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Ach, der Waldi, der war schon lustig. Von den Achtzigern bis in die Nullerjahre flimmerte Sportmoderator Waldemar Hartmann vor einem Millionenpublikum in die deutschen Wohnzimmer.
Hartmann war eine echte Entdeckung des Bayerischen Rundfunks. Was er machte, war zu Beginn völlig neu für einen Sportmoderator: Er riss Zoten, duzte seine Interviewpartner, gab ihnen auch mal einen Klaps auf die Schulter. So jovial wie Hartmann war niemand. Das Gefühl war: Waldemar Hartmann ist der beste Kumpel der Bundesrepublik Deutschland.
Es kann kein Zufall gewesen sein, dass Bundestrainer Rudi Völler bei Waldemar Hartmann seine Emotionen nicht mehr kontrollieren wollte und vor laufenden Kameras den vielleicht legendärsten Wutausbruch im deutschen TV bekam. Als Hartmann den Bundestrainer damals beschwichtigen wollte, sagte dieser: „Du sitzt hier locker auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken.“
Nun, jovial ist Waldemar Hartmann geblieben. Seine neuen Kumpels heißen aber nicht Markus Wasmeier, Lothar Matthäus oder Uli Hoeneß. Hartmann hat das Genre gewechselt.
Er sitzt jetzt in bayerischer Tracht in einem holzvertäfelten Stüberl am Gendarmenmarkt, an seiner Seite die Journalisten Gunnar Schupelius und Harald Martenstein. Hartmann erzählt immer noch Altherrenwitze. Irgendwas von Bayern und Preußen, die Schafkopf spielen, und einer feschen Kellnerin. Den Reaktionen zu urteilen, versteht den Witz außer Hartmann keiner richtig. Aber alle drei eint die Angst vor den vielen jungen Linken und in dem Zusammenhang den Arabern, die über das schöne Berlin herfallen.
Ausgestrahlt wird die Show „Zwei Helle – die Woche mit Waldi & Schupelius“ im rechtspopulistischen und rechtskonservativen Portal Nius.
© dpa
Wer sich die Sendung mal angesehen hat, wundert sich vermutlich nicht besonders über die jüngste Aussage von Hartmann auf der Plattform X: „Mal abgesehen von den aberwitzigen politischen Vorstellungen der Linken in Berlin und ihrer Abhängigkeit von kriminellen Clans und islamistischen Terrororganisationen habe ich einfach ein Problem damit, dass eine Regierende Bürgermeisterin der deutschen Hauptstadt Berlin Elif Eralp heißt.“
Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, kommentierte im Deutschlandfunk, man könne Eralp und ihre Partei zwar heftig kritisieren. Hartmanns Äußerung sei jedoch ohne Wenn und Aber blanker Rassismus, betonte die CDU‑Politikerin. Auch ihr Parteikollege Dennis Radtke, Bundesvorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), sprach im Deutschlandfunk von Rassismus.
Ist der lustige Weißbier-Waldi ein gar nicht mal so sehr verkappter Rassist?
Sein Nius-Engagement rückt ihn ins rechte Spektrum. Aufgefallen war Hartmann schon vorher durch seine teils reaktionären Aussagen.
Ich halte es grundsätzlich für schwierig, wenn ein Mann eine Frau als Vorgesetzte hat.
Waldemar Hartmann in einem Spiegel-Interview im Jahr 2000
Anfang der 2000er, als er mit seiner kumpeligen Art nicht mehr recht in eine distanziertere, kritischere Berichterstattung passte und dies von seiner Vorgesetzten auch so gespiegelt bekam, sagte er dem „Spiegel“: „Ich halte es grundsätzlich für schwierig, wenn ein Mann eine Frau als Vorgesetzte hat.“
ZDF-Moderatorin Maybrit Illner schrieb dazu im Tagesspiegel: „Waldi Hartmann, Sie kleiner Turnbeutelvergesser, wovor haben Sie eigentlich Angst?“
Womöglich hat Hartmann vor vielen Angst, vor Frauen, vor jungen Linken, vor Arabern und auch der LGBTQ-Community.
Hartmann, kurz nach dem Krieg in Nürnberg geboren, will sich nicht den Mund verbieten lassen. Und es macht den Anschein, dass er partout nicht aus dem Rampenlicht verschwinden will, das ihn viele, viele Jahre angestrahlt hat, ehe er zum Auslaufmodell der Sportmoderation geworden ist.
Der joviale Waldi rechnet nun mit jedem und allen ab. Das Millionenpublikum hat er verloren – aber ein paar Leute gibt es schon noch, die ihn gerne da sitzen sehen im holzvertäfelten Stüberl.