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Hebben trifft zum Ausgleich: Deutsche U17 dreht WM-Auftakt gegen Argentinien
Abstecher in den Frauenbereich: Johanna Hebben spielt im September 30 Minuten erstmals für den SC Freiburg in der Bundesliga.
Abstecher in den Frauenbereich: Johanna Hebben spielt im September 30 Minuten erstmals für den SC Freiburg in der Bundesliga. © IMAGO/Arne Amberg/IMAGO/Steinsiek.ch

Johanna Hebben erzielte in der 25. Minute den Ausgleich zum 1:1 – Deutschland gewann das Auftaktmatch noch 2:1. Die ehemalige Kickers-Spielerin feiert damit ihren nächsten Meilenstein.

Offenbach – Es ist die 25. Minute und Deutschland liegt im WM-Auftaktspiel gegen Argentinien mit 0:1 zurück. Da patzt die argentinische Abwehr, der Ball wird vor dem Tor quer gespielt. Ein erster Abschluss von Clara Choisy wird geblockt. Dann kommt der Ball zu Johanna Hebben, der Kapitänin des deutschen U17-Teams, die freistehend überlegt einschiebt. Ausgleich und die Wende in diesem Spiel, das die deutschen Juniorinnen noch drehen werden. „Ich war überrascht, den Ball zu bekommen, und dann war er schon im Netz. Ich war erleichtert, denn das war ein harter Brocken“, freut sich Hebben über ihren Beitrag zum 2:1-Sieg. Zum Jubeln geht es wie immer sofort Richtung Bank. Nach dem Gewinn der Europameisterschaft im Mai dieses Jahres will der ältere Jahrgang der U17 – angeführt von der ehemaligen Spielerin von Kickers Offenbach, aufgewachsen in Obertshausen und außerdem bei den Jungs der TSV Heusenstamm und der SKG Rodgau aktiv gewesen - nun in Sachen Weltmeistertitel angreifen.

Deutschlands Johanna Hebben jubelt mit ihrer Mannschaft nach dem Treffer zum 1:1.
Erleichterung herausgeschrien: Johanna Hebben jubelt mit ihrer Mannschaft nach ihrem ersten WM-Treffer zum 1:1 gegen Argentinien. © DFB/dpa Picture-Alliance

U17-WM in Marokko: Finale am 7. November als Ziel

Hebben und das DFB-Team um Trainerin Sabine Loderer sind gut im marokkanischen Rabat angekommen, wo auf einer Anlage mit mehreren Plätzen das Turnier der sechs Gruppen á vier Mannschaften ausgetragen wird. Neben den Deutschen im Hotel wohnt die Mannschaft aus Samoa. „Hier treffen viele Kulturen aufeinander. Ich freue mich, Mädels aus der ganzen Welt kennenlernen zu können“, freut sich Hebben schon auf Gelegenheiten, sich auszutauschen. Im Fokus steht aber selbstverständlich der Sport. Das Finale steigt am 7. November – am besten mit deutscher Beteiligung. „Wir sind schnell in einen Flow gekommen. Der Sieg im Auftaktmatch ist der gewünschte Start, um die nächsten Schritte im Turnier zu machen“, sagt Hebben nach ihrem ersten WM-Spiel. Wieder in die Abläufe zu kommen, dabei hilft auch, dass das Team nach der EM eingespielt ist. Nur zwei verletzte Spielerinnen kehren in die Mannschaft zurück, die nach wie vor von ihrem Teamgeist, aber auch der erlangten Selbstverständlichkeit lebt. „Nach der EM war drei Monate Pause und wir haben uns vor der WM nur an neun Lehrgangstagen gesehen. Wir mussten uns also schon erst mal wieder zusammenfinden, aber nach dem ersten WM-Sieg sind wir sogar noch einen Tick enger als am Ende der EM.“

