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Während der erste Herbststurm über Deutschland und auch das Auestadion fegt, blickt auch Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel ungemütlichen Zeiten entgegen.
Walldorf/Kassel – Das 1:4 (1:2) am Samstag beim FC-Astoria Walldorf war die zweite deutliche Niederlage in Folge. Die Euphorie der Vorsaison mit Platz sechs ist längst verflogen. Die Zuschauerzahlen sinken – wie immer, wenn es sportlich nicht läuft – peu à peu. Spätestens jetzt dürfte allen Beteiligten bewusst sein, dass der Traum von einer weiteren Steigerung nach dem Umbruch im Sommer vermessen war. Es ist Abstiegskampf angesagt.
„Ich bin jetzt seit gut 24 Monaten hier. Damals war es zappenduster. Aber klar, ich bin sportlich verantwortlich. Und es ist das erste Mal in meiner Zeit hier, dass wir eine sportliche Krise durchlaufen“, sagt Trainer René Klingbeil. Fügt aber auch an: „Das muss man in so einer Phase auch einpreisen. Der Verein ist sehr ruhig, die Verantwortlichen sprechen mir das Vertrauen aus. Drumherum wurden ja schon einige Trainer ausgewechselt. Wir müssen jetzt trotzdem aufpassen und zusammenrücken. Ich habe da gar keine Angst. Wenn, dann geht der Tadel an mich selbst. Ich weiß, was die Jungs können.“
Was seine Jungs in Walldorf mal wieder nicht geschafft haben, war, zu Null zu spielen. Bereits in der zweiten Minute bediente Iosif Maroudis Kenny Freßle, der sich zu leicht um Nael Najjar drehen konnte und aus kurzer Distanz einschob. Karlo Kuranyi, Sohn des ehemaligen Profis Kevin Kuranyi, verwandelte einen Elfmeter nach einem Foul von Tobias Boche zum 2:0 für die Gastgeber (38.). Nur zwei Minuten später verkürzte Cemal Kaymaz aus dem Rückraum nach einem schönen Pass von Sercan Sararer. Ein 1:2 zur Pause war da durchaus noch ein Ergebnis, mit dem die Löwen leben konnten.
„Ich finde, dass wir in der ersten Halbzeit noch gut gespielt haben. Da haben wir mehr fürs Spiel investiert. Ich kann das mit dem Zu-Null-Spielen gar nicht mehr ansprechen. Aber eigentlich muss ein Auswärtstor auch mal reichen. Mit der zweiten Halbzeit bin ich dann überhaupt nicht mehr einverstanden“, sagt Klingbeil. In dieser sorgten erneut Kuranyi per Kopf (52.) und Felix Kendel (63.) für die deutliche Pleite.
Doch wo liegt die Ursache für die anhaltende defensive Anfälligkeit? „Wir haben in dieser Saison viel gewechselt. Was wir brauchen, ist Stabilität, Selbstverständnis. Wir dürfen jetzt nicht wild werden. Wir werden bei unserem System bleiben. Ich versuche, Ruhe auszustrahlen. Wenn wir vom Ballbesitz in die Defensive umschalten, da müssen alle noch mal mehr die Beine in die Hand nehmen. Auch das Mittelfeld muss sich ein Stück weit noch finden“, sagt Klingbeil, dem es vor allem im zweiten Durchgang in Walldorf dann auch zu viel „Ballschleppen“ seiner Zentrumsspieler war. Was jedenfalls deutlich wird: Das Trio Adrian Bravo Sanchez, Mirnes Pepic und Kaymaz ist bei Weitem noch nicht so gut austariert, wie es Bravo Sanchez, Lukas Rupp und Yannick Stark im Vorjahr waren. Und das sorgt dann auch für defensive Schwächen.
Mit etwas Galgenhumor merkt Klingbeil an: „Das Beste an diesem Spieltag ist, dass Walldorf in der Tabelle nicht an uns vorbeigezogen ist.“ Am Sonntag gab es dann aber noch eine gute Nachricht für den Coach. Abwehrchef Maurice Springfeld, der nach einer Stunde angeschlagen vom Feld musste, wird wohl nicht ausfallen und am Mittwoch im Hessenpokal in Baunatal und am Samstag zuhause gegen Barockstadt zur Verfügung stehen. Ein MRT am Montag soll abschließende Sicherheit geben, aber der 28-Jährige sagt: „Es geht mir gut. Es war dann eher eine Vorsichtsmaßnahme. Weil die Stelle an den Adduktoren betroffen war, an der ich operiert wurde. Aber ich denke nicht, dass etwas Strukturelles kaputt ist.“
Springfeld hatte in der Vorsaison zusammen mit Frederic Brill noch ein starkes Innenverteidiger-Duo gebildet, aktuell haben die Löwen zusammen mit Barockstadt die meisten Gegentore der Liga kassiert. „Durch Verletzungen und Krankheit mussten wir bislang häufig rotieren, konnten uns nicht wirklich einspielen. Das spielt eine Rolle. Aber es ist auch eine Frage der Einstellung, wie wir als Team gemeinsam verteidigen. Da müssen wir uns hinterfragen und jeder bei sich selbst anfangen. Uns muss bewusst sein, dass wir uns im Abstiegskampf befinden“, sagt Springfeld. Ein gemütlicher Herbst sieht anders aus. (Maximilian Bülau)