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In Tutzing wurde ein Werdenfelszug auf zwei Wagenlängen mit Hass-Parolen beschmiert. Ein Lokführer vermutet eine Rache-Aktion von Löwen-Fans gegen den FC Bayern.
Tutzing – Ein massiver Fall von Vandalismus sorgt bei Bahn-Mitarbeitern und Pendlern im Landkreis Starnberg für Entsetzen: Am Bahnhof Tutzing fuhr eine Regionalbahn der Werdenfelsbahn (RB66 in Richtung München Hauptbahnhof) ein, deren Außenhaut auf einer Länge von zwei kompletten Waggons großflächig mit beleidigenden und bedrohlichen Parolen besprüht worden war.
In riesigen schwarzen Lettern mit blauen Umrandungen prangte die Botschaft „ROTE HUREN MÜSSEN STERBEN!“ quer über Fenster und Türen des Zuges. Flankiert wurde der Schriftzug von eindeutigen Szene-Tags: Am linken Waggonteil war das Kürzel „TSV 1860“ in Blau aufgesprüht, am rechten Ende unter anderem der Schriftzug „EWIGER HASS!“. Eine klare Botschaft von Löwen-Fans gegen den FC Bayern.
Die Entdeckung hinterließ bei dem eingesetzten Lokführer von DB Regio Fassungslosigkeit und Wut. Gegenüber unserer Redaktion schilderte der Bahn-Mitarbeiter seine Eindrücke: „Ich bin selbst Lokführer bei Regio und konnte kaum glauben, was ich sah, als unser Werdenfelszug in Tutzing einfuhr: Die halbe Zugseite war mit Graffiti beschmiert.“ Für das Personal auf der Schiene sind solche Vorfälle längst keine Bagatelle mehr, sondern eine massive Belastung im Arbeitsalltag.
„Wir müssen mit diesen beschmierten Zügen unterwegs sein, unsere Fahrgäste können die eigentlich wunderschöne Landschaft durch die Fenster kaum noch genießen, und die Werkstätten kommen mit der Beseitigung der Schäden inzwischen kaum hinterher. Die Zahl der Graffiti-Angriffe hat in letzter Zeit ein Ausmaß angenommen, das für uns alle zunehmend frustrierend ist.“ Es ist nicht das erste Mal, dass der FC Bayern Ziel von einer Graffiti-Attacke durch 1860-Fans wird.
Der Lokführer bringt die Konsequenzen für Personal und Kunden auf den Punkt: „Am Ende bleiben die Kosten, der zusätzliche Aufwand und ein schlechter Eindruck bei den Fahrgästen an der Bahn hängen, während die eigentlichen Leidtragenden diejenigen sind, die täglich mit den Folgen leben und arbeiten müssen.“
Hintergrund der Schmiererei ist nach persönlicher Vermutung des Lokführers die anhaltende juristische und emotionale Eskalation zwischen den Fanlagern der beiden Münchner Traditionsvereine: „Mein erster Gedanke war tatsächlich, dass dies eine Art ‚blaue Antwort‘ auf die Bayern-Anzeige wegen des Banners bei der Meisterschaftsfeier sein sollte. Umso mehr ärgert mich die ganze Sache.“ Zudem fand am vergangenen Sonntag (18. Oktober) das Münchner Stadtderby zwischen dem FC Bayern II und dem TSV 1860 statt, die Roten siegten 4:2.
Die Rivalität zwischen Rot und Blau hatte sich zuletzt deutlich verschärft: Bei der Meisterfeier des FC Bayern auf dem Münchner Marienplatz hatten Anhänger des TSV 1860 ein 180 Quadratmeter großes Schmähplakat in die Menge geschleust (unsere Redaktion berichtete über die Banner-Aktion). Während 1860-Präsident Gernot Mang von einem „Lausbubenstreich“ sprach, erstattete die FC Bayern München AG Strafanzeige wegen Beleidigung, woraufhin die Kriminalpolizei Durchsuchungen bei mutmaßlich Beteiligten durchführte.
Ob hinter der Schmiererei am Bahnhof Tutzing tatsächlich verärgerte Anhänger des TSV 1860 stecken und ob ein konkreter Zusammenhang mit dem juristischen Nachspiel der Meisterfeier besteht, ist derzeit unklar – die Botschaften auf dem Zugwagen legen eine Verbindung zur Fan-Rivalität jedoch nahe. Erst kürzlich verprügelten Löwen-Fans wohl Mitarbeiter des FC Bayern. (ck)