flag
back Zurück
Zverevs „Gegenteil“-Aussage über Becker ist blanker Unsinn
Boris Becker (l.) kritisierte Alexander Zverev im Laufe der Jahre mehrfach für ein zu passives Spiel
Boris Becker (l.) kritisierte Alexander Zverev im Laufe der Jahre mehrfach für ein zu passives Spiel

Als zweiter Deutscher nach Boris Becker springt Alexander Zverev an die Spitze der Weltrangliste. Dabei wirken Zverevs Worte über Beckers frühere Kritik unsouverän. Mehr noch: Inhaltlich sind sie einfach falsch.

1991 führte Boris Becker für 12 Wochen die Tennis-Weltrangliste an. Alexander Zverev, die neue Nummer eins, dürfte mindestens 13 schaffen. „Eine Woche mehr als Boris? Sehr gut! Dann hat sich der Sieg ja gelohnt“, meinte er verschmitzt. Das ging als Lacher durch, völlig in Ordnung.

Halbwegs unsouverän erschienen Aussagen, die Zverev danach über Becker tätigte – ohne dessen Namen zu nennen: „Mich hat immer nur einer die vergangenen Jahre kritisiert, so seit drei Jahren. Und das interessiert mich wenig. Immer, wenn er was gesagt hat, ist das Gegenteil passiert, damit kann ich sehr gut leben.“

„Zverev scheitert an Zverev und nicht am Gegner“, sagte Becker 2021

Es passierte immer das Gegenteil? Das ist patzig. Und hart gesagt: blanker Unsinn. Zverev avanciert auch deshalb zur Nummer eins, weil er seinen Stil im Jahr 2026 merklich umstellte. „Ich war mutig. Ich habe mein Spiel geändert. Ich habe gesagt, dass ich mal was anderes probiere. Mit 29. Ich glaube, das würde nicht jeder machen“, betonte er.

Schauen wir uns mal an, was Becker im Laufe der Zeit über Zverevs Tennis gesagt hatte. Als TV-Experte bei Eurosport und in diversen Podcasts.

Tennis-Legende Boris Becker steht Rede und Antwort
Tennis-Legende Boris Becker steht Rede und Antwort

„Zverev scheitert an Zverev und nicht am Gegner. In kritischen Phasen bleibt er zu passiv, er steht hinter der Grundlinie und hofft, dass der Gegner einen Fehler macht.“ (Becker 2021)

„Ich habe Zverev sehr lange nicht mehr so passiv gesehen. Man kann verlieren und schlecht spielen, aber man kann immer die Seele auf dem Platz lassen.“ (Becker 2022)

„Man hat den Eindruck, dass er sich nicht weiterentwickelt hat und die Gegner ganz genau wissen, wie sie gegen ihn spielen müssen. Das ist ein Problem.“ (Becker 2023)

„Weltspitze sieht anders aus. Ich dachte wirklich, er klopft an die Tür von Jannik Sinner und Carlos Alcaraz.“ (Becker 2025)

Zverev passte an, was Becker und andere eingefordert hatten

Inzwischen klopft Zverev mehr denn je an die Tür der beiden – obgleich er einräumte, dass sein Sprung auf den Tennis-Thron auch den vielen Verletzungen von Sinner und Alcaraz geschuldet ist. Kleinreden aber sollten wir Zverevs Leistung nicht. Im Gegenteil.

Auf der einen Seite wirkt er persönlich und mental gefestigter. Zugleich machte er auf dem Tenniscourt eine kleine Metamorphose durch:

  • Bis zu einem Meter näher an der Grundlinie
  • Proaktiver und aggressiver
  • Erheblich konstantere Vorhand
  • Mehr Variationen (Rückhand-Stoppbälle, Serve-and-Volley)
  • Sein Donneraufschlag bleibt das Faustpfand
Alexander Zverev ist am Tennis-Gipfel angekommen
Alexander Zverev ist am Tennis-Gipfel angekommen

Insgesamt ziemlich genau das, was Becker – wie viele andere Beobachter – oft eingefordert hatten. Zu Siegen gegen Sinner (zehn Pleiten in Folge) und Alcaraz reichte es dennoch nicht, vielleicht: noch nicht. Zverev weiß das, er hat einen Blick für die Relationen und Realitäten.

„Der Vater, der Bruder – die gleichen Gesichter wie seit Jahr und Tag“

Und zu seiner Verteidigung: Neben spieltaktischen Elementen hatte Becker noch 2025 moniert, dass sich in Zverevs „Box nichts Neues“ tue. „Da ist der Vater, da ist der Bruder – die gleichen Gesichter wie seit Jahr und Tag.“

Als Zverevs Aufstieg zur Nummer eins feststand, hob er exakt diese Kontinuität heraus: „Es ist eines der besten Gefühle auf der Welt, aber ich hätte das alles nicht geschafft, ohne die Leute, die jetzt in meiner Box sind. Wir sind seit 13 Jahren auf der Tour, und wir haben alles miteinander erlebt, ich habe mehr oder weniger dieselbe Mannschaft seit Beginn meiner Karriere. Dieser Verdienst ist nicht nur meiner.“

Da hat Zverev unbenommen einen Punkt. Wahrscheinlich hatte er die Becker-Kritik an seinem Betreuerteam nicht vergessen. Es stünde ihm trotzdem gut, im Moment des Triumphs etwas mehr Größe zu zeigen.

Könnte Ihnen gefallen

Zverev in Richtung der Konkurrenz: „Es geht auch um die Fitness“

KURIER vor 4 Stunden

Nach Coup gegen Tennis-Gigant: Hier sehen Sie Jan-Lennard Struff heute live im TV und Stream

Frankfurter Rundschau vor 1 Stunde