dachverbands auf dpa-Anfrage mit. Den Mitgliedsverbänden empfiehlt der DOSB, eine Teilnahme sorgfältig zu prüfen.

Auch der deutsche Fachverband BVDG sprach von einem problematischen sportpolitischen Signal und warnte vor drohenden Boykotten sowie einer Spaltung des Sports. IWF-Generalsekretär Jose Quinones verteidigte die Vergabe: „Alle eingegangenen Bewerbungen waren hervorragend und wir sind überzeugt, dass die Weltmeisterschaften in den jeweiligen Ländern ein großer Erfolg werden.“

Kremlsprecher Dmitri Peskow begrüßte die Entscheidung gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass ausdrücklich als wichtigen Schritt hin zur „Entpolitisierung des Sports“. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha verurteilte den Beschluss dagegen deutlich als „inakzeptabel“ und „unmoralisch“.

Die Debatte um die Rückkehr russischer Athleten und Mannschaften zu offiziellen Wettkämpfen spaltet die Sportwelt weiter. Am 30. Oktober hob der Internationale Sportgerichtshof CAS etwa den Ausschluss des russischen Nationalteams für die anstehende Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland durch den Eishockey-Weltverband IIHF auf.

Andere Verbände halten dagegen weiter an ihren Sanktionen fest: Der Biathlon-Weltverband IBU setzt die Sperre gegen Sportler aus Russland und Belarus für die Saison 2026/27 fort, da wesentliche Bedingungen für eine Wiederzulassung nicht erfüllt seien. Eine einheitliche Positionierung der Weltverbände im Fall Russland bleibt folglich weiter aus. (seb)