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Bayerns Mega-Deal und das alte Versprechen
Verzockt sich Bayern mit diesem Deal?
Verzockt sich Bayern mit diesem Deal?

Der FC Bayern gibt seine letzten verfügbaren Anteile an der Fußball-AG ab und erhält dafür geschätzte 250 Millionen Euro. Doch warum wurde der Deal gerade jetzt vereinbart? Auch ein altes Versprechen wirft Fragen auf.

Wochenlang hatte sich dieser Mega-Deal angedeutet, jetzt ist er in trockenen Tüchern: Der FC Bayern holt sich mit der Viessmann Generations Group einen vierten Investor ins Boot und kassiert dafür von dem Familienunternehmen geschätzte 250 Millionen Euro. Offiziell bestätigt wurde die Summe nicht.

„Wir freuen uns, einen Partner langfristig an unserer Seite zu wissen, den wir bereits viele Jahre kennen – und der unseren starken Gesellschafterkreis um ein familiengeführtes internationales Unternehmen ergänzt, das in Generationen denkt“, erklärte Herbert Hainer in einer Pressemitteilung. Der Aufsichtsratsvorsitzende ist gleichzeitig Präsident des eingetragenen Vereins und gilt als Mastermind hinter dem Geschäft mit Viessmann.

Herbert Hainer war am Viessmann-Deal maßgeblich beteiligt
Herbert Hainer war am Viessmann-Deal maßgeblich beteiligtHerbert Hainer war am Viessmann-Deal maßgeblich beteiligt

Neuer Deal: FC Bayern kassiert 250 Millionen Euro

Interessant und nicht ganz unwichtig ist die finanzielle Konstruktion des Deals: Die Viessmann Generations Group erwirbt das letzte verfügbare Anteilspaket von ursprünglich fünf Prozent. Weil der Einstieg jedoch über eine Kapitalerhöhung und die Ausgabe neuer Aktien erfolgt, hält das Unternehmen anschließend knapp 6,7 Prozent der FC Bayern München AG. Die Anteile der bisherigen Investoren Adidas, Audi und Allianz sinken dadurch auf jeweils knapp 7,8 Prozent. Der eingetragene Verein bleibt mit 70 Prozent Mehrheitseigner – so will es die Satzung.

Für die im Vorfeld kolportierten 250 Millionen Euro erhält Viessmann damit einen größeren Anteil als ursprünglich erwartet. Legt man diese Summe zugrunde, ergibt sich ein rechnerischer Unternehmenswert von rund 3,75 Milliarden Euro nach der Kapitalerhöhung.

Zum Vergleich: Als Adidas im Jahr 2002 rund 77 Millionen Euro in den Verein pumpte, durfte man näherungsweise von einem Wert von 770 Millionen Euro ausgehen. Viessmann investiert mit seinen 250 Millionen Euro jetzt fast so viel wie die anderen drei Anteilseigner in den vergangenen Jahren zusammen (277 Millionen Euro).

Wohin fließt das ganze Geld?

Viele Bayern-Fans dürfte nun die Frage beschäftigen, was mit den frischen 250 Millionen Euro passieren soll. Selbst für den deutschen Rekordmeister handelt es sich um eine gigantische Summe. Zum Vergleich: Der Jahresüberschuss lag im Geschäftsjahr 2024/25 bei 27,1 Millionen Euro – jetzt fließt also auf einen Schlag eine Summe in die Kasse, die fast dem Zehnfachen dieses Gewinns entspricht. Allerdings handelt es sich bei den Investorengeldern um eine einmalige Eigenkapitalzufuhr und nicht um erwirtschafteten Gewinn.

Damit lässt sich viel anfangen, doch klar ist: Nach SPORT1-Informationen soll das Geld nicht unmittelbar in teure Transfers oder kostspielige Vertragsverlängerungen fließen. Vielmehr wollen die Münchner die zusätzlichen Mittel strategisch einsetzen.

Der Umbau an der Säbener Straße läuft bereits, der Sportpark in Unterhaching ist ein weiteres Großprojekt. Dass die Führung des Rekordmeisters mit Einnahmen aus Anteilsverkäufen langfristige Investitionen finanziert, hat Tradition. Als die Allianz vor zwölf Jahren für 110 Millionen Euro einstieg, floss das Geld in den FC Bayern Campus und die Schuldentilgung für die Arena.

