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Fußball: VfB Stuttgart und der Abschied von der Schwerfälligkeit
Sieg in Leverkusen :
Stuttgarts Abschied von der Schwerfälligkeit

Der VfB überrascht mit einem aggressiven Spielansatz Bayer Leverkusen. Die feinen Fußball-Künste fehlen dabei nicht. Im anstehenden Champions-League-Duell brauchen die Schwaben beides.

Gut gemacht: Ermedin Demirović (Mitte) jubelt mit Teamkollege Bilal El Khannouss (rechts) über dessen Treffer zum 1:4.

Von wegen ereignisloses Ballgeschiebe. Die Stuttgarter können auch anders. Wie zum Beispiel am Samstag in Leverkusen, wo sie Bayer 04 mit robuster Tatkraft überrumpelten. Die Schwaben, die nicht gut in die Saison gestartet waren, reisten als Tabellenfünfzehnte zum Tabellenvierten aus dem Rheinland und katapultierten sich nach dem überzeugenden 4:2-Sieg beim Favoriten fürs Erste ins Mittelfeld der Tabelle.

Wie der Sieg zustande kam, stimmte alle, die es mit den Schwaben halten, nach Wochen der Mühsal und Enttäuschungen wieder zuversichtlich beim Blick auf den nationalen Wettbewerb in der Bundesliga. Die Treffer von Ermedin Demirović (14./65. Minute), Jamie Leweling (22.) und Bilal El Khannouss (51.) machten das möglich. „Wir haben von Beginn an klargemacht, was wir vorhaben“, lobte Trainer Sebastian Hoeneß sein Ensemble, „haben uns über den Körpereinsatz Zugang zum Spiel verschafft und es am Ende durch Mut und Überzeugung für uns entschieden.“

Die Gegentore durch Patrik Schick zum 1:2 (28.) und den besten Leverkusener Ibrahim Maza (79.) verunsicherten den VfB nicht die Spur, weil sich die Mannschaft in die Pflicht genommen hatte, den Favoriten aus dem ersten Tabellendrittel einzuschüchtern.

Das gelang wie in der Vorsaison, als die Stuttgarter in Leverkusen sogar 4:1 gewannen. Diesmal überrumpelten sie die Werkself mit einer Aggressivität, die niemand aus dem Leverkusener Kollektiv vorhergesehen hatte. „Das gibt uns erst einmal einen Schub für das Selbstbewusstsein“, hob Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nach einem Tag der harten Arbeit beim Blick auf das Champions-League-Duell an diesem Dienstag (18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) bei Galatasaray Istanbul hervor, wo den VfB ein weiteres feuriges Spiel erwartet.

Ein Spiel mit vielen Facetten

Was die Auswahl von Trainer Hoeneß auf der großen Showbühne Champions League bei bisher zwei Siegen und einem 1:1 gegen die allzeit kampfbereite spanische Topmannschaft von Atlético Madrid schon bewiesen hat, will sie jetzt in der Bundesliga nachholen und Abschied nehmen von dem etwas schwerfälligen Fußball, der den VfB bis in die Abstiegszone rutschen ließ. „Wenn man einen Platz über dem Relegationsstrich steht“, sagte Wohlgemuth, „ist doch klar, dass die Dinge mehr durch ein Brennglas angeschaut werden.“

Folgerichtig bekam der manchmal ob des Hauens und Stechens überfordert anmutende Schiedsrichter Benjamin Brand am Samstag angesichts von insgesamt neun Gelben Karten in diesem gleichwohl attraktiven Duell reichlich zu tun. Dass inmitten der Kampfsportauseinandersetzung auch Platz für die feinen Künste des Fußballs blieb, verzierte das Spiel mit den vielen Facetten.

So erwies sich Deniz Undav, dem in der Bundesliga noch immer das erste Saisontor fehlt, als Passlieferant par excellence, als er seinem Kumpel Ermedin Demirović vor dem 4:1 mit einem Bilderbuchsteckpass den Ball servierte. „Er spielt Bälle, die keiner sieht und so spielen kann“, pries der Mittelstürmer seinen derzeit eher als Spielmacher gebrauchten Kumpel. „Deniz ist ein Big Player“, hob er den Kapitän des VfB hervor, der schon bald auch wieder als Torschütze in der Bundesliga von sich reden machen dürfte.

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