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Der FC Liverpool hat in der Champions League den ersten Rückschlag hinnehmen müssen. Weil Fenerbahce beim 3:2 (1:1)-Sieg am Mittwoch aus den Fehlern der Engländer das Optimum machte.
Während die "Reds" in der Premier League auch in dieser Saison Probleme haben und am vergangenen Wochenende gegen den FC Arsenal (0:1) verloren haben, lief es in der Champions League bisher sehr gut. Neben Betis Sevilla und Paris St. Germain war Liverpool bis Mittwoch eines von drei Teams mit einer perfekten Bilanz - und mit diesem Selbstbewusstsein startete die Mannschaft von Trainer Andoni Iraola auch in Istanbul.
Von Beginn an übernahmen die Engländer die Kontrolle, sofort schalteten sie auch in den Offensivgang. Victor Munoz traf bei seiner Großchance in der dritten Minute allerdings den Ball nicht richtig, seinen Nachschuss konnte dann Ederson parieren, als die Abschlussposition nicht mehr so gefährlich war. Wie in dieser Szene ging bei Liverpool sehr vieles über die Außen, die meisten Flanken verfehlten ihr Ziel jedoch - bei einer allerdings ganz knapp, Bradley Barcola verpasste eine Hereingabe von Joe Gomez nur um Zentimeter (21.).
Danach wurde es hitzig, weil Mason Greenwood nach einem Schubser von Kostas Tzimikas zu Fall kam, es aber keinen Elfmeter gab (24.) und praktisch im Gegenzug das 0:1 fiel. Nach einer wieder mal abgewehrten Flanke schloss Trey Nyoni direkt ab und hatte das Glück, dass sein harmloser Schuss unhaltbar abgefälscht wurde (25.). Der 19-Jährige wurde damit zum zweitjüngsten Champions-League-Torschützen der Klub-Geschichte.
Traf zum 1:0: Trey Nyoni
Doch allzu lange durfte sich Nyoni darüber nicht freuen, denn Fenerbahce reagierte wütend, aber auch ganz stark. Nach einem tollen Angriff über das ganze Feld grätschte Rfan Kahveci zunächst noch eine flache Hereingabe an die Latte (27.), doch das Glück kehrte kurz danach zu den Türken zurück. Greenwood schoss einen Freistoß aus 23 Metern in die Mauer, doch die war nicht dicht und Jeremy Jacquet fälschte zum Ausgleich ab (29.).
Fenerbahce war in der Phase insgesamt die bessere Mannschaft, zwar hatte Barcola noch eine Kopfballchance, die knapp das Tor verfehlte (37.), doch gefährlicher waren die Gastgeber, bei denen Romelu Lukaku zahlreiche Angriffe mit dem Rücken zu den gegnerischen Verteidigern einleitete, weil er nicht vom Ball zu trennen war. So auch in der 44. Minute, als er Greenwood einsetzte, dessen Schuss Alisson allerdings stark abwehrte.
Nach der Pause wurde wieder Liverpool deutlich stärker und kam zu mehreren Torschüssen, die allesamt allerdings keine allzu hohe Trefferwahrscheinlichkeit hatten. Nach zehn Minuten konnte Fenerbahce die Partie aber wieder ausgeglichen gestalten und so die Fans wieder anheizen, Alisson musste wie zurvor sein brasilianischer Landsmann Ederson ein ums andere Mal eingreifen.
Dominik Szoboszlai (l.) im Zweikampf mit Peprah Oppong (r.)
Iraola reagierte und brachte von der Bank jede Menge Offensivgewalt. Neben Alexander Isak und Cody Gakpo kam Florian Wirtz in der 66. Minute ins Spiel, um die perfekte Ausbeute in der Königsklasse beizubehalten. Und zwei dieser drei Top-Joker nahmen sich diesen Auftrag sofort ganz besonders zu Herzen, nach einer Flanke von Gakpo köpfte Isak seine Mannschaft erneut in Führung (69.).
Doch Gakpo tauchte nicht nur auf der für ihn richtigen Seite als Vorlagengeber auf, sondern zum Leid seines Teams auch vor dem eigenen Tor. Eine harmlose Flanke von N'Golo Kanté verlängerte der Niederländer vor seinem herausstürmenden Torhüter genau auf den Fuß von Archie Brown, der den Ball nur noch ins leere Gehäuse drücken musste (73.).
Und dann lud Liverpool den Gegner ein drittes Mal zum Toreschießen ein. Greenwood spielte den Ball einfach nur kerzenartig hoch in den Strafraum, wo sich Vedat Muriqi aus einem Knäuel heraus durchsetzte und per Kopf das 3:2 erzielte (79.). Das Stadion in Istanbul stand Kopf, plötzlich war Fenerbahce dem ersten Sieg in der Gruppenphase dieser Champions-League-Saison und dem ersten Erfolg seit April 2008 in der Königsklasse ganz nah.
Dafür sorgten zwei sehr plumpe Gegentreffer, die nichts mit spielerischer Kunst zu tun hatten, sondern mit fehlender Aufmerksamkeit in der Defensive. Fenerbahce war das allerdings egal, die Mannschaft des ehemaligen Liverpool-Stars Dirk Kuyt verteidigte den Vorsprug, die "Reds" kamen unter dem Lärm eines zigtausende Menschen umfassenden Pfeifkonzerts nicht mehr zu großen Chancen, auch Wirtz war wirkungslos. Weil sein Team Fenerbahce zur spektakulären Wende einlud, ist Liverpools perfekte Königsklassen-Bilanz Geschichte.