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Ohne Remberg und Sambi Lokonga setzt der HSV gegen Stuttgart auf ein unerwartetes Mittelfeld. Warum Adeline, Nadir und Muheim so überzeugten.
Der am Freitag an seinem Kreuzband operierte Nicolai Remberg fehlte erstmals, dazu auch der angeschlagene Albert Sambi Lokonga. Also musste Merlin Polzin beim 1:0 gegen den VfB Stuttgart ein ganz anderes Mittelfeld als beim 3:2 in Hoffenheim aufbieten. Der HSV-Coach entschied sich gegen den klassischen Abräumer Kofi Amoako – sondern für eine Dreierreihe im Zentrum, bestehend aus Bilal Nadir, Siegtorschütze Miro Muheim und Martin Adeline. Das überraschende Startelf-Trio hinterließ Eindruck.
Adeline war nach 45 Minuten mit 6,5 abgespulten Kilometern der laufstärkste Profi auf dem Platz. Zum Vergleich: Stuttgarts Sechser Atakan Karazor, der intensivste aufseiten der Gäste in dieser Hinsicht, kam zur Pause auf 5,7 Kilometer. Der HSV lief gegen den im Ballbesitz dominanten VfB zwar viel hinterher, das aber kompakt und geordnet. Trotz der Ausfälle von Remberg und Sambi Lokonga, die in der Regel den Rhythmus bestimmen und für die Organisation auf dem Rasen sorgen, war die taktische Anlage der Hamburger stabil.
Nadir und Muheim nahmen aktiv am Spielaufbau teil, auch Adeline ließ sich immer wieder tief fallen. Wenn es zu brenzlig wurde und das Stuttgarter Pressing fruchtete, wählte HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes den langen Ball auf Zielspieler Yussuf Poulsen. Aber das war ein bewusst eingestreutes Mittel. Polzin gefiel die Struktur bei seiner Mannschaft – und sah sich in seiner Aufstellung bestätigt.
Amoako, der vermeintlich logische Eins-zu-eins-Ersatz für Remberg, blieb zunächst auf der Bank. Offenbar hatten die Coaches bei dem 21‑jährigen Ex-Dresdener noch ein paar Restzweifel. „Bei Kofi haben wir offen und ehrlich kommuniziert, an welchen Dingen er weiterarbeiten muss“, erklärte Polzin bereits vor dem Anpfiff und begründete die Hereinnahme von Nadir so: „Bilal hat eine Balleroberungsmentalität in giftigen Momenten, in denen er sich behaupten kann. Er hat sich hochgearbeitet aus nicht ganz so einfachen Verhältnissen, hat in Frankreich auf höchstem Niveau schon viel Erfahrung sammeln dürfen. Ich bin fest davon überzeugt, dass, wenn wir alle gemeinsam als Team auftreten, er auch eine gute Rolle spielen wird.“
Nadir erledigte seinen Job tatsächlich souverän und unaufgeregt. Im Vergleich zu seinem ersten Startelfeinsatz gegen Mainz (0:5) war der Marokkaner konsequent in der Defensive und weniger verspielt am Ball, machte zudem einige clevere Körpertäuschungen. „Das Spiel, das Bilal heute gemacht hat, war unglaublich“, lobte Abwehrchef Sebastiaan Bornauw hinterher. „Und auch Martin hat ein Superspiel gemacht.“
Adeline war unter den drei Profis über weite Strecken der größte Impulsgeber in der Offensive. Die beiden Großchancen von Poulsen kurz nach der Pause (Kopfball an den Außenpfosten nach Flanke von David Møller Wolfe/48.; Lattenschuss nach Querpass von Fábio Vieira/53.) leitete der Franzose mit sauberen Steckpässen ein. Adeline agierte mutig, war stets bemüht und ständig unterwegs, ehe er in der 78. Minute und mit 10,6 Kilometern in den Beinen entkräftet Feierabend hatte.
Aber auch Nadir schaltete sich in der gegnerischen Hälfte mit ein, flankte gefühlvoll auf Nicolás Capaldo (61.) und probierte es aus der Distanz (64.). „Bilal ist ein super Fußballer, der super kicken kann und am liebsten am Ball ist“, beschrieb Poulsen und lobte: „Wenn man sieht, wie der herumsprintet und alles gibt bis zur letzten Minute, bis es nicht mehr geht: Das ist genau das, was wir brauchen. Bilal war super heute.“
Und Muheim, der Matchwinner von Hoffenheim, war bei seinem Startelfdebüt in dieser Saison der spektakuläre Siegtreffer vergönnt (88.). Die Zusammenstellung, mit der nur bedingt zu rechnen war, ging auf. Amoako kam erst in der Schlussphase (83.) für den von Krämpfen geplagten Nadir, feierte seine Pflichtspielpremiere im Volksparkstadion – und das späte 1:0 mit. Muheim war am Ende der größte Held von allen.
„Ausfälle wie Sambi und Rambo zu ersetzen, ist extrem schwer, aber wir haben super Jungs hier, die ready sind, wenn sie gebraucht werden. Das haben wir heute gesehen“, sagte der Schweizer und betonte: „Wir werden alle brauchen diese Saison. Deshalb ist das sehr, sehr schön zu sehen.“