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Schalke: Muslic vollzieht Kehrtwende – warum das in der Mannschaft gut ankommt
Aktiv an der Seitenlinie: Schalkes Trainer Miron Muslic.© Getty | Koepsel

Viel Zeit hatte Miron Muslic für die Vorbereitung auf das Spiel gegen RB Leipzig (0:2) nicht. Dass für Schalke 04 nur drei Tage nach dem Pokal-Aus bei Dynamo Dresden (0:2) allerdings schon die nächste Partie anstand, hinderte den Trainer nicht daran, von seinem angestammten System abzuweichen. Statt mit Fünfer-Abwehrkette stellte Muslic überraschend auf Viererkette um. Erst im Donnerstagstraining übte der 44 Jahre alte Österreicher die neue Formation erstmals mit dem Team ein.

„Wir wollten ein bisschen offensiver spielen, also ein bisschen mehr Risiko eingehen“, erklärte Verteidiger Timo Becker die neue Herangehensweise. Der Vize-Kapitän spielte im neuen System nicht länger als rechter Innenverteidiger, sondern als Rechtsverteidiger – also mit etwas mehr Aufgaben im Spiel nach vorn. Bereits im Januar 2026 wagte Muslic eine ähnliche Kehrtwende. Nach erfolgreicher Zweitliga-Hinrunde mit Defensiv-Taktik veränderte er in der zurückliegenden Rückrunde das System und führte Schalke mit gutem Offensiv-Fußball in die Bundesliga.

Schalke: Was hinter dem Systemwechsel von Miron Muslic steckt

Ziel des erneuten Schalker Systemwechsels nach nur sieben Spieltagen: mehr Spieler vor den Ball bringen und so Offensivaktionen erzwingen. Tatsächlich hat die Muslic-Elf statt auf lange Bälle im Spielaufbau auf mehr Kurzpassspiel gesetzt, wie Becker bestätigt. „Das hat auch Leipzig überrascht und in den ersten Minuten konnten wir gut mithalten“, so das Fazit des Defensivspezialisten – trotz der letztlich verdienten 0:2-Niederlage. „Man hat auf dem Feld ein bisschen den Qualitätsunterschied gesehen. Bei Leipzig stehen halt Einzelspieler auf dem Rasen, die so ein Spiel entscheiden können“, gab der 29-Jährige ehrlich zu.

„Wir müssen diesen Mut haben, auch Dinge strukturell zu verändern, damit wir vorne einfach noch zwei Beine bekommen. Ich verlasse ungern meine Defensivstruktur, die tut uns gut, aber wir haben dann, vor allem wenn wir so tief verteidigen, einfach kein Tempo vorne.“ 

Miron Muslic, Schalkes Trainer erklärt seine Taktik-Umstellung

Trainer Muslic erklärt die Umstellung folgendermaßen: Trotz zuvor guter Defensive (nur sieben Gegentore in sieben Ligaspielen bis zum Anpfiff) hat Muslic erkannt, dass „wir, um ein Fußballspiel zu gewinnen, auch Akzente nach vorne setzen müssen“. Sein Eindruck: Die Systemumstellung ist nicht der Grund für die Niederlage. Ganz im Gegenteil. Muslic sah einiges, was ihm Mut gemacht hat.

Etwa Mertcan Ayhan. Der 20-Jährige feierte gegen Leipzig sein Bundesliga-Startelfdebüt, agierte dabei im defensiven Mittelfeld statt auf seiner angestammten Innenverteidiger-Position. „Mertcan hat das ausgezeichnet gemacht, war wie die ganze Mannschaft, sofort im Spiel und hat diese ungewohnte und neue Rolle, die er vorher noch nie in der Bundesliga gespielt hat, auf eine wirklich tolle Art und Weise gemacht.“ Von der Vielseitigkeit des gebürtigen Gelsenkircheners zeigte sich der Trainer beeindruckt. „Schalke wird davon in den kommenden Wochen und Monaten stark profitieren“, schwärmte er.

Plötzlich gefragt: Mertcan Ayhan stand gegen Leipzig erstmals in Schalkes Bundesliga-Startelf - auf ungewohnter Position.© firo | Ibing

Schalke bekommt ein neues spielerisches Gesicht

Spannend: Muslic erklärte direkt nach der 0:2-Niederlage gegen RB, dass er auch in den kommenden Spielen auf das neue System mit Viererkette setzen wird. „Wir müssen diesen Mut haben, auch Dinge strukturell zu verändern, damit wir vorne einfach noch zwei Beine bekommen“, so der 44-Jährige. „Ich verlasse ungern meine Defensivstruktur, die tut uns gut, aber wir haben dann, vor allem wenn wir so tief verteidigen, einfach kein Tempo vorne.“

Weil den Schalkern die Top-Sprinter mit Bundesliga-Niveau im Kader fehlen, fühlte sich der Trainer gezwungen, sein System anzupassen, um mehr Offensivaktionen zu erzwingen. „Das wird sicherlich die nächsten Wochen Schalkes Gesicht sein“, sagte Muslic.

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In der Mannschaft kommt diese Veränderung gut an. „Ich kann nur für mich sprechen, aber ich war immer Fan der Viererkette, vor allem zu Hause“, schwärmte Mittelfeldspieler Dejan Ljubicic, der nach einer Knieverletzung immerhin wieder Kraft für 30 Minuten hatte. „Ich mag das System einfach. Man hat in der ersten Halbzeit gesehen: Wenn wir den Ball vorne verlieren, haben wir viel mehr Spieler im Gegenpressing.“

Für Ljubicic ist dieser neue Ansatz der große Hoffnungsschimmer vor dem Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim am kommenden Sonntag (19.30 Uhr/DAZN). „Mit der Viererkette holen wir hoffentlich den nächsten Dreier“, so der Österreicher.

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