Neue Investoren: Bayern-Fans bleiben kritisch

Trotz aller Euphorie dürfen sich die Münchner Bosse auf kritische Wortmeldungen bei der Jahreshauptversammlung am 21. November einstellen. Teile der Fanszene sind keine Freunde weiterer Investoren und sehen den Einfluss des eingetragenen Vereins und damit der Anhängerschaft schwinden. Zwar bleibt der e. V. mit 70 Prozent klarer Mehrheitseigner, doch der Aufsichtsrat bekommt mit Max Viessmann ein zehntes Mitglied – und zwar erneut einen Vertreter aus der Unternehmenswelt.

Die Bayern-Fans kritisierten den Viessmann-Einstieg zu Saisonbeginn
Die Bayern-Fans kritisierten den Viessmann-Einstieg zu SaisonbeginnDie Bayern-Fans kritisierten den Viessmann-Einstieg zu Saisonbeginn

Ein weiteres Argument der Kritiker führt zurück ins Jahr 2021. Damals hatte Hainer eindringlich dafür geworben, die Möglichkeit eines Verkaufs der verbliebenen fünf Prozent offenzuhalten. Angesichts der Corona-Pandemie und der damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheit warb er aus nachvollziehbaren Gründen um die Unterstützung der Vereinsmitglieder.

„Manövriermasse“ nannte es Hainer damals. Der damalige CEO Oliver Kahn erklärte sogar, man wolle die Anteile eigentlich gar nicht veräußern. Sie könnten dem Verein aber im Falle einer finanziellen Schieflage helfen.

Mitgliedsantrag zu Anteilsverkäufen scheiterte

Bemerkenswert: Ein Antrag des Bayern-Mitglieds Michael Ott, wonach weitere Anteilsverkäufe nur mit Zustimmung der Mitgliederversammlung möglich sein sollten, erhielt damals eine deutliche Mehrheit. 473 Mitglieder stimmten dafür, nur 236 dagegen, 46 enthielten sich. Der Antrag scheiterte dennoch, weil die erforderliche Dreiviertelmehrheit verfehlt wurde.

Aussagen und Zahlen, an die Hainer nun erinnert werden dürfte. Denn angesichts von knapp einer Milliarde Euro Umsatz und dem ständigen Mantra der Bayern-Bosse, dass der Verein finanziell kerngesund sei, muss die Frage erlaubt sein, wieso der Anteilsverkauf gerade jetzt nötig sein soll. Wo soll hier eine Krise sein?

Hinter den Kulissen des Vereins sieht man sich für diese absehbare Auseinandersetzung mit den kritischen Fans allerdings gewappnet. SPORT1-Informationen zufolge kam der Deal mit Viessmann auch deswegen zustande, weil die Bayern-Führung keinesfalls erst eine Krise abwarten wollte, um dann unter Druck irgendeinen Investor an Bord holen zu müssen. Der neue Partner komme dagegen zum richtigen Zeitpunkt: jetzt.

Bei Viessmann wiederum will man das Geschäft nicht als reines Fan-Investment verstanden wissen. Zwar ist Max Viessmann glühender Bayern-Anhänger und seit Jahren rund um den Verein aktiv, doch auch sein Unternehmen verfolgt wirtschaftliche Interessen.

Das ist die Logik der Bayern-Bosse

Dabei ist die Viessmann Generations Group nicht mit dem früheren Heiztechnikgeschäft Viessmann Climate Solutions gleichzusetzen, das 2024 an den US-Konzern Carrier verkauft wurde. Die Familiengruppe ist inzwischen breiter aufgestellt und investiert unter anderem in Zukunftstechnologien. Die Zusammenarbeit mit dem FC Bayern soll sich insbesondere auf Nachhaltigkeit, Internationalisierung und Digitalisierung erstrecken.

Die Logik der Bayern-Bosse ist damit klar: Lieber jetzt einen Partner auswählen, der zum Verein passt, als irgendwann aus finanzieller Not handeln zu müssen. Doch genau darin liegt auch der Konflikt mit den Kritikern. Denn was für die Verantwortlichen eine kluge Vorsichtsmaßnahme ist, dürfte manchem Mitglied als unnötiger Verkauf des letzten verfügbaren Tafelsilbers erscheinen.

Ob die geschätzten 250 Millionen Euro diesen Schritt rechtfertigen, wird sich erst zeigen müssen. Entscheidend ist schließlich nicht nur, wie viel Geld die Bayern für ihre Anteile bekommen – sondern auch, was sie daraus machen.

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