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„In den USA sind 70 Prozent der Profisportler fünf Jahre nach dem Karriereende pleite“
Oliver Bierhoff, früher Nationalspieler und DFB-Funktionär
Oliver Bierhoff, früher Nationalspieler und DFB-Funktionär

Vor drei Jahren gründete Oliver Bierhoff die Finvia Sports GmbH. Im „Kicker“ spricht der ehemalige Nationalspieler und DFB-Funktionär von einem „Multi-Family-Office“, das „vermögende Kunden, darunter auch Sportler“, ganzheitlich betreue.

Dass sich Profis frühzeitig mit ihrer finanziellen Zukunft auseinandersetzen sollten, ist für Bierhoff eine Selbstverständlichkeit. „Ich habe in meiner Fußballerkarriere so viele schlechte Beispiele gesehen, wie Spieler fahrlässig und unwissend mit ihrem Vermögen umgehen“, sagt er. Besonders „extrem“ sei die Situation in den USA:

„Da sind 70 Prozent der Profisportler fünf Jahre nach dem Karriereende pleite.“

Bierhoff sieht einen einfachen Grund für diese Entwicklung: „Wer leicht Geld verdient, gibt es meist auch leicht wieder aus.“ In der Finanzwelt gebe es dazu einen Spruch. „Kein drittes Haus, keine zweite Frau, kein erstes Boot“, meint er lachend.

Geld nach der Karriere: „Wie viel ist ausreichend? Da vertun sich einige“

Ein wesentlicher Faktor sei der Lebensstandard, der während der aktiven Karriere „automatisch höher“ liege, „weil die Einnahmen hoch sind und meist das Umfeld auch entsprechend lebt“, erklärt Bierhoff, heute 58, im „Kicker“-Interview:

„Die meisten missachten, dass sie nach der Karriere statistisch noch knapp 50 Jahre leben. Das ist eine lange Zeit, wenn der hohe Lebensstandard, die Kosten, die Steuern und die Inflation das Vermögen wegfressen.“

Vielen fehle schlicht der Überblick – und vor allem eine Antwort auf die entscheidende Frage: „Wie viel brauche ich, um ruhig zu leben, wie viel ist ausreichend? Da vertun sich einige.“

Wie wichtig es ist, bei finanziellen Entscheidungen rational vorzugehen, vermittelte Bierhoff auch ein Mentor. Udo Bandow, früherer Aufsichtsratschef des Hamburger SV, habe ihm einst gesagt: „Oliver, Sie haben die vier wichtigen G: Glück, Gesundheit, Geld und Geist. Das fünfte darf nicht dazukommen: Gier.'“

Bierhoff nennt Schürrle, Götze, Neuer und Müller als Positivbeispiele

Gerade in Finanzfragen sei das ein Problem. Deshalb habe er Spielern „immer geraten, sich professionelle, unabhängige Experten an die Seite zu nehmen“, betont Bierhoff.

Dass Fußballer unternehmerisch erfolgreich sein können, zeigen für den Ex-DFB-Kapitän mehrere Positivbeispiele: „André Schürrle und Mario Götze setzen sich intensiv mit den Themen Start-ups und Ventures auseinander. Auch Manuel Neuer und Thomas Müller haben schlaue Sachen gemacht.“

Entscheidend sei, nicht vorschnell auf vermeintlich lukrative Gelegenheit anzuspringen. Stattdessen sollten sich Sportler ausreichend Zeit nehmen, um über eine neue berufliche Orientierung nachzudenken. Denn Bierhoff weiß: „50 Jahre ohne Aufgabe können lang werden.“