Somit bringen Hebben und ihre Mannschaftskameradinnen einen Vorteil mit nach Marokko: Sie haben schon ein großes Turnier gespielt, und es sogar gewonnen. Das ist jedoch nicht der einzige große Erfolg für Hebben in diesem Jahr. Die gebürtige Frankfurterin, die seit dem Sommer 2024 das Sportinternat des SC Freiburg besucht, hat mittlerweile für die Bundesligamannschaft aus dem Breisgau debütiert. 30 Minuten Spielzeit hat sie am 13. September beim 3:0-Sieg der Freiburgerinnen gegen Aufsteiger Mainz 05 bekommen. Im selben Monat ist Hebben, die auch schon die Freiburger U20 in der Regionalliga Süd als Kapitänin angeführt hat, mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber in ihrer Altersklasse ausgezeichnet worden. Jetzt folgt das erste WM-Tor. Ein Meilenstein in einer jungen Fußballerinnenkarriere nach dem anderen. Hebben bleibt in der Einordnung gewohnt klar und unaufgeregt: „Das Debüt war ein besonderes Erlebnis für mich und eine Bestätigung des Weges, den ich gehe.“

Gutes Jahr für Johanna Hebben: Erstliga-Premiere und Fritz-Walter-Medaille

Dass ihr diese Erfahrungen im Duell mit Argentinien unmittelbar geholfen hat, würde Johanna Hebben nicht sagen. Überhaupt stellt sich die Kapitänin nie selbst aus der Mannschaft heraus. Schnell spricht sie wieder von dem großen „Wir“. „Wir wissen, was wir schon geleistet haben und was wir brauchen, um ganz weit im Turnier zu kommen.“ Zum Beispiel die Fähigkeit, sich von einem Rückstand nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Das haben sie gegen Argentinien erneut bewiesen. „Der Start gegen Argentinien war sehr eklig. Wir haben sehr viel Druck im Spiel bekommen. Es ist eine unserer größten Stärken, zurückzukommen.“ Eingestellt auf das körperliche Spiel süd- und mittelamerikanischer Mannschaften hat sich die deutsche Elf beim 3:0-Testspielsieg gegen Mexiko kurz vor der Finalrunde. Eine gute Generalprobe, wie Hebben die Partie einschätzt.

Ein weiterer Faktor war die Rote Karte gegen die Argentinierin Oriana Bralo in der 42. Minute. Der Platzverweis kam durch eine neue Regel zustande, die die Fifa erstmals in diesem Turnier testet: Jedes Trainerteam hat pro Spiel zwei Challenges, um Schiedsrichterentscheidungen prüfen zu lassen. Diese zog die Bank um Loderer, um das harte Einsteigen Bralos checken zu lassen. Die Schiedsrichterin ging raus zum Monitor, sah sich die Szene an, sprach mit beiden Cheftrainern und zeigte der Spielerin die Rote Karte. Eine gelungene Premiere. „Wir haben vorher darüber gesprochen, denn es war für uns alle neu. Dass wir nach Toren zur Bank hin jubeln, ist von uns schon bekannt. Wir wollen zurückgeben, was sie uns mitgeben, und auch die Bank am Erfolg teilhaben lassen.“

Weiter geht die Mission, als erste deutsche U17-Juniorinnen Weltmeisterinnen zu werden, am Dienstag (20 Uhr deutscher Zeit/DAZN) gegen Gastgeber Marokko. Die Marokkanerinnen führen nach einem 4:0-Sieg über Neuseeland Gruppe A an. „Die Vorfreude, gegen den Gastgeber zu spielen, ist riesig. Weil die Stimmung besonders sein wird. Aber generell freue ich mich auf jedes Spiel. Man darf nicht vergessen, dass es erst unser zweites WM-Spiel sein wird.“ Am Freitag (20 Uhr) wird die Partie gegen Neuseeland das dritte werden.

WM-Plan der deutschen U17: Erst Marokko, dann Neuseeland

Danach soll es weitergehen – nicht wie bei der EM gleich mit dem Halbfinale. Bei der WM gibt es erst noch die Hürden Achtel- und Viertelfinale. Ein großer Favorit auf den Turniergewinn ist die U17 aus Nordkorea, die bereits vier Titel aufzuweisen hat und zu den erfolgreichsten Nachwuchsmannschaften im internationalen Frauenfußball gehört. „Wir sind mit dem Traum vom Titel angereist. Aber wie schon bei der EM wissen wir, welche Schritte wir gehen müssen, um ganz oben zu stehen. Deshalb liegt der Fokus gerade auf Marokko, aber der Traum ist es, Weltmeister zu werden.“

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