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Es wäre allemal eine Übertreibung zu sagen, dass Julian Nagelsmann wegen Deniz Undav als Bundestrainer gescheitert ist. Was man aber schon sagen kann: dass der Umgang mit der Personalie Undav zu seinem Scheitern beitrug, ganz konkret, aber auch, weil er auf ein tiefer liegendes Defizit bei Nagelsmann verwies.
Zur Erinnerung: Beim Stuttgarter Stürmer brachte er sich durch unvorteilhafte und unnötige Äußerungen in eine Situation, in der er wie ein Getriebener wirkte und letztlich gegen seine Überzeugung handelte. Das Thema entglitt ihm erst kommunikativ, dann inhaltlich – ein Kontrollverlust.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Daran kann man sich jetzt noch einmal erinnert fühlen, wenn Jürgen Klopp über einige seiner Spieler Dinge sagt, die unnötig und auch ein bisschen unvorteilhaft wirken und, wie sich gezeigt hat, schwer wieder einzufangen sind. Das prominenteste Beispiel: Joshua Kimmich. Das jüngste: Niclas Füllkrug.
Man kann daran aber auch erkennen, was sich bei Klopp im Vergleich zu Nagelsmann verändert hat. In Sachen Kommunikation ist er, salopp gesagt, noch kürzer gekoppelt als sein Vorgänger. Was gerade im Kopf ist, muss auch raus. Das hat gerade deshalb nicht Methode, aber es ist zugleich: die Methode Klopp.
Damit die funktioniert, braucht es ein Persönlichkeitsmerkmal, das Nagelsmann nur bedingt, Klopp aber wie kaum ein Zweiter besitzt. Man nennt es Verdrängung. Eine natürliche Autorität, die es ihm auch leichter macht, heute das eine zu sagen und morgen vielleicht, wenn sich die Situation geändert hat, das andere zu tun.
Wie weit man diese Methode treiben kann, und vor allem, wie weit sie trägt? Das muss sich erst noch zeigen. Fürs Erste ist nur klar: Es sind Klopps Regeln, nach denen nun bei der Nationalmannschaft gespielt wird, fußballerisch, aber auch kommunikativ, das Gesetz größtmöglicher Intensität.
An seinen bisherigen Standorten hat das nicht nur zu einem gesunden Leistungsbewusstsein, sondern letztlich zu großem Erfolg geführt. Damit das wieder funktionieren kann, braucht es aber noch etwas anderes: die richtigen Spieler. Für Klopp müssen das nicht zwingend die Besten sein, aber diejenigen, die sein Spiel mit größter Überzeugung mitspielen. Wer nun dabei ist, vor allem aber auch, wer nicht, darf das als Fingerzeig unter diesem Gesichtspunkt betrachten.
Intensiv hinschauen sollte Klopp bei seinen Kandidaten aber noch in einer speziellen Hinsicht. Erfolgreich waren die Deutschen und ihre Bundestrainer zuletzt nur noch darin, sich Weltklasse einzureden. Das war ein wesentlicher Grund, warum sie bei vergangenen Turnieren reihenweise scheiterten. Als Meister der Verdrängung dürfen sie sich in dieser Sache nicht noch mal erweisen.