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Saisonthesen auf dem Prüfstand: Lag Andreas Beune mit seinen Thesen für 2026 richtig?

Vor der Saison 2026 haben wir die Thesen einiger Radsportexperten eingesammelt – diese kommen nun auf den Prüfstand. Hier die von Sportjournalist Andreas Beune.

Andreas Beune

1 | Die Klassiker: Oranje & Mauritius jubeln

Murmeltiertag bei den Klassikern der Männer: Während Mathieu van der Poel nach einer starken Cross-Saison mit dem üblichen Elan Roubaix & Co. anvisiert, ist die Winterpause für Dauerrivalen Wout van Aert mit einem Knöchelbruch mal wieder suboptimal verlaufen. Die Folgen sind spürbar: Van der Poel wird auch in diesem Frühjahr mehr Grund zu jubeln haben als sein belgischer Kollege. Das Flandern-Roubaix-Duell mit Tadej Pogacar geht allerdings wieder unentschieden aus: Jeder gewinnt eines der beiden Rennen.

Bei den Frauen geht es überraschender zu: Auch wenn Lotte Kopecky nach dem enttäuschenden Vorjahr in der neuen Saison wieder verstärkt ihr Augenmerk auf die Klassiker legt: Kim Le Court-Pienaar lässt Mauritius bei zwei großen Frühjahrsrennen jubeln.

  • Hier lag ich mehrfach falsch. Wout van Aert siegte bei Paris-Roubaix und lag damit vor Mathieu van der Poel, der in diesem Jahr bei den Frühjahrsklassikern leer ausging, auch wenn er mit einem 2. Platz bei der Flandern-Rundfahrt und einem 4. Platz bei Paris-Roubaix gute Ergebnisse erzielte. Mit Tadej Pogacar konnten beide nicht mithalten: Der Überflieger siegte bei Strade Bianche, Mailand-Sanremo, Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich. Kim Le Court-Pienaar hatte kein gutes Frühjahr: Bei der Flandern-Rundfahrt brach sie sich das Handgelenk und konnte erst nach einer längeren Pause ins Renngeschehen eingreifen.

2 | Tour de France: Pogacar geht nicht nur einmal aufs Treppchen

Am Schlusstag der Tour de France steigt Tadej Pogacar bei der Siegerehrung aufs Podium! Okay, diese These klingt erstmal ungefähr so gewagt wie die Prognose, dass auch morgen wieder die Sonne aufgeht. Doch Halt, Tadej Pogacar wird nämlich gleich dreimal aufs Podium gebeten: als Gesamtsieger der Rundfahrt, als Sieger der Mannschaftswertung und als Gewinner der Punktewertung. Als wäre das alles nicht genug, landet UAE-Teamkollege Isaac Del Toro auch noch in der Top 3 der Gesamtwertung.

Die Tour de France Femmes wird hingegen mit einer neuen Trägerin des Gelben Trikots enden: Demi Vollering gewinnt die Rundfahrt vor Pauline Ferrand-Prevot. Jubeln darf in Frankreich auch Marlen Reusser über einen Etappensieg.

Überprüfung

  • Ein Teil der Prognose stimmte nicht: Tadej Pogacar gewann zwar die Tour de France, doch in Paris durfte er nur einmal aufs Treppchen. Richtig hingegen war die Vorhersage, dass Teamkollege Del Toro in die Top 3 fuhr. Ebenfalls richtig lag Andreas Beune mit Demi Vollering als Gesamtsiegerin der Tour de France Femmes und der Vorhersage eines Etappensiegs von Marlen Reusser, die das Zeitfahren der Frankreich-Rundfahrt gewann. 

3 | Jonas Vingegaard landet bei der Tour de France nicht in den Top 5

Der vorherige Start beim Giro d’Italia und das Fehlen von Edelhelfer Simon Yates, der seine Rennschuhe ja überraschend kurzfristig an den Nagel gehängt hat, hinterlassen Spuren: Jonas Vingegaard kann bei der Frankreich-Rundfahrt Tadej Pogacar erneut nicht gefährlich werden und landet am Ende noch nicht einmal unter den besten fünf Fahrern. Als Trostpflaster gewinnt der Däne jedoch die Alpe-d‘Huez-Etappe.

Überprüfung

  • Ein klares Jein. Jonas Vingegaard musste nach einem Sturz die Tour de France zwar vorzeitig verlassen, die Alpe-d‘Huez-Etappe konnte er dadurch aber auch nicht gewinnen. 

4 | Popcorn raus! Red Bull Bora-hansgrohe sorgt für den meisten Gesprächsstoff

Was das Sportliche angeht, zieht die Mannschaft UAE Emirates XRG oben einsam ihre Kreise. Im Windschatten haben vor allem Red Bull Bora-hansgrohe und Lidl-Trek kräftig investiert. Mit den neuen Teamleadern wachsen jedoch auch die Erwartungen. Die Teamführungen brauchen ein gutes Händchen, um die verschiedenen Einzelinteressen von Evenepoel-Lipowitz-Roglic bzw. von Ayuso-Skjelmose-Gee-West unter einen Hut zu bringen. Ansonsten wird Patrick Evenepoel in den belgischen Medien sicher dankbare Abnehmer für klare Statements zu seinem Sohn finden (Juan Ayuso hat der spanischen Presse im Bedarfsfall gewiss auch was mitzuteilen). Und so etwas wie die „Lipomania“ steht ja im Sommer auch noch im Raum.

Wer liefert nun also den Medien, Podcastern und Fans den meisten Popcorn-Stoff? Keine Frage: Red Bull Bora-hansgrohe hat mit Evenepoel, Lipowitz und Roglic drei so unterschiedliche Spitzenfahrertypen, die mit einem riesengroßen Erwartungsrucksack unterwegs sind, dass das Team hier uneinholbar vorne liegt.

Überprüfung

  • Kein Treffer. Zwar boten gerade die ersten Tour-Tage viel Gesprächsstoff, was die Leader-Frage bei Red Bull Bora-hansgrohe betraf, doch war die Popcorntüte nach dem sturzbedingten Aus von Florian Lipowitz leer. Da war bei beim Team Lidl-Trek mit dem Ausreißer-Frust von Quinn Simmons bei der Tour de France schon etwas mehr Zunder drin. Für die Red-Bull-Granden verlief die Saison überhaupt gut: Florian Lipowitz gewann die Slowenien-Rundfahrt und fuhr bis zum Ausscheiden eine starke Tour de France, Evenepoel schaffte es aufs Tour-Podium und gewann Amstel Gold, Clasica San Sebastian und in Quebec, während Primoz Roglic die Vuelta als Zweiter beendete. Da boten zum Beispiel UAE oder Lidl-Trek im Laufe des Jahres mehr Diskussionsstoff.

5 | Cian Uijtdebroeks verlässt Movistar vorzeitig 

Eigentlich hat Cian Uijtdebroeks bei Movistar ja einen Vertrag bis 2029 unterschrieben. Doch auch im neuen Umfeld des spanischen Teams wird sich der belgische Ausnahmefahrer nicht pudelwohlfühlen und die Mannschaft schon nach dem Saisonende verlassen. Next Station: Decathlon CMA CGM.

Überprüfung

  • Nein. Cian Uijtdebroeks ist weiter bei Movistar, auch wenn seine Saison durch zwei große Enttäuschungen gekennzeichnet ist: Bei der Tour de France musste er vorzeitig krank vom Rad steigen, bei der Vuelta stürzte er bereits auf der 2. Etappe schwer und verließ kurz darauf die Rundfahrt. 

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