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Turn-WM in Rotterdam: Niederlande verweigern Russinnen die Einreise

Die russische Titelverteidigerin Angelina Melnikova erhält für die Turn-WM in Rotterdam kein Visum.© Imago/ZUMA Press Wire/Amy Sanderson

Angelina Melnikowa wollte in Rotterdam zwei WM-Titel verteidigen. Doch die niederländischen Behörden erteilen der Russin und zwei Teamkolleginnen kein Visum – der russische Verband spricht von Diskriminierung.

Arm in Arm steht Angelina Melnikowa mit vier Teamkolleginnen vor einer Werbewand, ein leichtes Lächeln umspielt die Lippen der Weltklasseturnerin. Dann zoomt der Bildausschnitt immer näher an Melnikowas Gesicht heran, bis neben ihr schließlich nur noch Anna Kalmykowa zu erkennen ist. Das animierte Foto hat Melnikowa auf Instagram gepostet, darunter hat sie geschrieben: "Das ist es, was die Niederlande als Gefahr für die internationalen Beziehungen betrachten."

Eigentlich hatte Melnikowa längst in Rotterdam sein wollen. Am Samstag beginnen dort die Weltmeisterschaften im Turnen, Melnikowa hatte große Ziele: Sie ist Titelverteidigerin im Mehrkampf sowie am Sprung. Doch ihre Erfolge wird die 26-Jährige, die in der Vergangenheit immer wieder für ihre Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin kritisiert wurde, aller Voraussicht nach nicht wiederholen können. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass Melnikowa sowie ihre Teamkameradinnen Kalmykowa und Viktoria Listunowa keine Visa für die Niederlande erhalten.

Visa-Streit überschattet die WM

Kurz vor Beginn der Titelkämpfe in der Hafenstadt überlagert damit einmal mehr die Debatte um die Teilnahme russischer Athletinnen das sportliche Geschehen. Der russische Turnverband warf den niederländischen Behörden umgehend "Diskriminierung" vor, durch den Ausschluss würde versucht, die "besten Turnerinnen" von Meisterschaften fernzuhalten. Zudem kündigte der Verband an, die Entscheidung vor dem Weltturnverband und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anzufechten.

Der Weltverband World Gymnastics reagierte mit Verständnis, man bedauere "zutiefst die negativen Auswirkungen auf die Vorbereitungen der russischen Delegation und die Verunsicherung, die in der gesamten Gemeinschaft der Weltmeisterschaften im Kunstturnen herrscht", hieß es in einem Statement.

Ein Sprecher des niederländischen Ministeriums für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport sagte der Nachrichtenagentur AFP hingegen, dass russische Athleten und Athletinnen unter neutraler Flagge an Sportevents teilnehmen dürften, es jedoch möglich sei, dass in bestimmten Einzelfällen Visa möglicherweise nicht erteilt werden könnten. Sportliche Leistungen würden "in keiner Weise in diese Bewertung einfließen", hieß es zudem.

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Melnikowa bleibt politisch umstritten

Erst im Mai hatte der Turn-Weltverband russische und belarussische Sportlerinnen und Sportler wieder bei internationalen Wettbewerben zugelassen. Bei der Turn-EM in Zagreb im August mussten diese jedoch jeweils unter neutraler Flagge und ohne Hymne antreten, dieselbe Regel gilt nun in Rotterdam - für diejenigen, die dabei sein dürfen. Melnikowa war bereits vor der EM die Einreise nach Kroatien verweigert worden, nach einer erfolgreichen Berufung konnte sie dann doch antreten und gewann drei Goldmedaillen.

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Dass Melnikowa immer wieder im Zentrum politischer Debatten steht, liegt an ihrer Unterstützung der russischen Führung um Präsident Putin, die seit 2022 Krieg gegen die Ukraine führt. Melnikowa teilte zu Beginn des Angriffs ein Foto von sich, auf dem das von Russland als Kriegsbefürworter-Symbol genutzte "Z" zu sehen war; im vergangenen Jahr kandidierte sie für eine Putin-nahe Partei bei Kommunalwahlen.

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© SID

Ein WM-Aus wäre für Melnikowa und die russische Delegation nun ein doppelter Rückschlag: Denn in Rotterdam geht es auch um die ersten Team-Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. (SID/bearbeitet von do)

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